greentec steel: Das EAF-Zuhause entsteht
Mit 100 Metern Länge, 60 Metern Breite und 65 Metern Höhe ist das neue Elektrostahlwerksgebäude ein wahrer Koloss. Es wird zukünftig das Kernaggregat, den EAF 1 (Electric Arc Furnace = Elektrolichtbogenofen), beheimaten. Der Bau verzeichnet bereits beeindruckende Fortschritte, sodass 2026 die Fertigstellung der Gebäudehülle, die Installation des Anlagenequipments sowie die umliegende Infrastruktur auf dem Programm stehen. Dass zur selben Zeit am Baufeld des EAF auch die Sekundärmetallurgie 5 (SekMet5) entsteht, macht das Projekt und die Organisation der Abläufe noch fordernder. Das Projektteam stemmt angesichts enger Platzverhältnisse, vieler parallel laufender Tätigkeiten und zahlreicher Gewerke eine Mammutaufgabe.

Bauplanung: Immer in Bewegung
Bereits seit Juni 2024 hat das Team rund um Hannes Unter, Richard Oberhamberger und Franz Gerersdorfer intensiv an dem Montagekonzept für die Anlage gearbeitet. Denn die Fläche für die Errichtung des kompakt gebauten Elektrostahlwerks ist äußerst begrenzt. Zusätzlich produziert das direkt angrenzende Stahlwerk im Vollbetrieb. Nachsicht und gegenseitiges Verständnis sind daher entscheidend, um gemeinsam im laufenden Betrieb solch ein Vorhaben umsetzen zu können. Zudem muss die zeitgerechte Anlieferung der riesigen Bauteile genau geplant sein, um sie auf dem engen Raum überhaupt einbauen zu können. Das elf Meter lange und neun Meter breite Ofengefäß wird beispielsweise per Schiff im Schwerlasthafen angeliefert und dann quer durchs Werk an seinen Bestimmungsort transportiert.
Von Steckdose bis Ofenwiege
Nach der Ausschreibungsphase für die Anlagenmontage und technischen sowie kaufmännischen Verhandlungen wurden Ende 2025 die Aufträge an die Partnerfirmen vergeben. Aktuell laufen noch Massiv- und Stahlbauaktivitäten, gleichzeitig schreiten schon die Arbeiten an der Fassade voran, um die Gebäudehülle zu schließen. Parallel starten bereits die Mechanik-Montage sowie die Installation der Fördertechnik für die Rohstoffversorgung. Der 30 Meter hohe, 5 Meter lange und 16 Meter breite Abhitzekessel, der das 1.400 °C heiße Abgas in Dampf umwandelt, wird installiert. Auch die Arbeiten rund um die Energieversorgung, Prozesselektrik, Medientechnik und Hydraulik haben bereits Fahrt aufgenommen. Zeitgleich ist die Errichtung der Ofenwiege, dem Grundrahmen des EAF, in vollem Gange. Die Fundamente der Entstaubungsanlage sind bereits fertiggestellt und die Montage der Entstaubungsanlage ist schon fortgeschritten. Die Arbeiten laufen insgesamt hervorragend – eine einzigartige Leistung für ein Projekt dieses Ausmaßes.
Umsetzungsstark: Viele Köche…
…machen dieses Projekt erst möglich – so das Motto des Stahlwerkbaus. Mehrere Gewerke arbeiten auf engstem Raum zusammen. Dafür zu sorgen, dass jedes Gewerk zur richtigen Zeit seinen Aufgaben nachkommen kann, ist essenziell. Denn jeder Bereich benötigt bestimmte Voraussetzungen, um termingerecht seine Tätigkeiten abschließen zu können. Besonders wichtig ist dabei, in der Planung immer den roten Faden im Auge zu behalten. Was ist wann sinnvoll und welches Gewerk hat zu welchem Zeitpunkt Priorität. Allein mit den zwei größten Gewerken Stahl- und Massivbau sind rund 250 Menschen auf der Baustelle tätig. Oberste Priorität in der Projektabwicklung ist, dass jede:r wieder gesund heimkommt. Arbeitssicherheit steht daher stets klar an erster Stelle.
greentec steel: Auf dem Weg zum Start
Der Hauptteil aller Montagen wird im Kalenderjahr 2026 umgesetzt, im Frühjahr 2027 sind lediglich noch kleine Restmontagen geplant. Dem Team stehen einige kritische Montagen bevor, die absolut entscheidend sind für das Gelingen des Projekts. Wenn die Ofenwiege fertig ist, das Gefäß passgenau darauf sitzt und der Kessel montiert ist, wird eine erste Erleichterung spürbar sein. Die wirkliche Entspannung wird jedoch erst dann einsetzen, wenn alles erfolgreich montiert ist und die Anlagen wie geplant in Betrieb sind, ist sich das Projektteam einig. Ab Herbst sind gestaffelt Tests der einzelnen Aggregate vorgesehen. Die Anlage wird damit im Kalttest strukturiert beginnend mit Signalchecks, über die Funktionstests bis in den Regelbetrieb überführt. Allen Beteiligten ist bewusst, dass 2026 herausfordernd wird. Das Projekt ist jedoch sehr gut im Zeitplan, das Team bleibt fokussiert und ist damit zuversichtlich, dass im Februar 2027 der EAF und im April 2027 die SekMet5 wie geplant erfolgreich in Betrieb gehen können.
Zu greentec steel
Die voestalpine hat mit greentec steel einen ambitionierten und umsetzbaren Stufenplan, um ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten zu können. Im ersten Schritt plant der Konzern ab 2027 zwei Hochöfen durch zwei Elektrolichtbogenöfen (EAFs) zu ersetzen. Das Investitionsvolumen dafür beträgt rund 1,5 Milliarden Euro.
Mit dem teilweisen Umstieg von der Hochofen- auf die Elektrostahlroute können bereits bis 2029 die CO2-Emissionen um rund 30 % reduziert werden. Das entspricht einer Einsparung von knapp 4 Mio. t CO2 pro Jahr – das sind fast 5 % der CO2-Emissionen Österreichs. greentec steel ist damit das größte Klimaschutzprogramm in Österreich.
Mit den beiden Elektrolichtbogenöfen kann die voestalpine ab 2027 jährlich ca. 2,5 Mio. Tonnen CO2-reduzierten Stahl produzieren, davon 1,6 Mio. Tonnen in Linz und 850.000 Tonnen in Donawitz. Mehr über greentec steel erfahren Sie hier.