Zukunft der Automobilität: Olschewski im Interview 3 Minuten Lesezeit
Mobilität

Zukunft der Automobilität: Olschewski im Interview

Trends und Aussichten: Wie wird sich in der Zukunft das Verhältnis von Automobilität und Stahl entwickeln? Ingo Olschewski, Bereichsleiter der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen, fka, gab am Rande der 11. voestalpine-Synergieplattform Antworten.

Herr Olschewski, wenn es um das Auto der Zukunft dreht, hören wir viel von E-Cars, von Trends, sogar von Mega-Trends: Was sind denn nun die bewegenden Themen in der Automobilindustrie?

Ingo OlschewskiIngo Olschewski: Im Grunde spiegeln die Entwicklungen, die wir als Mega-Trends bezeichnen, Entwicklungen auf kulturellem und demographischem Gebiet, vor allem aber die Beachtung des Klimawandels wider. Dazu gehört die Urbanisierung der Großräume – mit allen Problemen des fließenden und ruhenden Verkehrs. Weiter der Kulturwandel, der auch die Einstellung künftiger Käufergenerationen zum Auto betrifft, etwa hinsichtlich der wachsenden Akzeptanz von Mobilitätsmodellen, die auf Car-Sharing oder Nutzung von Mobilitätsdiensten basieren. Und nicht zuletzt der Haupttreiber in Sachen automobiler Veränderungen, der Klimawandel. Die Emissionsgesetze fordern massive Veränderungen innerhalb der Fahrzeugflotten. Die OEMs könnten es auch daher als nötig ansehen, sich teilweise neu zu organisieren bzw. strategische Bündnisse z. B. mit Batterie- und Softwareproduzenten einzugehen.

Welche Einflussgrößen beeinflussen den zukünftigen Stahleinsatz im Automobilbau am meisten?

Als wesentlich sind da zu nennen legislative Entscheidungen zur Emission und das veränderte Nutzerverhalten. Wird es einen wesentlich höheren Bedarf an selbstfahrenden Autos geben, die in den Städten vor allem auf aktiven Schutz bauen? Wie wird sich das Car-Sharing entwickeln? Auch die Berücksichtigung des Life Cycle Assessment in die Beurteilung von Fahrzeugen – hier steht Stahl vorbildlich da – würde sich auswirken. Auch wenn andere Materialien auf diesem Gebiet nachziehen.

Welche Anforderungen gibt es an die Stähle der Zukunft?

Leichtbau ist ein Thema, das an Bedeutung zunimmt. Gerade angesichts der Tendenzen, Fahrzeuge mit großen Batteriepacks auszustatten, wird eine entsprechende Stabilität benötigt. Da können hoch- und höchstfeste Stähle bedeutende Beiträge leisten. Die Fähigkeiten und Eigenschaften des Stahls noch weiter in Richtung Festigkeit und Steifigkeit auszubauen, ist sicher eine Herausforderung für die Stahlproduzenten, deren Erfüllung OEMS goutieren werden.

Wie sehen die Prognosen für den Stahlbedarf im Automobilbau aus?

Stahl ist ein Werkstoff, der bei allen Tendenzen zu Leichtbaulösungen mit anderen Metallen wie Aluminium und Magnesium oder mit Kohlefaserwerkstoffen seine Rolle im Auto nie ausspielen wird. Allein hinsichtlich der Kosten steht er für die Autoproduzenten, vor allem bei den so genannten Volumenfahrzeugen, in vorderster Position.
Neben dem Einsatz in der Karosse finden wir Stahl ja auch im Antriebsstrang und in den Rädern … Ohne zu viel zu verraten: Die Ergebnisse unserer Studie lassen keineswegs vermuten, dass Stahl in den nächsten Jahrzehnten aus dem Auto verdrängt wird.

Gibt es in Zukunft noch DEN einen Werkstoff oder wird es immer eine Kombination sein?

Das wird von der Trend-Entwicklung, die wir bereits angesprochen haben, mit abhängen. Allein innerstädtisch genutzte autonome Autos werden unter Umständen aus leichteren Werkstoffen oder einem größeren Werkstoffmix bestehen. Fahrzeuge für den Langstreckeneinsatz dagegen werden auch aus Sicherheitsgründen eher aus einem Material gefertigt werden, das bei hoher Leichtigkeit höchste Festigkeit bietet und auftretende Verformungskräfte, z. B. bei einem Unfall, absorbieren kann.
Leichtbaulösungen mit Hybridwerkstoffen sind natürlich auch interessant – aber bedürfen dann intelligenter End of use-Lösungen.