Fliegen leicht gemacht 3 Minuten Lesezeit
Luftfahrt

Fliegen leicht gemacht

Volkmar Held

Dass man vom Airbus A380 bei 560 Tonnen noch von einem START-Gewicht sprechen kann, ist schon erstaunlich. Wie kann es sein, dass ein solch schwerer Koloss abheben und tausende Kilometer elegant und leicht am Himmel zurücklegen kann?

Fliegen – Die Form bringt‘s

Die Lösung sind die Tragflächen oder genauer, ihr Profil. Es ist so geformt, dass die Strömungsgeschwindigkeit der Luft auf der gewölbten Oberseite viel höher ist als an der Unterseite. Der damit entstehende Sog zieht Flügel und Flugzeug nach oben und lässt die tonnenschwere Konstruktion quasi an der darüber hinwegstreichenden Luft „kleben“, der sogenannte Auftrieb wirkt. Sein Entstehen setzt allerdings voraus, dass sich das Flugzeug mit der erforderlichen Geschwindigkeit auf der Startbahn und schließlich in der Luft bewegt.

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Auftrieb – Die Kraft der Tragfläche

845 m² Tragfläche sorgen beim A380 für den ausreichenden Auftrieb. Beim Start kann man beobachten, welche enormen Kräfte an ihnen zerren: teilweise um etwa zwei Meter heben und senken sich ihre Spitzen. Kräfte, die an der Übergangsstelle zum Flugzeugrumpf aufgenommen werden müssen. Und hier kommen Kompetenz und Erfahrung von Spezialisten der BÖHLER Schmiedetechnik GmbH & Co. KG zum Tragen. Strukturteile der Center Box, der Rumpfteil, an dem die Tragflächen ansetzen, werden im steirischen Kapfenberg in der Spindelpresse geformt, wie beispielsweise Side load fittings für den „Dreamliner“ von Boeing.

Geschwindigkeit – Die Leistung der Triebwerke

Doch kein Auftrieb ohne Vortrieb; die Geschwindigkeit ist eine wesentliche Größe beim Wunder „Fliegen“. Die Verbindung zwischen Triebwerkgondeln und Flügeln sichern Bauteile der Böhler-Gesellschaften. Übermannshoch sind die Triebwerke, in denen hoher Druck und hohe Temperaturen zuverlässig auszuhalten sind. Hier sorgen u. a. Turbinenschaufeln der Böhler PROFIL GmbH und Turbinenringe der voestalpine Roll Forming Corp. (USA) für den benötigten Schub. Interne wie externe Güteprüfungen sichern kontinuierlich die Einhaltung der hohen Qualitätsansprüche. Bis zu 10.000 Umdrehungen in der Minute und Temperaturen von 600 °C und mehr müssen die Bauteile standhalten, denn sonst droht der Sieg der Schwerkraft.

Schwerkraft – Die Sicherheit der Fahrwerke

Der Auftrieb wirkt dank der hohen Geschwindigkeit der Schwerkraft entgegen, die permanent auf die Flugzeuge einwirkt. Landet ein hunderte Tonnen schwerer Jet, muss das Gewicht vom Fahrwerk abgefangen werden. Bauteile aus Titan- und höchstfesten Stahllegierungen bieten jetzt den auftretenden Kräften Widerstand. Auch hier sind voestalpine-Gesellschaften zuverlässige Lieferanten.

Je schwerer ein Flugzeug ist, desto größer müssen die aufzuwendenden Kräfte sein, die es in die Luft bringen und dort halten. Das bedeutet auch einen höheren Kraftstoffverbrauch. Eine Größe, die zählt: Nur ein Kilogramm Gewichtseinsparung an jedem Passagierflugzeug der deutschen Lufthansa würde den Jahresverbrauch der Flotte um 25 Tonnen Kerosin vermindern – ein ökonomischer und ökologischer Vorteil. Die Leichtbauinitiative der voestalpine ist also auch an dieser Stelle hoch willkommen.

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