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Neue Wege für die Straßenbahn: Wie „New Urban Track“ den urbanen Gleisbau weiterentwickelt

28. Oktober 2026 | 

Zunehmend hoher Schienenverschleiß, aufwendige Wartungseingriffe sowie steigende Anforderungen an Lärmreduktion und Verfügbarkeit prägen den Betrieb von Straßen- und Stadtbahnen. Mit „New Urban Track“ hat voestalpine Railway Systems ein neu entwickeltes Oberbausystem speziell für eingedeckte Fahrbahnen geschaffen, das speziell auf die Anforderungen moderner Straßenbahnnetze zugeschnitten ist. 

Mehr als nur eine Schiene: Das System dahinter

Ein Straßenbahngleis wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Doch gerade dort, wo Straßenbahnen Tag für Tag durch enge Kurven fahren, wirken enorme Kräfte auf Schienen, Befestigungen und den Untergrund. Die Folgen sind Verschleiß, Lärm und aufwendige Instandhaltungsarbeiten. Mit „New Urban Track“ verfolgt voestalpine Railway Systems deshalb einen ganz neuen Ansatz. Das gesamte System wurde konsequent auf die Anforderungen urbaner Mobilität ausgerichtet. 

Stefan Ziegerhofer – Produktmanagement, voestalpine Rail Technology

Dabei haben wir wirklich jede einzelne Komponente von der Schiene bis zur Befestigung neu gedacht. Gleichzeitig ermöglicht der hohe Vormontagegrad, dass sich der Einbau im Gleis deutlich beschleunigen lässt.

Stefan Ziegerhofer – Produktmanagement, voestalpine Rail Technology

Hinter dem neuen Oberbausystem steckt dabei weit mehr als eine Weiterentwicklung einzelner Stahlkomponenten. Vielmehr setzt voestalpine Railway Systems mit „New Urban Track“ auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Werkstoffe und Technologien. 

Patrik Zefferer – Research & Development, voestalpine Railway Systems

Wenn man an voestalpine denkt, denkt man meistens nur an Stahl. Es ist in dem System aber nicht zwangsläufig exklusiv eine Stahlkonstruktion. Es kommen auch Kunststoffkomponenten zum Einsatz. In dem Fall wird die Schiene, die versenkt im Boden einbetoniert wird, zusätzlich noch mit Gummielementen ummantelt.

Patrik Zefferer – Research & Development, voestalpine Railway Systems

Gerade diese zusätzlichen Komponenten übernehmen wichtige Funktionen für den Betrieb und die Lebensdauer des Systems.  

Harald Wimmer – Application Engineer, KRAIBURG STRAIL

Das Gleisdämmsystem hat in erster Linie zwei große Gebiete abzudecken. Das ist einmal die Streustromisolation. Dadurch wird die Rückstromführung der Schienenfahrzeuge sichergestellt und der zweite Hauptgrund ist Vibrationsdämmung.

Harald Wimmer – Application Engineer, KRAIBURG STRAIL

Weniger Verschleiß, schnellere Instandhaltung 

Ein zentraler Entwicklungsschwerpunkt von „New Urban Track“ war die Optimierung der Wechselwirkungen zwischen Rad und Schiene.

Ziel ist es, den Verschleiß zu reduzieren und die Lebensdauer der Infrastruktur zu erhöhen. 

Roman Weilguny, F&E Projektingenieur, voestalpine Rail Technology

Wir haben das neue Schienenprofil so weit optimiert, dass wir sowohl den Rad- als auch Schienenverschleiß bis 30 % reduzieren konnten. Diese Ergebnisse haben wir zunächst durch Berechnungen und Simulationen ermittelt und können sie in Zukunft auf der Strecke validieren.

Roman Weilguny, F&E Projektingenieur, voestalpine Rail Technology

Doch ein leistungsfähiges Oberbausystem entsteht nicht allein durch die Schiene. Ebenso entscheidend ist die Art und Weise, wie sie im Gleis befestigt wird.

Thomas Mayer – Vice President, R&D and Engineering Fastening Systems, voestalpine Railway Systems

Eine große Herausforderung im Tram-Bereich der Befestigung ist es, eine kompakte Befestigung zu verwenden, da auch im eingebetteten Gleis ein sehr geringer Bauraum zur Verfügung steht. Das neue Befestigungssystem ermöglicht eine hohe Elastizität im System, sprich eine hohe elastische Bewegung der Schiene. Die Zugänglichkeit im System haben wir über spezielle Schächte, Schacht-Deckel Kombinationen gelöst, um auch im eingedeckten Zustand die Befestigung zu bedienen und dort ebenfalls die Schienen zu lösen.

Thomas Mayer – Vice President, R&D and Engineering Fastening Systems, voestalpine Railway Systems

Das erleichtert Wartungsarbeiten und beschleunigt den Schienentausch. 

Praxistest unter realen Bedingungen

Entscheidend war jedoch die Frage, wie sich das neue System unter realen Betriebsbedingungen verhält.

Deshalb wurden die entwickelten Komponenten auf Testfeldern in Graz und Wien eingebaut und wissenschaftlich begleitet. 

Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Pospischil, MSc – Institutsleiter Eisenbahninfrastrukturdesign, Technische Universität Graz

Als der neue Oberbau eingebaut wurde, haben wir Dehnmessstreifen appliziert. Damit können wir die Kräfte messen, die die Straßenbahn auf den Oberbau einwirkt, diese mit unseren Simulationen abgleichen, das System weiter verbessern und sehen, wie Fahrzeug und Fahrweg am besten miteinander agieren.

Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Pospischil, MSc – Institutsleiter Eisenbahninfrastrukturdesign, Technische Universität Graz

Für Betreiber:innen wie die Grazer Verkehrsbetriebe bieten solche Tests einen wichtigen Mehrwert. Denn neben der Betriebssicherheit gewinnt auch die langfristige Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Die enge Zusammenarbeit bildet dafür eine wichtige Grundlage.

Adolf Polivka, Leiter Fahrweg & Gleisbau, Holding Graz

Die voestalpine ist seit 147 Jahren Partner der Grazer Verkehrsbetriebe. Da können wir beide sehr stolz drauf sein.

Adolf Polivka, Leiter Fahrweg & Gleisbau, Holding Graz

Ganzheitlich gedacht für die Stadt von morgen

Mit seinem hohen Vormontagegrad, dem optimierten Schienenprofil und der Möglichkeit eines schnellen Schienentauschs verfolgt „New Urban Track“ ein klares Ziel: Straßenbahninfrastruktur langlebiger, wirtschaftlicher und wartungsfreundlicher zu machen. Die Testfeldversuche in Graz und Wien liefern dafür wertvolle Erkenntnisse und bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Systems.