Warmumformung im Karosseriebau: Industrialisierung als Erfolgsfaktor

Warmumformung bleibt zentraler Enabler

Gerade in dieser Phase bleibt Warmumformung (Press Hardening Steel / PHS) ein zentraler Enabler moderner Karosseriestrukturen. Entscheidend ist weniger die „Tradition“, sondern die Kombination aus Crashperformance, Geometriefreiheit und Bauteileigenschaften, die durch temperaturgeführte Umformprozesse erreicht werden. So lassen sich Festigkeiten von bis zu 2.000 MPa bei gleichzeitig hoher Maßgenauigkeit realisieren.

Glühender Durchlaufofen zur Austenitisierung von Karosseriebauteilen im Warmumformprozess

Industrialisierungskonzepte gewinnen an Bedeutung

Die eigentliche Herausforderung verschiebt sich dabei von der Machbarkeit zur Industrialisierung. Denn je stärker Karosseriestrukturen integriert werden, desto wichtiger wird ein durchgängiges, robustes Industrialisierungskonzept: Werkzeug‑ und Prozessauslegung, Qualitätsabsicherung, digitale Einbindung und ein Änderungsmanagement, das Serienanläufe sicherstellt. voestalpine Automotive Components adressiert gezielt diese „Brücke“ zwischen Entwicklung und Fertigung über Production‑Related Engineering: Advanced Built‑to‑Print und Co‑Engineering, die Bewertung und Auslegung geeigneter Fertigungstechnologien, Umformsimulationen, Werkzeugkonstruktion sowie Quality‑Engineering sind als Bausteine explizit Teil des Leistungsbilds.

Florian Gerstner, Leiter Tec Center bei voestalpine Automotive Components, hält ein noch unfertiges Karosserieteil in der Hand

„Im modernen Karosseriebau entscheidet nicht nur das Bauteilkonzept. Entscheidend ist, dass Warmumformung von Anfang an seriengerecht ausgelegt wird - prozesssicher, taktzeitfähig und mit stabiler Qualität“. 
Florian Gerstner, voestalpine Automotive Components, Leitung Tec Center

Was bedeutet das konkret?

Damit Warmumformung im modernen Karosseriebau nicht nur technisch funktioniert, sondern stabil in die Serie kommt, muss die Industrialisierung entlang der gesamten Prozesskette früh mitgedacht werden. Dies beginnt bei der Platine – inklusive Tailor Welded Blanks – und reicht über Vorform- und Vorbereitungsschritte bis hin zum eigentlichen Presshärteprozess in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Genau hier liegt der Hebel, um typische PHS‑Mehrwerte reproduzierbar abzusichern: hohe Festigkeiten, komplexe Bauteilgeometrien auch aus lasergeschweißten Platinen sowie großflächige Maßhaltigkeit ohne Rücksprung nach Umformung und Härtung.

Fertige Stahlkarosserie eines Pkw mit phs-Bauteilen von voestalpine Automotive Components

Mehr als bewährte Vorteile

Best‑Practice‑Beispiele wie der door ring zeigen das Prinzip im Karosseriebau: Aus einer lasergeschweißten Platine entsteht mittels Warmumformung ein integriertes Großbauteil – und deshalb müssen Prozess‑ und Werkzeugauslegung, Linien-/Taktkonzept, spätere Fügeanbindung und Qualitätsabsicherung in einer gemeinsamen Konzeptphase zusammenlaufen, um Risiken in Termin, Qualität und Kosten bei SOP zu reduzieren.