Künstliche Hüftgelenke ermöglichen schmerzfreie Bewegung, Zahnimplantate geben Menschen ihr Lächeln zurück, chirurgische Instrumente retten Leben. Doch medizinische Innovation beginnt nicht im OP-Saal oder in der ärztlichen Praxis – sondern bereits bei unserer Entwicklung und Herstellung anspruchsvoller Materialien und Lösungen für die Medizintechnik.

Materialien, die in der Medizin eingesetzt werden, müssen belastbar, hochpräzise gefertigt und biokompatibel sein. „Biokompatibel“ bedeutet, dass das Material vom menschlichen Körper gut vertragen wird und keine schädlichen Reaktionen auslöst. Instrumente müssen zudem einfach zu reinigen und langlebig sein. Deshalb werden für ihre Herstellung hochwertige Edelstähle und Speziallegierungen eingesetzt sowie neuartige High-Tech-Beschichtungen auf die Oberflächen der Fertigprodukte aufgebracht. Hochqualitatives MedTech-Material stellt neben der medizinischen Kunst der Behandelnden sicher, dass Implantate im Körper sicher einheilen, Prothesen Belastungen über Jahre standhalten und chirurgische Instrumente stets zuverlässig funktionieren.
Stahl und Speziallegierungen in der Medizin: unverzichtbar
Unsere Produkte werden sowohl im Bereich der Orthopädie, wie z. B. fürHüft- Knie- oder Schulterprothesen bzw. Knochenplatten eingesetzt, als auch in der Dentalindustrie – alles inklusive der jeweils dazugehörigen Instrumentenkits für sicheres Implantieren. Die Anforderungen unserer Kund:innen hinsichtlich Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit sowie mechanischer Kompatibilität erreichen wir durch spezielle rostfreie Edelstähle, z. B. biokompatible Nickel-Kobalt- oder Kobalt-Chrom-Legierungen. Bei Instrumenten, z. B. Scheren, Pinzetten, Knochenraspeln usw., werden so gut wie ausschließlich rostfreie Edelstähle eingesetzt, im Vergleich sind nur wenige aus Titan gefertigt.
Und auch bei Prothesen bzw. Implantaten istrostfreier Stahl sowie Kobalt-Chrom unverzichtbar. Weshalb? Titan ist in Sachen Biokompatibilität fast unschlagbar und das Elastizitätsmodul – also wie stark sich ein Material unter Belastung elastisch verformt bzw. die Materialsteifigkeit – von Titan kommt der des menschlichen Knochens im Vergleich zu rostfreiem Stahl oder einer Kobalt-Chrom-Legierung am nächsten. Aus diesen Gründen ist Titan häufig die erste Wahl für Hüft- oder Schultergelenke. Doch beim künstlichen Knie beispielsweise kommt der Werkstoff an seine Grenzen.
Dominik B., Verantwortlicher für unsere MedTech-Geschäfte
„Beim Sport oder schon beim Treppensteigen können bis zu 5.000 N auf das Gelenk einwirken – hier hat Kobalt-Chrom bei der Festigkeit eindeutig die Nase vorn.“
Zudem bietet vor allem Stahl, aber auch Kobalt-Chrom gegenüber Titan Kostenvorteile. Besonders in Schwellenländern und Ländern des Globalen Südens bestimmt dies neben dem Alter der Patient:innen die Materialwahl mit. Neben den orthopädischen und stomatologischen Lösungen bieten wir auch Produkte für die kardio-vaskuläre Anwendung, wie z. B. Führungsdrähte für das Setzen von Stents, sowie für die Anwendung an der Wirbelsäule.
Möglichkeiten nutzen, Innovationen vorantreiben
Der 3D-Druck ermöglicht die Herstellung von patientenindividuellen Implantaten. Die Anzahl gedruckter Implantate ist in den letzten zehn Jahren enorm angestiegen. Seit Frühling 2025 ist unser Additive Manufacturing Center in Kanada nach ISO 13485 (internationale Norm für die Medizinprodukteindustrie) zertifiziert.

Dominik B.
„Wir können so mit unserem eigenen Kobalt-Chrom- sowie rostfreiem Metallpulver aus Kapfenberg, spezielle 3D-gedruckte, konturnahe Lösungen fertigen, die von unseren Kund:innen weiterbearbeitet werden. Auch für die Schädelrekonstruktion, wo die Individualisierbarkeit besonders wichtig ist, nimmt der 3D-Druck immer mehr Fahrt auf – auch hier sind wir gerade dabei, uns zu etablieren.“
Einen für uns neuen Markt in der Branche wollen wir nun im Bereich Guss (Castings ASTM F75) der Kniegelenke erschließen, denn Anfragen dafür haben wir bereits im Haus. Hier soll die Knetlegierung Böhler L165 zur Anwendung kommen, die wir so weiterentwickelt haben, dass sie als Gusslegierung optimal verwendet werden kann.

Präzise Beschichtungen für langlebige Zahnimplantate
PVD (Physical Vapour Deposition)-Beschichtungen sind in den letzten Jahren zu einem echten Gamechanger für Zahnimplantate geworden. Sie sind biokompatibel (ISO 10993), glatt und verschleißfest, optimiert für komplexe Geometrien und Miniaturkomponenten sowie mit präziser, gleichmäßiger Schichtdicke aufgetragen, was die Nachbehandlung erspart. Die Beschichtungen sind zudem farbabgestimmt, sodass das Implantat auch beim breitesten Lächeln nicht erkennbar ist.

Voll ins Schwarze getroffen
Apropos Oberflächenbeschaffenheit: Schon kleine Unebenheiten an der Oberfläche könnten die Performance eines medizinischen Instruments fatal beeinflussen. Denn dort könnten Bakterien anhaften, die dann auf andere Patient:innen übertragen werden könnten. Bei der Oberflächenqualität sind wir deshalb kompromisslos. Gut, dass sich unsere Chromstähle auch u. a. durch ihre hervorragende Oberflächenfestigkeit auszeichnen. Außerdem: Werden medizinische oder chirurgische Instrumente nach dem Einsatz für den nächsten aufbereitet, kommen hohe Temperaturen oder aggressive Substanzen für die Sterilisation zum Einsatz. Die Oberflächen sind daher also auch maximal hitze-, säure- und korrosionsbeständig.
Eine besondere Lösung haben wir für Oberflächen von OP-Instrumenten parat: Um den Blendeffekt zu vermeiden, welche glänzende Instrumente erzeugen, dampfen wir eine tiefschwarze, nicht reflektierenden Schicht auf. Sie ist weniger als 2,5 Mikrometer dick, verschleiß- und kratzfest und verhindert Reflexionen des OP-Lichts.
Unser Schritt voraus: Drähte für Hirnschrittmacher
Für „Hirnschrittmacher“ (Tiefe Hirnstirnstimulation, DBS = Deep Brain Stimulation) zur Behandlung von Parkinsonpatient:innen verarbeitet unser Kunde in den USA unseren 0,8 mm-Draht auf einen Enddurchmesser von 7-30 µm – also bis zu zehn Mal dünner als das menschliche Haar. Daraus entstehen „Seile“, wobei sechs solcher Seile die Elektroden am Kopf, unter der Haut verlaufend mit dem meist unterhalb des Schlüsselbeins implantierten Impulsgeber verbinden. Dieser sendet schwache elektrische Signale an die Zielbereiche im Gehirn, um fehlerhafte Nervensignale zu regulieren.
Präzisionsbohrer für die Chirurgie
Präzisionsbohrer für die Chirurgie für minimalinvasive chirurgische Eingriffe werden aus Edelstahl und Titan hergestellt. Die Bohrer sind dadurch besonders langlebig und korrosionsfest. Die CNC-Produktion garantiert höchste Genauigkeit, denn präzise Bohrungen führen zu geringeren Gewebeschäden und begünstigen damit die Heilung.
Ultradünne Schnitte, maximale Präzision
Bei diagnostischen, mikroskopischen Gewebeuntersuchungen sind präzise Schnitte mit einer Stärke zwischen 0,1 und 100 µm nötig. Die Messer des „Mikrotom“ genannten Schneidgeräts für solch dünne Präparate kommen von unserem schwedischen Standort in Munkfors und werden aus 3 mm starkem Bandstahl hergestellt. Das Ausgangsmaterial, das in Kantenschärfe, Korrosionsbeständigkeit und Verschleißfestigkeit perfekt ausbalanciert ist, walzen wir kalt auf die Stärke der Mikrotom-Klingen von ca. 250 µm.
Lebensqualität und Freude an der Bewegung: Unsere Lösungen z. B. für Hüftgelenke tragen zu erheblicher Schmerzreduktion und verbesserter Beweglichkeit bei. Sie zeichnen sich durch hohe Langlebigkeit aus.
Ob Implantate, chirurgische Instrumente, Beschichtungen oder ultrafeine Drähte: Unsere Werkstoffe und Lösungen erfüllen höchste Anforderungen an Präzision, Sicherheit und Langlebigkeit. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Materialkompetenz, kontinuierlicher Weiterentwicklung und enger Zusammenarbeit mit Medizintechnikherstellern rund um den Globus.
Mit unseren MedTech-Produkten tragen wir entscheidend dazu bei, die Lebensqualität der Patient:innen wiederherzustellen, Heilungsprozesse zu beschleunigen und medizinische Eingriffe sicherer zu machen – oft unsichtbar im Hintergrund, aber unverzichtbar für Millionen von Patient:innen weltweit.