Passion Korrosion

Ein voestalpine-Experte gibt Ein- und Ausblicke 

Im automobilen Leichtbau werden die Stähle fester, die Bleche dünner, neue Materialien, Materialkombinationen und Beschichtungen kommen zum Einsatz. Dazu ist höchste Wirtschaftlichkeit von der Konstruktion bis zur Produktion notwendig. Welchen Beitrag hier die Korrosionsexperten der voestalpine leisten, beantwortet Karl-Heinz Stellnberger, Leiter des Korrosionsschutzes in der Konzernforschung, Division Stahl.

Kommt die Korrosionsforschung und –prüfung mit den rasanten Entwicklungen im Automobilbau noch mit oder hat sie Rost angesetzt?

Stellnberger: Sicher ist, dass neue Materialien, Mischbauweisen und deren Verbindungstechniken, neue Formen eines intelligenten Korrosionsschutzes notwendig machen. Die voestalpine geht hier voran, sowohl, was die Werkstoffentwicklung, als auch den Korrosionsschutz betrifft.

Bei Werkstoffen denke ich zum Beispiel an die auf der 3-Länder-Korrosionstagung in Linz von voestalpine präsentierten Entwicklungen wie Zink-Magnesium-Beschichtungen und die innovativen voestalpine-Lösungen im Bereich der pressgehärteten Bauteile.

Generell gilt die voestalpine als Stahl- und Komponentenproduzent mit Korrosionskompetenz. Woher kommt das?

Stellnberger: Sicher ist, dass Zerstörung durch Korrosion am Ende des Lebenszyklus jeden Werkstoffs steht. Die Frage ist nur „Wann“! Wir haben aber von Anfang an auch nach dem „Warum“ gefragt. 

"Bei Korrosion gibt es zwei entscheidende Fragen: wann und warum."
Während andere Experten noch beschäftigt waren, allein Korrosionszeiten zu bestimmen, erforschten wir bereits die Mechanismen, die Korrosion bewirken. Dieses intensive und langjährig erworbene Know-how ist die Grundlage für unsere Kompetenz. Denn, wer die Vorgänge versteht, weiß, wo und wie er verändern muss, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

So ist die Grundlagenforschung eines unserer Felder. Ein weiteres ist, mit neuen Tests und Prüfverfahren der Industrie möglichst rasch praxiskonforme Aussagen zu geben. Denn je länger es dauert, umso teurer wird es.

„Praxiskonforme Aussagen schnell und wirtschaftlich“

Welche Arten der Korrosionsuntersuchungen sind die Kernkompetenz der voestalpine?

Stellnberger: Wie in vielen Bereichen der Technik wird die Simulation mit mathematischen Modellen, gepaart mit praxiskonformen Prüfungen auch für das Themenfeld Korrosion immer relevanter. Wir gehen bei Simulationen ebenso voran wie bei elektrochemischen Korrosionsuntersuchungen, mit denen wir unseren Partnern und Kunden für spezifische Parameter schnell und wirtschaftlich zuverlässige Aussagen bieten können.

Wer sind Ihre Partner?

Stellnberger: Wir sind Partner führender OEMs von der Produktentwicklung an und arbeiten seit Jahrzehnten eng vernetzt mit den Korrosionsexperten der Unternehmen zusammen. Wir überprüfen mögliche Werkstoffe und geben Empfehlungen wie zum Beispiel in den Bereichen Vorbehandlungen, Lackhaftung, Stahlsorten.

Aber auch für Tests an Bauteilen sind wir zuständig. Um in unserem Labor untersucht zu werden, kommen ausgewählte Teile direkt aus den Produktionslinien der OEMs zu uns. Im Jahr untersuchen wir generell so um die 30.000 Proben. Wir arbeiten international mit Universitäten und europäischen Forschungseinrichtungen zusammen. Ich erwähne nur das French Corrosion Institute/Frankreich, Swera KIMAB/Schweden oder das österreichische CEST-Kompetenzzentrum für elektrochemische Oberflächentechnologie.

Neben dem „Tagesgeschäft“ sind Sie auch an Weiterentwicklungen des Korrosionsschutzes für die gesamte Branche tätig?

Stellnberger: Sie sprechen sicher unsere Rolle im VDA, dem Verband der Automobilindustrie, an. Es freut mich sagen zu können, dass der neue Laborwechselklimatest VDA 233-102, den unsere Experten entscheidend mitentwickelten, jetzt Standard in der Automobilindustrie ist. Er bildet das Praxisverhalten der Korrosion, speziell von Multi-Metallwerkstoffen, also Stahl, verzinktem Stahl und Aluminium, endlich richtig ab. Vor allem Zink-beschichtete Bleche wurden bisher nicht so gut, wie sie in der Realität sind, abgebildet. Die Industrie hat damit eine wenig Zeit beanspruchende, praxiskonforme Laborprüfmethode für moderne Werkstoffe und Beschichtungen. 

Dr. Karl-Heinz Stellnberger ist Leiter des Fachbereichs Korrosionsschutz in der Konzernforschung. Nach einer Lehre als Chemielaborant in der voestalpine und Abend-HTL studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und machte seinen Doktor im Rahmen eines Industrieprojektes (chromfreie Vorbehandlung) in Deutschland/Erlangen. Er gilt branchenweit als Korrosionskoryphäe und ist in wichtigen Fachgremien tätig.