Haifisch-Haut „Shark Skin“ begeistert Autowelt 3 Minuten Lesezeit
Mobilität

Haifisch-Haut „Shark Skin“ begeistert Autowelt

Viktoria Steininger
Redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog, recherchiert und schreibt Viktoria Steininger auch selbst und gibt mit Geschichten Einblicke in den voestalpine-Konzern.

Die voestalpine-Tochter Eschmann Textures entwickelte eine neuartige Oberfläche für Autos, die einer Haifisch-Haut nachempfunden ist. Damit werden Fahrzeuge schneller, leichter und verzeihen sogar Kratzer.

Lautlos und elegant gleitet ein Hai durchs Wasser. Dafür sorgen die zahnförmigen Plättchen auf seiner Haut, die den Strömungswiderstand minimieren. Seit Jahrzehnten versucht die Automobilindustrie, diesen Effekt nachzubauen. Eschmann Textures, der voestalpine-Tochter aus Neuenstadt am Kocher (Deutschland), ist dies nun gelungen. Möglich macht dies eine spezielle Keramiktechnologie, mit der man Haifisch-Haut zu 100 % nachbauen kann. Dabei wurde die Oberflächenstruktur der Hai-Haut in weiche Keramik übertragen, um sie exakt nachzuformen. Weltweit gibt es nur zwei Firmen, die das geschafft haben.

Auszeichnung Automotive-Award-Night

Auszeichnung bei der Automotive-Award-Night: Geschäftsführer Uwe Wolff (5. von links) gemeinsam mit seinem Team

Mehr als nur schneller

Mit dieser neuen Oberfläche werden Autos schneller – bei Tests im Windkanal überzeugten Testfahrzeuge, dessen Dächer und Motorhauben mit der künstlich hergestellten Haifisch-Haut überzogen waren. Verständlich also, dass im Rennsport viele darauf brennen, mit Haifisch-Haut wertvolle Sekunden rauszuholen. Doch die neuartige Technologie bringt auch noch weitere Vorteile mit sich, denn weniger Luftwiderstand bedeutet auch weniger Sprit und Abgase.

Eine deutsche Premium-Automarke schaffte es, ein Auto deutlich leiser zu machen, indem sie den Unterboden mit „Shark Skin“ überzog. Und ein weiterer Kunde veredelte zu Testzwecken gleich die gesamte Außenfläche: normalerweise verformt sich die Karosserie bei hohen Geschwindigkeiten. Doch die Haifisch-Haut verringert den Druck auf die Karosserie, so dass weniger Luftwiderstand erzeugt wird. Dies funktioniert übrigens nicht nur bei Autos, sondern auch bei Flugzeugen, Booten oder Schnellzügen.

Nie wieder Kratzer

Die Oberfläche der Haifisch-Haut ist das eine. Interessant ist aber auch das Darunter. Bisher setzten Autobauer und Flugzeughersteller auf Karbon und Glasfaser, um Karosserieteile leichter zu machen, was aber extrem aufwändig und sehr teuer ist. Das Trägermaterial der künstlichen Haifisch-Haut ist dagegen eine Art Schaum in Wabenstruktur, der mit Harzen verbunden ist. Die Hohlräume machen das Material stabil und leicht zugleich. Für die kleinen Missgeschicke beim Fahren sind die Entwickler von „Shark Skin“ noch einen Schritt weiter gegangen: Wie in der Natur hat die Oberfläche der Haifisch-Haut selbstheilende Kräfte. Wird die Haut verletzt, kristallisiert das Harz nach – es heilt sozusagen.

Auszeichnung für innovativste und kreativste Lösung

Das Team, das Shark Skin entwickelt hat (v. l. n. r.): Timo Höffner, Frederik Eurich, Jean-und Pierre Morzewiez.

Das Team, das Shark Skin entwickelt hat (v. l. n. r.): Timo Höffner, Frederik Eurich, Jean-und Pierre Morzewiez.

Kein Wunder also, dass diese Innovation von Eschmann Textures in der Branche für Aufsehen sorgt. Beispielsweise waren Automobilexperten aus aller Welt von „Shark Skin“ so begeistert, dass sie dem Oberflächenspezialisten und seinen Kooperationspartnern bei der 16. Automotive-Award-Night im Juli 2015 den Preis für die innovativste und kreativste Lösung im Fahrzeugbau verliehen.

Viktoria Steininger