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Hohe Stabilität trotz schwieriger Zeiten - Ergebniserwartung für Gesamtjahr aufgrund konjunktureller Unsicherheiten rund 10 % zurückgenommen

7. November 2012 | 

Der Umsatz des Konzerns in den ersten zwei Quartalen des Geschäftsjahres 2012/13 (1. April bis 30. September 2012) war mit 5,9 Mrd. EUR nahezu ident mit dem Vorjahresumsatz (6 Mrd. EUR).

  • Umsatz mit 5,9 Mrd. EUR nahezu unverändert (6 Mrd. EUR im GJ 2011/12)
  • Rückgang des operativen Ergebnisses (EBITDA) im Halbjahresvergleich von 824 auf 730 Mio. EUR (-11,5 %)
  • EBITDA-Marge sinkt leicht von 13,8 % auf 12,3 %
  • Ergebnisentwicklung in allen vier Divisionen annähernd gleich
  • Eigenkapital erhöht, Verschuldung und Gearing-Ratio weiter verringert
  • Erwartung für Geschäftsjahr 2012/13 um 100 Mio. EUR reduziert

Aufgrund der negativen Entwicklung der Gesamtkonjunktur musste auch der voestalpine-Konzern in den ersten 6 Monaten 2012/13 bei weitgehend stabilem Umsatz im Vergleich zum sehr guten Ergebnis des 1. Halbjahres 2011/12 einen Rückgang des operativen Ergebnisses um etwas mehr als 10 % hinnehmen. Obwohl wir im 1. Halbjahr auf Kurs in Richtung des Vorjahresergebnisses lagen, hat der Vorstand im Hinblick auf die weiter wachsende konjunkturelle Unsicherheit gestern die Gewinnerwartung für das Gesamtjahr um 100 Mio. EUR zurückgeschraubt.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG

Aus aktueller Sicht ist daher für das GJ 2012/13 von einem operativen Ergebnis (EBITDA) von rund 1,4 Mrd. EUR und einem Betriebsergebnis (EBIT) von etwa 800 Mio. EUR auszugehen. Trotz des sich kontinuierlich verschlechternden Geschäftsumfeldes haben sich Eigenkapital, Nettofinanzverschuldung und Gearing aber anhaltend positiv entwickelt.

Der Umsatz des Konzerns in den ersten zwei Quartalen des Geschäftsjahres 2012/13 (1. April bis 30. September 2012) war mit 5,9 Mrd. EUR nahezu ident mit dem Vorjahresumsatz (6 Mrd. EUR). Während die Metal Engineering Division ihren Umsatz auf Basis der ausgezeichneten Nachfrage vor allem im Bereich der Eisenbahninfrastruktur sogar ausweiten konnte, wiesen die übrigen drei Divisionen in Folge gesunkener Rohstoffkosten (Steel Division) bzw. geringerer Versandmengen (Special Steel und Metal Forming Division) leichte Umsatzeinbußen auf. In ergebnismäßiger Hinsicht zeigt der Halbjahresvergleich mit dem Vorjahr auf Konzernebene einen Rückgang des operativen Ergebnisses (EBITDA) um 11,5 % von 824 auf 730 Mio. EUR bzw. des Betriebsergebnisses (EBIT) um 17,1 % von 531 auf 441 Mio. EUR. Damit reduzierte sich die EBITDA-Marge von 13,8 % im Vorjahr auf aktuell 12,3 % und die EBIT-Marge von 8,9 % auf 7,4 %. Vom Ergebnisrückgang waren alle vier Divisionen annähernd gleichermaßen betroffen. Im Halbjahresvergleich tendierten sowohl das Ergebnis vor Steuern (-21,5 % von 443 auf 348 Mio. EUR) als auch das Ergebnis nach Steuern (-22,1 % von 346 auf 270 Mio. EUR) etwas schwächer.

Eigenkapital gestiegen, Gearing-Ratio knapp über 50 %, Beschäftigungsstand unverändert

Das Eigenkapital erhöhte sich in den ersten zwei Quartalen 2012/13 auf 4,9 Mrd. EUR, was einem Plus von 2,4 % gegenüber dem Vorjahresvergleichswert von 4,8 Mrd. EUR entspricht. Aufgrund der positiven Cash-Flow-Generierung in den letzten vier Quartalen sehr deutlich zurückgegangen ist die Nettofinanzverschuldung des Konzerns. Lag sie per Ende September 2011 noch bei 2,9 Mrd. EUR hat sie innerhalb eines Jahres um 14,2 % auf 2,5 Mrd. EUR bzw. gegenüber dem Geschäftsjahresbeginn (2,6 Mrd. EUR) um 3,6 % abgenommen. Entsprechend ist die Gearing-Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) in den vergangenen 12 Monaten von 61 % auf 51 % gesunken. Zu Beginn des Geschäftsjahres lag sie noch bei 53,5%. Per 30.9.2012 waren im voestalpine-Konzern auf Basis Vollzeitäquivalent 46.115 Beschäftigte tätig. Gegenüber dem Vorjahreswert von 45.944 Beschäftigten ergibt das eine marginale Erhöhung um 0,4 %, gegenüber dem Beginn des Geschäftsjahres (46.473 Beschäftigte) ein Minus von 0,8 %.

Steel Division kann gegen den europäischen Trend im zweiten Quartal wieder zulegen

Im Vergleich des 2. Quartals mit dem unmittelbaren Vorquartal ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild. Die Umsatzerlöse schwächten sich aufgrund der niedrigeren Rohstoff- bzw. Materialeinsatzkosten in allen vier Divisionen ab und lagen auf Konzernebene mit 2,9 Mrd. EUR um 5,5 % unter dem 1. Quartal 2012/13 (3,1 Mrd. EUR.) Ergebnismäßig steht operativ ein EBITDA von 355 Mio. EUR im aktuellen Quartal 375 Mio. EUR in der Vorperiode gegenüber (minus 5,4 %). Damit ist die EBITDA-Marge im unmittelbaren Vergleich von 1. und 2. Quartal konstant auf 12,3 % geblieben. Um 9 % gefallen ist im direkten Quartalsvergleich das EBIT von 231 auf 210 Mio. EUR. Während die drei Verarbeitungsdivisionen aufgrund der schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen Rückgänge bei EBITDA und EBIT aufwiesen, konnte die Steel Division deutlich zulegen. Maßgeblich dafür war die Vollauslastung der Kapazitäten bei einem gleichzeitig relativ stabilen Preisniveau. Die konzernale EBIT-Marge verringerte sich geringfügig von 7,6 % im 1. Quartal auf 7,3 % im Berichtsquartal.

Investitionsvolumen in allen vier Divisionen kräftig gestiegen

Nach einer mehrjährigen Phase der Zurückhaltung haben alle vier Divisionen ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert, wobei die Metal Engineering Division (insbesondere aufgrund einer seit langem geplanten Hochofen-Großreparatur) mit einer Steigerung um 92 % auf 82 Mio. EUR den größten Zuwachs verzeichnete. Insgesamt erhöhten sich die Investitionen im 1. Halbjahr 2012/13 gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (227 Mio. EUR) um 32 % auf 301 Mio. EUR. Die Investitionen der Steel Division lagen mit 111 Mio. EUR um 18 % über dem Vorjahreswert von 94 Mio. EUR, die der Special Steel Division beliefen sich auf 43 Mio. EUR und lagen damit um 29 % über dem Niveau des Vorjahres (34 Mio. EUR). Die Division Metal Forming wendete 61 Mio. EUR für Investitionen auf und lag damit um 19 % über dem Vergleichswert des entsprechenden Vorjahreszeitraumes (51 Mio. EUR).

Unveränderter Status im Kartellverfahren, Rückstellung ausreichend

Nach dem Beschluss, die Schienenproduktion der TSTG Schienen Technik GmbH & Co KG in Duisburg zu schließen, steht die Unternehmensleitung in fortlaufenden Informations- und Beratungsgesprächen mit dem Betriebsrat. Die Schließung wird entsprechend der Abarbeitung noch verbliebener Aufträge im Laufe des Kalenderjahres 2013 erfolgen.

Im Kartellverfahren betreffend Eisenbahn-Oberbaumaterial hat das deutsche Bundeskartellamt Anfang Juli Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Mio. EUR gegen vier Hersteller und Lieferanten von Schienen wegen wettbewerbswidriger Absprachen zu Lasten der Deutschen Bahn verhängt. Davon entfielen 8,5 Mio. EUR auf Gesellschaften des voestalpine-Konzerns. Damit wurde der angestrebte Kronzeugenstatus der voestalpine für den weitaus überwiegenden Teil des Verfahrens vom Bundeskartellamt bestätigt, das vergleichsweise geringe Bußgeld betrifft lediglich Randbereiche. Damit ist dieses Verfahren zum Hauptkomplex Deutsche Bahn abgeschlossen. In weiterer Folge wird das Bundeskartellamt Lieferungen von Bahnoberbaumaterial an regionale und lokale Nachfrager untersuchen. Wann mit einer Entscheidung in diesen weiteren Sachverhaltskomplexen zu rechnen ist, ist aus heutiger Sicht nicht abschätzbar.

Die für den Themenkomplex Kartellverfahren sowie für die Schließung der TSTG Schienentechnik GmbH & Co KG im Jahresabschluss 2011/12 gebildete Rückstellung in Höhe von insgesamt 205 Mio. EUR wird weiterhin als ausreichend erachtet.

Industriesegmente und Wirtschaftsregionen im konjunkturellen Abschwung

Der Grundtrend der globalen Konjunkturentwicklung ist seit Sommer 2011 rückläufig, wobei sich die Situation in den vergangenen Monaten sukzessive verschärft hat. Dies gilt sowohl in Bezug auf die Entwicklung der meisten Industriesegmente als auch der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt. Ein positives konjunkturelles Umfeld herrschte im 1. Halbjahr 2012/13 nur noch in wenigen Branchen wie etwa der Luftfahrtindustrie, dem Landmaschinenbau und Teilen der Eisenbahninfrastruktur. Im Rohstoffbereich (Erze, Kohle) war in den vergangenen 12 Monaten ein deutlicher Preisverfall zu verzeichnen, wobei sich die Preise in den vergangenen Wochen auf einem Niveau stabilisiert haben, das etwa um ein Drittel unter dem des Vorjahres liegt.

Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2012/13

Mit einem EBITDA von 730 Mio. EUR und einem EBIT von 441 Mio. EUR liegt der voestalpine-Konzern im bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres auch exakt im Rahmen der ursprünglichen Erwartungen für 2012/13, nämlich einem operativen Ergebnis (EBITDA) von rund 1,5 Mrd. EUR und einem Betriebsergebnis (EBIT) von etwa 900 Mio. EUR. Im Hinblick auf die in den vergangenen Monaten massiv gewachsene Unsicherheit in Bezug auf eine weitere Verschlechterung des konjunkturellen Umfeldes sieht sich der Vorstand – nach einer entsprechenden Vorwarnung bereits im letzten Quartalsbericht – veranlasst, die Ergebniserwartung sowohl für EBITDA als auch EBIT um jeweils 100 Mio. EUR zurückzunehmen, sodass aus aktueller Sicht für das Geschäftsjahr 2012/13 von einem operativen Ergebnis (EBITDA) von etwa 1,4 Mrd. EUR und einem Betriebsergebnis (EBIT) von rund 800 Mio. EUR auszugehen ist.

Der voestalpine-Konzern

Die voestalpine-Gruppe ist ein weltweit tätiger Stahl-, Verarbeitungs- und Technologiekonzern, der hochwertige Stahlprodukte fertigt, verarbeitet und weiterentwickelt. Die Unternehmensgruppe ist mit 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in mehr als 60 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Flachstahlprodukten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie der Öl- und Gasindustrie weltweit. Die voestalpine-Gruppe ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie, bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2011/12 bei einem Umsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBIT) von 704 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 46.500 Mitarbeiter.