Geschäftsjahr 2007/08: voestalpine-Konzern erreicht neue Dimensionen
- Erfolgreichstes Geschäftsjahr seit Bestehen: Umsatz des voestalpine-Konzerns übersteigt erstmals 10 Mrd.-EUR-Marke
- Operatives Ergebnis (EBIT) steigt um fast die Hälfte auf 1,5 Mrd. EUR (vor PPA)
- Sehr erfolgreiche Integration von BÖHLER-UDDEHOLM – Synergien auf 123 Mio. EUR verdoppelt
- Rekord bei Rohstahlproduktion: 7,6 Mio. Tonnen
- Investitionen, Forschungsausgaben und Umweltaufwendungen mit neuen Höchstwerten
- Dividendenvorschlag 2,1 EUR je Aktie (Vorjahr: 1,45 EUR)
- Anhaltend guter Geschäftsverlauf auch 2008/09
Kennzahlen
- Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 50,9 % von 6.943,8 Mio. EUR auf 10.481,2 Mio. EUR und überstiegen damit erstmals die 10-Mrd.-EUR-Marke.
- Das EBITDA (Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Abschreibungen) erhöhte sich vor Berücksichtigung der Purchase Price Allocation (PPA) im Zusammenhang mit dem Erwerb von BÖHLER-UDDEHOLM (Division Edelstahl) um 44,9 % von 1.358,6 Mio. EUR auf 1.968,5 Mio. EUR bzw. selbst nach Berücksichtigung der PPA auf 1.836,5 Mio. EUR.
- Das unbeeinflusste EBIT (Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit) des Konzerns erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 48,6 % von 1.011,4 Mio. EUR auf 1.503,0 Mio. EUR. Durch Anwendung der PPA verringert sich der Anstieg allerdings auf 1.152,6 Mio. EUR. Die EBIT-Marge für das Geschäftsjahr 2007/08 lag mit 14,3 % vor PPA bzw. 11,0 % nach PPA unter dem Vorjahreswert von 14,6 %.
- Vor Berücksichtigung der PPA lag der Jahresüberschuss mit 1.003,6 Mio. EUR um 31,2 % über dem Vorjahreswert von 764,9 Mio. EUR. Durch die BÖHLER-UDDEHOLM-PPA und die gestiegenen Finanzierungsaufwendungen liegt der Jahresüberschuss mit 751,9 Mio. EUR (2006/07: 764,9 Mio. EUR) geringfügig unter dem Vorjahresniveau.
- Die Nettofinanzverschuldung erhöhte sich auf Grund der über die Hybridanleihe hinausgehenden Finanzierungserfordernisse der BÖHLER-UDDEHOLM-Akquisition von 526,2 Mio. EUR auf 3.571,7 Mio. EUR. Das Eigenkapital des voestalpine-Konzerns erhöhte sich 2007/08 um 48,8 % von 2.882,3 Mio. EUR auf 4.289,3 Mio. EUR. Zum Ende des Geschäftsjahres 2007/08 ergab sich somit eine Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals) von 83,3 % (Vorjahr: 18,3 %).
- Der Gewinn je Aktie für das Geschäftsjahr 2007/08 beträgt 4,69 EUR und liegt damit nahezu auf Vorjahresniveau (4,76 EUR).
- Die vorgeschlagene Dividende liegt mit 2,1 EUR je Aktie um 44,8 % über jener des Vorjahres (1,45 EUR je Aktie). Dies stellt, gemessen am durchschnittlichen Börsenkurs im Geschäftsjahr 2007/08 von 52,59 EUR, eine Dividendenrendite von 4,0 % dar.
- Zum 31. März 2008 beschäftigte der voestalpine-Konzern weltweit 41.490 Mitarbeiter (ohne Lehrlinge). Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr (24.613) einem Anstieg um 16.877 Personen (oder knapp 69 %), der sich hauptsächlich aus der erstmaligen Konsolidierung der BÖHLER-UDDEHOLM Gruppe (Division Edelstahl, 15.453 Mitarbeiter) ergibt.
Geschäftsverlauf des voestalpine-Konzerns im Überblick
Umsatzanstieg resultiert vor allem aus Akquisitionen
Die Umsatzerlöse des voestalpine-Konzerns erhöhten sich um 50,9 % von 6.943,8 Mio. EUR auf 10.481,2 Mio. EUR, was größtenteils auf Zukäufe zurückzuführen ist. Der akquisitionsbedingte Umsatzanstieg belief sich im Geschäftsjahr 2007/08 in Summe auf etwas mehr als 3,1 Mrd. EUR.
Die deutlichste Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr verzeichnete die Division Automotive, die ihre Erlöse hauptsächlich akquisitionsbedingt, aber auch durch produktionswirksam gewordene Investitionen der Vergangenheit um ein Drittel erhöhen konnte. Mit einem Plus von 17,5 % lag auch die Division Profilform, unterstützt vor allem durch die Ausweitung der Geschäftstätigkeit in Nord- und Südamerika, deutlich über ihrem Vorjahreswert, während die Divisionen Stahl und Bahnsysteme ihre Umsätze jeweils um etwas mehr als 7 % steigern konnten.
Rekord-Rohstahlproduktion von erstmals über 7 Mio. Tonnen
Die Gesamt-Rohstahlproduktion des voestalpine-Konzerns belief sich im Geschäftsjahr 2007/08 auf 7,6 Mio. Tonnen. Die Steigerung um 13,4 % gegenüber dem Vorjahr (6,7 Mio. Tonnen) resultiert sowohl aus der erstmaligen Einrechnung der Division Edelstahl (knapp 0,7 Mio. Tonnen), als auch aus einem Produktionsanstieg am Standort Linz (Division Stahl) um 5,9 % von 5,1 Mio. Tonnen auf 5,4 Mio. Tonnen. Die am Standort Donawitz (Division Bahnsysteme) erzeugte Rohstahlmenge reduzierte sich auf Grund der Erneuerung (Zustellung) eines Hochofens im Sommer 2007 um 6,2 % von 1,6 Mio. Tonnen auf 1,5 Mio. Tonnen.
Exportquote auf 88 % gestiegen
Die Exportquote stieg im Geschäftsjahr 2007/08 von 84 % auf 88 %; mit Abstand wichtigster Markt blieb Europa, wo insgesamt 80 % des Konzernumsatzes erzielt wurden. Deutschland und Italien stellten unverändert die beiden größten Einzelexportmärkte dar.
Division Stahl mit größter Profitabilität
Mit einer von 14,8 % auf 17,4 % gestiegenen EBIT-Marge war die Division Stahl im abgelaufenen Geschäftsjahr der profitabelste Bereich des voestalpine-Konzerns. Die EBIT-Marge der Division Bahnsysteme blieb mit 14,3 % (nach zuletzt 16,4 %) zwar ebenso wie jene der Division Profilform mit 13,9 % (2006/07: 15,0 %) etwas unter dem Vorjahreswert, aber immer noch auf sehr hohem Niveau. Die EBIT-Marge der Division Edelstahl betrug 12,9 % vor PPA bzw. 0,2 % nach PPA. Mit 6,4 % lag die EBIT-Marge der Division Automotive erstmals seit der Gründung im Jahr 2001 über der 6-%-Marke und erreichte somit auch im Branchenvergleich der Automobilzulieferindustrie einen sehr guten Wert.
Erstkonsolidierung neu erworbener Unternehmen
Im Geschäftsjahr 2007/08 wurden – zusätzlich zur seit 1. Juli 2007 konsolidierten Division Edelstahl – Umsatz, Ergebnis und Mitarbeiter folgender Unternehmen erstmals, und zwar über eine Periode von zwölf Monaten, konsolidiert: Gutbrod Stanz- und Umformtechnik GmbH, Gutbrod Schmölln GmbH, Hügel GmbH & Co. KG sowie die Unternehmensgruppe Dancke (jeweils Deutschland, Division Automotive). Weiters wurden die in der Division Profilform erworbenen Unternehmen Sharon Custom Metal Forming Inc. (USA) und Meincol Distribuidora de Aços S.A. (Brasilien) mit 1. Jänner 2008 erstkonsolidiert.
Konsequente Fortsetzung der Spezialisierungsstrategie
Die Akquisitionstätigkeit der voestalpine AG im Geschäftsjahr 2007/08 war von der erfolgreichen Übernahme der BÖHLER-UDDEHOLM-Gruppe und deren Integration als Division Edelstahl in den voestalpine-Konzern geprägt. Die Akquisition erfolgte in konsequenter Fortsetzung der seit 2001 geltenden Spezialisierungsstrategie der voestalpine-Gruppe. Die sehr erfolgreiche Integration von BÖHLER-UDDEHOLM als Division Edelstahl in den voestalpine-Konzern zeigt sich auch bei den identifizierten Synergiepotenzialen: Diese konnten im Lauf des Geschäftsjahres sukzessive von zunächst 65 Mio. Euro auf ein nunmehr definiertes Zielvolumen von rund 123 Mio. EUR p.a. nahezu verdoppelt werden.
Zum Ende des Geschäftsjahres 2007/08 hielt die voestalpine AG 90,65 % der Stimmrechte an der BÖHLER-UDDEHOLM AG, in der Zwischenzeit wurden die erforderlichen Schritte zur Einleitung eines Squeeze-out-Verfahrens nach dem Gesellschafterausschlussgesetz gesetzt. Ziel ist es, bereits in der ordentlichen Hauptversammlung der BÖHLER-UDDEHOLM AG am 23. Juni eine entsprechende Beschlussfassung herbeizuführen.
Neben der Übernahme von BÖHLER-UDDEHOLM wurden im Geschäftsjahr 2007/08 im Zuge der Internationalisierung der Division Profilform die Mehrheit am brasilianischen Unternehmen Meincol Distribuidora de Acos S.A. sowie das nordamerikanische Unternehmen Sharon Custom Metal Forming Inc. erworben. Die Division Bahnsysteme erwarb im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 49 % am niederländischen Unternehmen Renè Prinsen Spoorwegmaterialen B.V. sowie 51 % am mexikanischen Weichenbauunternehmen DAMY Cambios de Vía, S.A. de C.V.
Portfoliobereinigung in der Division Automotive
Im Zuge einer konsequenten Portfoliobereinigung in der Division Automotive wurde im Geschäftsjahr 2007/08 das nordamerikanische Pressteil-Zulieferunternehmen voestalpine Polynorm Inc. an eine britische Unternehmensgruppe veräußert. Im 4. Quartal 2007/08 erfolgte dann die Einleitung des Verkaufsprozesses für die in der Herstellung von Kunststoff-Kfz-Teilen tätigen Gesellschaften voestalpine Polynorm van Niftrik B.V. und voestalpine Polynorm Plastics B.V. (beide Niederlande), sowie der voestalpine Polynorm Plastics Ltd. (Großbritannien). Der Gesamtumsatz der drei Unternehmen lag im Geschäftsjahr 2007/08 bei rund 100 Mio. EUR. Weiters erfolgte zu diesem Zeitpunkt der Beschluss, den französischen Kleinpressteilehersteller Amstutz Levin & Cie. zu devestieren.
Erneut stark gestiegene Investitionen
Im Geschäftsjahr 2007/08 betrugen die Gesamtinvestitionen des voestalpine-Konzerns 3,91 Mrd. EUR. Die markante Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 908 Mio. EUR ist zum überwiegenden Teil auf die Übernahme der BÖHLER-UDDEHOLM AG, jedoch in erheblichem Maß auch auf die forcierten Investitionsprogramme in allen anderen Divisionen zurückzuführen.
Deutlich höhere Forschungsaufwendungen
Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen des voestalpine-Konzerns beliefen sich im Geschäftsjahr 2007/08 auf 93 Mio. EUR. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr (66 Mio. EUR) ergibt sich überwiegend aus der Integration der BÖHLER-UDDEHOLM-Gruppe (Division Edelstahl), die vom 1. Juli 2007 bis zum 31. März 2008 einen F&E-Aufwand von rund 21 Mio. EUR auswies.
Gleichzeitig spiegelt die deutliche Zunahme aber auch die seit vielen Jahren kontinuierlich steigenden Forschungs- und Entwicklungsmittel der voestalpine-Gruppe wider. Die Forschungsquote (F&E-Ausgaben gemessen am Gesamtumsatz) lag daher im abgelaufenen Geschäftsjahr bei knapp 1 % und blieb damit – trotz des überproportionalen Umsatzanstiegs – ebenso auf dem Vorjahresniveau wie der Anteil der F&E-Aufwendungen an der Wertschöpfung mit 2,2 %. Insgesamt sind konzernweit rund 570 Beschäftigte im engeren Bereich Forschung und Entwicklung tätig.
Um ein Drittel höhere Umweltinvestitionen
Die umweltrelevanten Investitionen des voestalpine-Konzerns betrugen im Geschäftsjahr 2007/08 allein in Österreich rund 61 Mio. EUR. Sie erhöhten sich damit gegenüber dem Vorjahr (47 Mio. EUR) um rund ein Drittel, was zum einen auf die erstmals enthaltenen Werte der österreichischen BÖHLER-UDDEHOLM-Standorte zurückzuführen ist, zum anderen aber auch aus Großvorhaben vor allem in den Divisionen Stahl und Bahnsysteme resultiert. Aus denselben Gründen erreichte der laufende Aufwand für den Betrieb und die Erhaltung der Umweltschutzanlagen allein bei den österreichischen Produktionsgesellschaften der voestalpine-Gruppe mit rund 206 Mio. EUR einen neuerlichen Höchstwert. Wesentliche Umweltmaßnahmen betrafen etwa eine neue Anlage zur Verringerung der Abwasseremissionen aus dem Hochofenbetrieb in die Donau oder die Inbetriebnahme der weltweit modernsten Abgasreinigungsanlage am Sinterband. Mit dieser Innovation werden die Emissionen der Sinteranlage um durchschnittlich rund 90 % verringert. Ebenfalls eine technologische Vorreiterrolle nimmt die zu Beginn des Geschäftsjahres in Betrieb gegangene Anlage zur Eindüsung von Kunststoffpellets in den Hochofen ein. Im Vollbetrieb können auf diese Weise die CO2-Emissionen am Standort Linz um weitere rund 500.000 Tonnen pro Jahr vermindert werden.
Evaluierung für ein Stahlwerk im Schwarzmeerraum
Die voestalpine evaluiert die Errichtung eines neuen Stahlwerkes am Schwarzen Meer. Von den zwölf möglichen Standorten in Bulgarien, Rumänien, der Türkei und der Ukraine, die ursprünglich in Erwägung gezogen wurden, sind nun vier Standorte – ein Standort in jedem der vier Staaten – in die engere Auswahl genommen worden. Zielsetzung der Machbarkeitsstudie ist es, ein Gesamtbild über Marktentwicklung, Investitionskosten, technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit für jeden der Standorte zu erarbeiten.
Ausblick für das Geschäftsjahr 2008/09
Der Beginn des Geschäftsjahres 2008/09 stellt sich von der wirtschaftlichen Entwicklung her einigermaßen differenziert dar: Während die Lage der Realwirtschaft in Europa durch eine solide, von stabiler Nachfrage getragene Marktentwicklung geprägt ist, verstärken sich die Rezessionsbefürchtungen in den USA. China, Südostasien und Indien gelten hingegen auch für die nächsten Jahre als verlässliche Motoren des globalen Wachstums. Tatsche ist, dass die europäische Wirtschaft in den vergangenen zwölf Monaten sowohl mit den von den USA ausgegangenen Problemen im Gefolge der Subprime-Krise als auch mit dem nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern auch einer Reihe anderer Währungen immer stärker werdenden Euro und mit den enorm gestiegenen Rohstoffpreisen überraschend gut zurechtgekommen ist.
Alle vorliegenden Indikatoren einschließlich der Auftragseingangsentwicklung der vergangenen Monate deuten vor diesem Hintergrund auch für den weiteren Verlauf des Kalenderjahres 2008 auf keinen Abschwung in der wirtschaftlichen Entwicklung Europas hin. Im Hinblick auf diese anhaltend günstige Entwicklung des konjunkturellen Umfeldes aller fünf Divisionen zeichnet sich aus heutiger Sicht für den voestalpine-Konzern trotz enorm gestiegener Rohstoffpreise und einer für das letzte Quartal des Geschäftsjahres noch nicht abschließend überblickbaren Konjunktursituation auch 2008/09 ein operatives Ergebnis in der Größenordnung des vergangenen Jahres ab.
Geschäftsbericht 2007/08
Den neuen Geschäftsbericht finden Sie hier als pdf zum Download

(05.06.2008)


