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Zeitgeschichteausstellung 1938-1945 – voestalpine eröffnet Ort der Erinnerung

30. Oktober 2014 | 

Die voestalpine setzt sich in einer neuen Dauerausstellung mit dem Schicksal der NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der ehemaligen Reichswerke Hermann Göring in Linz auseinander – dem heutigen Standort ihrer Konzernzentrale und der Division Stahl. Grundlage der Ausstellung bildet neben aktuellen Forschungsergebnissen die Aufarbeitung von 38.000 NS-Personalakten und Lohnbögen. Für das Unternehmen markiert die Zeitgeschichteausstellung einen weiteren wesentlichen Schritt in der Bewältigung des sowohl politisch und historisch als auch menschlich und emotional herausforderndsten Teils seiner Geschichte. Der Konzern stellt sich damit einmal mehr der eigenen Vergangenheit.

Am 31. Oktober eröffnet die voestalpine in der Linzer Konzernzentrale die auf Dauer angelegte Zeitgeschichteausstellung 1938-1945 – gewidmet den NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern am Standort Linz der „Reichswerke Hermann Göring AG Berlin“. Als neuer, zusätzlicher Teil der voestalpine Stahlwelt beschäftigt sich die ab 3. November öffentlich zugängliche Ausstellung umfassend mit der NS-Zwangsarbeit am heutigen voestalpine-Standort Linz. Gleichzeitig soll sie einen permanenten Ort der Erinnerung darstellen. „Es war ein schmerzhafter Prozess, sich mit den Jahren des Nationalsozialismus in unserem Unternehmen auseinanderzusetzen und diese Periode auch noch als jene Zeit begreifen zu lernen, in der die Wurzeln unseres Unternehmens begründet wurden. Zur geschichtlichen Wahrheit gibt es jedoch keine Alternative“, so Dr. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, über den Anspruch des Konzerns, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.

Den Anstoß zur Ausstellung lieferte der größte archivarische Nachkriegsfund Österreichs aus dem Jahr 1998 mit mehr als 38.000 NS-Personalakten und Lohnbögen. Er bildete die Grundlage für ein umfassendes Forschungsprojekt zur Konzerngeschichte auf Basis dessen es heute auch möglich ist, ein neues Licht auf die menschenverachtende Geschichte der Zwangsarbeit in den Hermann Göring Werken zu werfen. Die Ergebnisse der damaligen Untersuchungen, mit denen die voestalpine ein unabhängiges Wissenschaftlerteam unter der Leitung des renommierten Historikers Univ.-Prof. Dr. Oliver Rathkolb beauftragt hatte, wurden 2001 in einer zweibändigen Publikation veröffentlicht und bilden – neben dem umfassenden Archivmaterial und aktuellen Erkenntnissen – die zentrale Grundlage für die neue Dauerausstellung. Sie ist damit ein weiterer wesentlicher Teil der NS-Aufarbeitung im voestalpine-Konzern, der seit 2001 mit der Schaffung des voestalpine-Dokumentationszentrums Corporate History and Documentation umfangreiche Recherche- und Dokumentationsmaßnahmen setzte und als erstes Unternehmen Österreichs dem Thema Zwangsarbeit eine auf Dauer angelegte Ausstellung widmet.

Dauerausstellung der voestalpine Stahlwelt

Die Zeitgeschichteausstellung ist ein Konzern-Projekt im Rahmen der voestalpine Stahlwelt GmbH, die seit 2009 eine in dieser Form einzigartige Entdeckungsreise entlang der Bereiche Unternehmensgeschichte, Stahlerzeugung, Stahlverarbeitung, Stahlprodukte und Stahlerfolge bietet.

Den spezifischen chronologischen Bogen spannt diese Ausstellung vom Aufbau der Hermann Göring Werke in Linz 1938 als Tochtergesellschaft der Reichswerke Hermann Göring AG Berlin über die Rolle des Eisen- und Stahlwerks als wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie bis hin zur Situation von Opfern und Tätern nach 1945. Mittels multimedialer Stationen, Audiodokumenten, Bildmaterial sowie umfangreichen Erläuterungen skizziert die in vier aufeinander aufbauende Bereiche gegliederte Ausstellung den Lebens- und Leidensweg zigtausender ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bis hin zu Jugendlichen und Kindern aus mehr als 30 Nationen. Thematisiert werden neben der menschenverachtenden Systematik der NS-Zwangsarbeit auch die Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte, die zwei Konzentrationslager am Werksgelände, Facetten und Instrumente der Willkür und Unterdrückung sowie Einzelschicksale. „Eine permanente und öffentlich zugängliche Ausstellung gleichermaßen als Erinnerung an unmenschliche Zeiten und Mahnung für die Zukunft ist auch ein dauerhaftes Zeichen des Respekts gegenüber dem Schicksal jener Menschen, die in der NS-Zeit unter unvorstellbaren Bedingungen den Aufbau und Betrieb unseres Vorgängerunternehmens bewerkstelligen mussten“, so Eder abschließend.

Ein didaktisches Führungskonzept mit speziellen Bildungsangeboten richtet sich insbesondere an junge Menschen und Schulklassen, Lernunterlagen zur Vorbereitung auf die Ausstellung werden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Öffnungszeiten Zeitgeschichteausstellung:
vorangemeldete Gruppen ab 15 Personen: Montag bis Donnerstag 09:00-17:00 Uhr & Freitag 09:00-13:00 Uhr
Individualbesucher: Freitag 13:00-17:00 Uhr & Samstag 09:00-17:00 Uhr

Eintrittspreise:
Eintritt pro Person EUR 8,00, ermäßigt EUR 6,00
Schüler im Klassenverband EUR 2,00

Website zur Ausstellung: www.voestalpine.com/zeitgeschichte

Der voestalpine-Konzern

Die weltweit tätige voestalpine-Gruppe ist ein stahlbasierter Technologie- und Industriegüterkonzern. Die Unternehmensgruppe ist mit rund 500 Konzerngesellschaften und -standorten in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Produkten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie weltweit der Öl- und Gasindustrie. Die voestalpine ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie und im Spezialschienenbereich sowie bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2013/14 bei einem Umsatz von 11,2 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,4 Mrd. Euro und beschäftigte weltweit rund 48.100 Mitarbeiter.