Ausblick 2018: Ein Autojahr wie kaum ein anderes 3 Minuten Lesezeit
Mobilität

Ausblick 2018: Ein Autojahr wie kaum ein anderes

Timo Völker
Timo Völker is head of the motorsports section at "Die Presse", a daily newspaper in Austria.

Im Jahr 2018 trifft der SUV-Boom mit voller Wucht auf jene Autos, die uns (rein elektrisch) in die Zukunft führen sollen. Oder finden die beiden Gattungen gar zusammen? Ein Ausblick auf die Automotive Trends 2018 von Timo Völker.

Für Autoenthusiasten wird 2018 ein Jahr ganz nach Wunsch: Es hagelt nur so die Premieren. Praktisch alle deutschen Hersteller erneuern wichtige Baureihen, darüber hinaus werden ganz neue eingeführt – eine Folge flexibler Plattformen und großer Baukästen, mit deren Hilfe sich heute in den Werken eine Vielzahl von Derivaten mit vertretbarem Aufwand produzieren lässt.

Der Markt verlangt danach – speziell im Premiumbereich ist keine Nische mehr zu klein, siehe SUV-Coupés, seit dem BMW X6 der letzte Schrei.

SUV-Boom auch in Europa

Die Konsumenten gieren nach Abwechslung, was vor allem den europäischen SUV-Boom befeuert. Man schätzt die Attribute des irgendwie Abenteuerlich-Verwegenen bei gleichzeitig hohem Sicherheitsempfinden.

Dankbar entsprechen die Hersteller und feuern eine robust beplankte und höhergelegte Variante nach der anderen hinaus. Die klassischen Formate, Limousinen und Vans, haben keinen leichten Stand.

Doch war da nicht etwas mit CO2-Grenzwerten, mit Umwelt- und Klimaschutz? Nicht unbedingt das, was SUVs verkörpern. Höchste Zeit also, sich dem Leichtbau zuzuwenden und alternative Antriebe zu forcieren.

Alternative Antriebe weiter im Vormarsch

BMW hat mit dem elektrischen i3 und dem Plug-In-Hybriden i8 schon früh auf einen Sonderweg gesetzt. Doch der führte nicht weit. Das aus Karbon-Verbundstoffen gefertigte Chassis ist leichtgewichtig, lässt sich in der Herstellung aber nicht beliebig skalieren, fällt also zu teuer. Auch stehen die Käufer gänzlich neuen Erscheinungsformen zurückhaltender gegenüber als vielleicht gedacht.

Somit richtet sich BMW auf eine Produktionszukunft ein, in der alternative und konventionelle Modelle Seite an Seite vom Band rollen, ganz so, wie es der Markt verlangt. Auch die anderen Hersteller haben Vorkehrungen getroffen, um alternative Antriebe mit möglichst wenig Sonderaufwand in die großen Fertigungsstraßen einzuklinken. Nur so wird man anfangs des neuen Jahrzehnts voll- oder teilelektrische Modelle auf dem Markt haben, die auch in großem Umfang gekauft werden.

SUV Bruecke

Noch weniger Gewicht

Und Leichtbau muss auch ohne Karbon realisiert werden. Vor allem für Volumenbaureihen ist der intelligente Einsatz von leichtem, hochfesten Stahl der Weg in die Zukunft. Denn das Gewicht der Karosserie muss runter, nachdem der Spielraum bei den Akkus gering ist.

Natürlich gibt es Fortschritte in der Energiedichte, doch Reichweite wird grundsätzlich mit ordentlicher Speicherkapazität hergestellt. Da hat übrigens auch Tesla keine Zaubertricks auf Lager. Um rein elektrisch in die Nähe der 500 Kilometer zu kommen, braucht es schon 70 bis über 100 kWh. Das ist man schnell bei einer dreiviertel Tonne allein für die Batterien.

Dass im nächsten Jahr einige Hersteller mit Elektro-SUVs starten, liegt auf der Hand: In den großen und höheren Autos lassen sich große Akkus leichter unterbringen. 2018 bringt also zunächst einmal einige vollelektrische Prestigeautos, kaum eines unter zwei Tonnen schwer und preislich unerreichbar für Durchschnittskäufer.

Während man auf Teslas Model 3 übrigens noch länger wird warten müssen. Der kalifornische Hersteller „geht durch die Produktionshölle“, wie es Tesla-CEO Elon Musk selbst ausgedrückt hat.

Was war passiert? Etwas sehr Simples: Der Produktionsmannschaft fehlt etwas die Expertise beim Schweißen von Stahl. Stahl? Jawohl, das Model 3 muss deutlich günstiger sein als das Model S, das aus Aluminium gefertigt ist (geklebt und genietet), und dafür kommt eben nur Stahl in Frage.

Wie gesagt: Das Wirken von Wundern ist dann doch nicht so einfach.

Zukunft Autonomes Fahren

Der andere große Trend betrifft das Cockpit, das zunehmend automatisiert wird. Das Roboterauto ist im Grunde längst Realität, das hat bescheiden mit dem Tempomat vor Jahrzehnten begonnen und führt zum Einsatz von Kameras, Radar und Laser, um dem autonomen Auto Augen und Ohren zu verleihen. Darüber demnächst mehr.