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Hohe Stabilität des voestalpine-Konzerns trotz schwieriger Zeiten

7. Februar 2013 | 

„Trotz des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes konnte der voestalpine-Konzern den Umsatz in den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres weitgehend stabil und den Rückgang des operativen Ergebnisses in engen Grenzen halten“, so Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG. Der Umsatz des Konzerns betrug von 1. April 2012 bis 31. Dezember 2012 rund 8,7 Mrd. EUR. Dies bedeutet im Jahresvergleich einen – moderaten –Rückgang von 2,5 % (8,9 Mrd. EUR im GJ 2011/12).

  • Operatives Ergebnis (EBITDA) des 3. Quartals um 10 %, Betriebsergebnis (EBIT) um 20 % gegenüber dem 3. Quartal 2011/12 gesteigert
  • Umsatz mit 8,7 Mrd. EUR nach 9 Monaten nahezu unverändert (8,9 Mrd. EUR 2011/12)
  • Leichter Rückgang des auflaufenden operativen Ergebnisses (EBITDA) im Vorjahres-vergleich von 1,12 auf 1,05 Mrd. EUR (-5,9 %)
  • EBITDA-Marge nach 3. Quartalen mit 12,2 % nur geringfügig unter Vorjahr (12,6 %)
  • Eigenkapital erstmals über 5 Mrd. EUR, Gearing-Ratio unter 50 %
  • Erwartung für Geschäftsjahr 2012/13 unverändert

Das operative Ergebnis (EBITDA) lag für die ersten drei Quartale mit 1,05 Mrd. EUR um 5,9 % unter dem Vorjahreswert von 1,12 Mrd. EUR, dies entspricht einer EBITDA-Marge von 12,2 % (Vorjahr: 12,6 %). Die Entwicklung des Betriebsergebnisses (EBIT) verlief weitgehend analog, es liegt mit 615 Mio. EUR um 9 % unter dem Vergleichswert des Vorjahres (676 Mio. EUR). Die EBIT-Marge ging von 7,6 % auf 7,1 % zurück. Die Ergebnisse vor- bzw. nach Steuern entwickelten sich bei weitgehend stabilem Finanz- und Steuerergebnis jeweils analog zum Betriebsergebnis (Ergebnis vor Steuern minus 11,3 % von 534 Mio. EUR auf 474 Mio. EUR bzw. Ergebnis nach Steuern minus 10 % von 411 Mio. EUR auf 370 Mio. EUR). Aufgrund der positiven Entwicklung von Ergebnis und Free Cashflow liegt das Eigenkapital erstmals über 5 Mrd. EUR bzw. das Gearing unter 50 %.

Deutliche Ergebnissteigerung im 3. Quartal gegenüber Vorjahr

Vor allem dank einer stark verbesserten Entwicklung der Steel Division steigerte sich das operative Ergebnis (EBITDA) des 3. Quartals im Vorjahresvergleich trotz eines von 2,9 auf 2,7 Mrd. EUR gesunkenen Umsatzes um 10 % von 294 auf 322 Mio. EUR, das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 20 % von 145 auf 174 Mio. EUR. Die EBITDA-Marge lag damit bei 11,8 % (nach 10,1 % im 3. Quartal 2011/12), die EBIT-Marge bei 6,4 % (Vorjahr: 5,0 %).

Metal Engineering Division legt in den ersten 9 Monaten deutlich zu

In den einzelnen Divisionen ergibt sich ein durchaus differenziertes Bild. Die Metal Engineering Division (u.a. Bahnsysteme, Weichentechnologie, veredelter Draht, Ölfeldrohre und Schweißtechnik) konnte aufgrund ihres breiten und weniger konjunktursensiblen Geschäftsportfolios den Umsatz um 0,5 % auf 2,2 Mrd. EUR ausweiten, während die übrigen Divisionen mit Umsatzrückgängen von 4 bis 5 % konfrontiert waren, die im Wesentlichen auf die schwache Marktentwicklung in wichtigen Industriesegmenten (Automobilindustrie, Energiesektor) zurückzuführen sind.

Eigenkapital erstmals über 5 Mrd. EUR, Gearing-Ratio unter 50 %, Beschäftigungsstand leicht gesunken, Investitionen deutlich gesteigert

Das Eigenkapital erhöhte sich von 4,87 Mrd. EUR zum 31.12.2011 auf 5,04 Mrd. EUR zum Jahresende 2012, die Nettofinanzverschuldung wurde im gleichen Zeitraum von 3,0 Mrd. EUR um 16 % auf 2,5 Mrd. EUR reduziert. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) sank damit von 61,3 % auf 49,8 %. Zum Stichtag 31. Dezember 2012 waren im voestalpine-Konzern rund 44.700 Beschäftigte (Full Time Equivalent inkl. Lehrlingen und Leihpersonal) tätig (minus 1 %). Rund 3.000 Beschäftigte befanden sich Ende 2012 in einem Leiharbeitsverhältnis (minus 30 %). Die Zahl der Lehrlinge, die im voestalpine-Konzern ausgebildet werden, ist mit 1.594 Jugendlichen nahezu auf dem Stand des Vorjahres (1.603). Die Investitionen wurden im voestalpine-Konzern in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 41 % von 354 Mio. EUR auf 498 Mio. EUR gesteigert und damit die Investitionstätigkeit des Konzerns wie angekündigt wieder deutlich ausgeweitet.

Industriesegmente und Wirtschaftsregionen 2012 anhaltend unter Druck

Die ersten 9 Monate des Geschäftsjahres waren von einer insgesamt schwierigen ökonomischen Situation sowohl in Europa als auch den wichtigsten außereuropäischen Wirtschaftsräumen geprägt, die sich in einzelnen Industriesegmenten im Herbst 2012 nochmals verschärfte. Vor allem in der europäischen Automobilindustrie war die Lage in der 2. Hälfte des Kalenderjahres durch nochmals verringerte Verkaufszahlen geprägt. Global gesehen stellte sich insbesondere der Energiebereich zunehmend uneinheitlich dar. Während sich die Energieexploration weiterhin dynamisch entwickelte, waren sowohl der Pipeline- als auch der Kraftwerksbau durch eine zurückhaltende Nachfrage geprägt. Der allgemeine Maschinenbau entwickelte sich auf durchaus solidem Niveau, die Bauindustrie tendierte dagegen unverändert schwach. Vergleichsweise stabil (Ausnahme Automobilindustrie) verlief die Entwicklung in Europa in jenen Abnehmerbranchen, welche direkt vom Verhalten der Endkonsumenten abhängen. Dies gilt insbesondere für die Segmente Haushaltsgeräte und Konsumgüter, wo sich zuletzt sogar Belebungstendenzen zeigten. Ungebrochen erfreulich entwickelten sich die Märkte im Bereich der Luftfahrt sowie – vor allem außerhalb Europas – der Eisenbahninfrastruktur.

Schienenwerk in Duisburg wird Ende 2013 geschlossen

Nach dem Beschluss im März 2012, die Schienenproduktion der TSTG Schienen Technik GmbH & Co KG in Duisburg zu schließen, wurden die seit diesem Zeitpunkt geführten Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich am 4. Februar 2013 für gescheitert erklärt. Es wird nun der gesetzlich vorgesehene Weg beschritten und die Einigungsstelle angerufen, um die Verhandlungen dort weiterzuführen. Ungeachtet dessen werden Gespräche über einen Sozialplan aufgenommen. Die Schließung erfolgt nach der Abarbeitung noch verbliebener Aufträge gegen Ende des Kalenderjahres 2013. Die für den Themenkomplex Kartellverfahren sowie für die Schließung der TSTG Schienen Technik GmbH & Co KG im Jahresabschluss 2011/12 gebildete Rückstellung in Höhe von insgesamt 205 Mio. EUR wurde im Wesentlichen um die Bußgeldzahlung aus dem Verfahrenskomplex Deutsche Bahn in Höhe von 8,5 Mio. EUR reduziert. Die verbleibende Rückstellung wird weiterhin als angemessen erachtet. In weiterer Folge wird das Bundeskartellamt Lieferungen von Bahnoberbaumaterial an regionale und lokale Nachfrager untersuchen. Wann mit einer Entscheidung in diesen weiteren Sachverhaltskomplexen zu rechnen ist, ist aus heutiger Sicht nicht abschätzbar.

Unveränderter Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2012/13

War das letzte Kalenderquartal 2012 in Bezug auf die Entwicklung im Jahr 2013 noch von zurückhaltender Erwartung dominiert, werden inzwischen erste Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung Chinas und Fortschritte in der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise von verschiedenen Seiten zunehmend als Trendwende interpretiert. Faktum ist allerdings, dass die Nachhaltigkeit eines Aufschwunges in China genauso erst im weiteren Jahresverlauf beurteilt werden kann wie die Frage einer beginnenden Entspannung im europäischen Schuldendilemma. Darüber hinaus sollte nicht übersehen werden, dass aus wichtigen Wirtschaftsregionen wie Indien und Südamerika keine nennenswerten Wachstumsimpulse zu erwarten sind und – was noch schwerer wiegt – das „fiscal-cliff Problem“ der USA nach wie vor nicht dauerhaft gelöst ist. Vor diesem Hintergrund scheint ein erster echter Schritt in Richtung einer globalen Konjunkturentspannung vor der zweiten Jahreshälfte 2013 wenig wahrscheinlich. Kurzfristig könnte es allerdings in einzelnen Industriesegmenten aus lagerzyklischen Gründen zu einer gewissen Belebung der Nachfrage kommen. Als vorsichtig positives Resümee lässt sich aus heutiger Sicht zusammenfassend feststellen, dass doch einiges darauf hindeutet, dass zumindest der breite konjunkturelle Abwärtstrend der letzten Quartale mit dem Jahreswechsel 2012/13 zum Stillstand gekommen ist.

Für den voestalpine-Konzern zeichnet sich im letzten Quartal des Geschäftsjahres eine sehr ähnliche Entwicklung wie im unmittelbaren Vorquartal ab, wobei beide Quartale traditionell durch erhebliche saisonale Effekte geprägt sind. Einmal mehr macht die aktuelle Entwicklung der Gruppe im Konkurrenzverglich die Richtigkeit der strategischen Grundausrichtung der vergangenen 10 Jahre deutlich: Mit der Strategie „weg vom klassischen Stahlunternehmen hin zum spezialisierten Technologie- und Industriegüterkonzern mit langer Wertschöpfungskette und anspruchsvollen Nischenprodukten“ differenziert sich das Unternehmen gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten durch eine vergleichsweise stabile Ergebnisentwicklung auf nach wie vor attraktivem Niveau. „Trotz des anhaltend herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes bleibt der Vorstand auch aus heutiger Sicht für das Geschäftsjahr 2012/13 bei der schon anlässlich des Halbjahresberichtes dargelegten Ergebniserwartung, d.h. einem operativen Ergebnis (EBITDA) in einer Größenordnung von etwa 1,4 Mrd. EUR und einem Betriebsergebnis (EBIT) von rund 800 Mio. EUR, wobei sich die Voraussetzungen für ein Erreichen dieser Zielwerte in den letzten Monaten deutlich verschärft haben“, so Eder.

Der voestalpine-Konzern

Die voestalpine-Gruppe ist ein weltweit tätiger Stahl-, Verarbeitungs- und Technologiekonzern, der hochwertige Stahlprodukte fertigt, verarbeitet und weiterentwickelt. Die Unternehmensgruppe ist mit 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in mehr als 60 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Flachstahlprodukten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie der Öl- und Gasindustrie weltweit. Die voestalpine-Gruppe ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie, bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2011/12 bei einem Umsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBIT) von 704 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 46.500 Mitarbeiter.