Im voestalpine-Konzern zählen auch die Auszubildenden bereits zu den Leistungsträgern. So wie Loris Petrelli in Dettingen, der ein Scherenhebensystem für reibungslosen Stahlbandeinzug konstruiert hat. Oder seine Altersgenossen in der voestalpine Krems, die eigenhändig Schaltschränke gebaut haben.

Man braucht keine Lehrabschlussprüfung, um sich über lästige Alltagsprobleme zu ärgern und über Lösungen dafür nachzudenken. Ein Problem wie jenes im Automotive-Components-Werk der voestalpine in Dettingen, wo der Bandeinzug vom Stahlblechcoil in kleinere Werkzeuge oft bis zum Boden durchhing. Das hatte, wie auch der angehende Werkzeugmechaniker Loris Petrelli allzu gut wusste, wiederholt verbogenes Blech zur Folge. Die zur Abhilfe schnell aus Paletten oder Kisten improvisierten Hilfskonstruktionen machten die Sache oft schlimmer statt besser, weil sie das Material mitunter bis zur Unbrauchbarkeit zerkratzten und verschmutzten. „Da muss eine professionelle Lösung her“, dachte sich der junge Mann im dritten Ausbildungsjahr und – schlug ein höhenverstellbares Scherenhebesystem mit Förderband als solche vor.

Tüfteln nach Feierabend

Mit Unterstützung des erfahrenen Konstrukteurs Georgio Pappas tüftelte Petrelli die Sache zunächst auf dem Papier aus, um die Zeichnung dann mit Hilfe von Frank Petermann als Prototyp Gestalt annehmen zu lassen. Den Testlauf bestand das Einlaufsystem mit Bravour, was seinem Erfinder gleich einen Auftrag für drei weitere Systeme eintrug. „Das ganze Projekt neben meiner täglichen Arbeit und neben der Schule umzusetzen, war nicht immer einfach“, blickt der junge Problemlöser zurück, „aber ich habe jede freie Minute genutzt, um das System zu bauen. Ich bin stolz, dass das Scherenhebesystem so gut ankommt und nun umgesetzt wird.“
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Lasst die Lehrlinge ran!

Mit Petrelli teilen Simon Stradinger, Bastian Koller, Bryan Paul Schmied und Patrick Graf in Krems das freudige-stolze Gefühl, von eigener Hand etwas Nützliches für den Produktionsalltag geschaffen zu haben. Im Fall der Elektrotechniklehrlinge der voestalpine Krems sind das neue Messtechnik-Schaltkästen für die im Zuge zweier Verbesserungsprojekte modifizierte Anlagen, in denen Emulsionen und Korrosionsschutz aufbereitet werden. Statt den Auftrag extern zu vergeben, entschloss man sich in Krems dazu, die jüngsten Mitarbeiter mit der anspruchsvollen Aufgabe zu betrauen.

Zunächst befasste sich das Lehrlingsquartett in Workshops mit dem Aufbau eines Schaltschranks ebenso wie mit der Programmierung und Automatisierung der Messtechnik und ihrer Digitalisierung in Form einer Visualisierung der Messungen für die Kontrollbildschirme und die Smartphones der zuständigen Kollegen.
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Bauen, Montieren, Programmieren

Zum offiziellen Projektstart bekamen die Elektrotechniker in spe dann Pläne, Zeichnungen und Material in die Hand gedrückt. Unter Anleitung ihres Ausbilders bauten die Vier in der Lehrwerkstatt zuerst die vier beauftragten Schaltschränke für Rohr- und Sonderrohrwerk, Profilwerk sowie die Weiterverarbeitung. Darauf folgte die Montage von Messgeräten, Transmittern und Schränken direkt auf den Anlagen, wobei das junge Team auf Rat und Tat von erfahrenen Kollegen zurückgreifen konnten. Vor der Inbetriebnahme waren noch die Automatisierung und SPS-Programmierung sowie die Visualisierung der neuen Messtechnikvorrichtungen zu bewältigen. „Wir Lehrlinge haben viel Neues kennengelernt“, zieht Bastian Koller sein Resümee. „Auch das Programmieren war eine neue Erfahrung, die wir sicher noch gebrauchen können. Und es ist aufregend, die von uns gemachten Sachen in Betrieb zu sehen.“