HY4SMELT AUF DEM WEG ZUR UMSETZUNG
Wie könnte klimafreundliche Stahlproduktion in Zukunft aussehen? Ein Besuch auf der Baustelle am Standort Linz liefert schon heute erste Antworten. Dort entsteht mit Hy4Smelt eines der ambitioniertesten Klimaschutzprojekte, das Österreich bislang gesehen hat.
170 Millionen Euro Investitionsvolumen. Drei internationale Partner. Ein gemeinsames Ziel: Net-Zero-CO₂-Emissionen in der Stahlproduktion bis 2050. Diese Eckdaten machen Hy4Smelt zum größten Forschungsprojekt für den Klimaschutz hierzulande. Ab Ende 2027 soll die Demonstrationsanlage anlaufen, bis 2030 läuft das Projekt.
PARTNERSCHAFT MIT SUBSTANZ
Hinter Hy4Smelt stehen voestalpine, Primetals Technologies und der Bergbaukonzern Rio Tinto. Drei Unternehmen, drei unterschiedliche Kompetenzen – Stahlerzeugung, Anlagenbau und Rohstoffgewinnung –, die auf ein gemeinsames Ergebnis hinarbeiten: eine Stahlproduktion mit Net-Zero-CO₂-Emissionen, die auch im industriellen Maßstab funktioniert. Möglich wird das durch eine Kombination, die es in dieser Form noch nicht gab: die wasserstoffbasierte Direktreduktion für ultrafeine Eisenerze ohne vorherigen Agglomerationsschritt (HYFOR®) trifft erstmals auf einen elektrischen Schmelzprozess (Smelter).


DER WEG ZUM GRÜNEN ROHEISEN
Der Weg vom Rohstoff zum fertigen Produkt lässt sich in wenigen Schritten zusammenfassen: Ultrafeines Eisenerz wird im HYFOR®-Verfahren mit grünem Wasserstoff zu direktreduziertem Eisen (DRI). Im Smelter wird daraus grünes Roheisen. Und dieses lässt sich anschließend ganz normal weiterverarbeiten – im LD-Konverter oder im EAF, gefolgt von der gewohnten Sekundärmetallurgie zu Rohstahl für hochqualitative Produkte.
Woher der grüne Wasserstoff für diesen Prozess kommt, muss dabei niemand lange suchen: aus der PEM-Elektrolyseanlage H2FUTURE, die direkt am Werksgelände der voestalpine in Linz steht – und weltweit die am längsten laufende Anlage ihrer Art ist.
EIN ÖSTERREICHISCHES PROJEKT MIT WELTFORMAT
Technologie allein reicht bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht aus – entscheidend ist, wer sie gemeinsam trägt. Rio Tinto bringt sich gemeinsam mit Primetals Technologies aktiv in die Weiterentwicklung ein und hält sich auch die spätere Kommerzialisierung der eingesetzten Technologien offen. So wird aus einem österreichischen Bauprojekt ein Vorhaben mit internationaler Strahlkraft für die gesamte Stahlindustrie.
ENGER PLAN, VOLLER EINSATZ
Seit dem Baustart im Oktober 2025 tut sich einiges am Standort Linz. Gebäude und Fundamente nehmen zusehends Kontur an – ein Fortschritt, der sich auch auf den aktuellen Baustellenbildern ablesen lässt.
Bis Ende Juli 2026 dominiert noch der Massivbau das Bild vor Ort, bis Ende 2026 soll der Innenausbau abgeschlossen sein. Die Außenanlagen folgen, sobald Stahlbau und Anlagenmontage weit fortgeschritten sind. Der Zeitplan ist eng gesteckt – gehalten wird er soweit trotzdem. Genau das erwartet man sich von voestalpine.
Das europäische Leuchtturmprojekt Hy4Smelt wird von österreichischen (aws/Twin Transition und KPC/Transformation der Industrie) und europäischen (RFCS/Clean Steel Partnership und Clean Hydrogen Partnership/Hydrogen Valleys) Förderinstitutionen teilfinanziert.


Manche bauen Luftschlösser – wir bauen eine Demonstrationsanlage für die Stahlherstellung der Zukunft.
Stella Sustainable, Nachhaltigkeitsexpertin
