voestalpine und ÖBB bringen digitales Zugmonitoring auf Schiene 3 Minuten Lesezeit
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voestalpine und ÖBB bringen digitales Zugmonitoring auf Schiene

Christopher Eberl
Christopher Eberl ist redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog sowie für die Lehrlingswebsite. Mit seinen Geschichten gewährt er tiefe Einblicke in die vielfältige Welt des voestalpine-Konzerns.

Wo früher einfahrende Züge am Bahnhof durch den Fahrdienstleister noch manuell oder auf Sicht kontrolliert wurden, überwachen heute digitale Sensoren wichtige Komponenten, wie z.B. Räder, Bremsen und Lager sowie den Beladungszustand der Waggons. Bis 2023 stattet voestalpine Railway Systems das österreichische Schienennetz mit 47 digitalen Checkpoints für ein flächendeckendes Monitoring von Zügen und Gleisen aus und trägt damit dazu bei, den Bahnverkehr in Österreich noch effizienter, sicherer und pünktlicher zu machen.

Über 6.000 Züge sind im Normalbetrieb täglich im österreichischen Bahnnetz unterwegs, der überwiegende Teil davon ohne technische Probleme. Schwierigkeiten können sich jedoch ergeben, wenn eine Ladung bei einem Frachttransport schlecht befestigt ist oder übersteht, wenn Kupplungen unbefestigt von Waggons hängen oder Bremsen nicht vollständig gelöst sind. Dann besteht die Gefahr, dass Anlagen und Gleiskörper beschädigt werden, Waggonmaterial Schaden nimmt oder es im schlimmsten Fall zu Unfällen kommt. Nachdem die Auslastung des Schienennetzes und damit dessen Belastung in Zukunft weiter steigen wird, während gleichzeitig auch immer höhere Geschwindigkeiten gefragt sind, gewinnt die digitale Überprüfung des Schienennetzes daher immer mehr an Bedeutung.

Checkpoint Oberaich voestalpine ÖBB

Checkpoint Oberaich.

Internationales Vorzeigeprojekt

In Österreich erfasst bereits ein dichtes Netz an elektronischen Messpunkten, welche in die Infrastruktur integriert sind, die Temperaturwerte von Achsen, Rädern und Bremsscheiben von Zügen im laufenden Betrieb. Das speziell von der voestalpine entwickelte Monitoring-System PHOENIXMDS erweitert nun rund 47 dieser einzelnen Messpunkte zu umfassenden Kontrollstationen: Verschiedene Sensortechnologien des umfangreichen modularen Portfolios ermöglichen eine individuell ausgerichtete und kontinuierliche Überwachung des rollenden Schienenverkehrs. Die erfassten Daten werden anschließend in der zentralen Management-Software PHOENIXCMS ausgewertet und benutzerfreundlich dargestellt. Im Rahmen dieses Projektes von ÖBB Infrastruktur AG und voestalpine, das international neue Maßstäbe in der digitalen Überwachung des Bahnverkehrs setzt, werden somit wichtige Erkenntnisse gesammelt, um Stehzeiten, Verzögerungen und Ausfälle von Zügen weiter zu minimieren. Mit dem geplanten Abschluss des Projekts im Jahr 2023 wird das österreichische Schienennetz mit den sogenannten Zuglaufcheckpoints über das ausgereifteste Zugbeobachtungssystem Europas verfügen.

Checkpoint Oberaich voestalpine ÖBB

Erste Checkpoints seit zwei Jahren erfolgreich in Betrieb

2017 wurde ein erster Checkpoint im steirischen Oberaich auf Herz und Nieren geprüft, seit Sommer 2018 sind die ersten regulären Checkpoints im österreichischen Schienennetz in Betrieb.

Bei voller Fahrt wird unter anderem die exakte Gewichtslast auf den Einzelrädern kontrolliert, um eventuell ungleich verteilte Ladungen zu erkennen. Auch die Kräfte, die durch ein Rad auf die Schiene wirken, werden kontinuierlich erfasst, um Raddefekte frühzeitig zu lokalisieren. Mittels Lademaß-Messanlagen, die mit optischen Sensoren ausgestattet sind, lassen sich wiederum über das Zugprofil herausragende Waggon- bzw. Ladungsteile erfassen.

Daten in Echtzeit

Die Daten der Sensoren werden in Echtzeit an zwei geografisch voneinander getrennte Server übermittelt und mit dem Betriebsleitsystem des Bahnbetreibers verknüpft. Im Falle einer Abweichung vom Soll-Zustand – etwa, wenn ein defektes Rad oder eine Schieflast ermittelt wurde – geht binnen Sekunden eine Meldung sowohl beim zuständigen Fahrdienstleiter als auch in der Zentrale ein. Somit können insbesondere Gefahrensituationen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, um Schäden an der Infrastruktur oder sogar Unfälle mit Personenschaden zu vermeiden. Beim Checkpoint Oberaich konnte die Zahl der Alarme in den letzten Monaten bereits merklich gesenkt werden und auch österreichweit trugen die Erfahrungswerte dazu bei, die Anzahl der Grenzwertüberschreitungen deutlich zu reduzieren.

Christopher Eberl