Podiumsdiskussion: Verliert Österreich die Forscher von morgen? 3 Minuten Lesezeit
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Podiumsdiskussion: Verliert Österreich die Forscher von morgen?

Volkmar Held

Am 12. Februar kreiste in Kooperation mit ‚Die Presse‘ eine hochkarätige Podiumsdiskussion in der voestalpine Stahlwelt um die Zukunft des Forschungsstandorts Österreich.

Die Frage, ob Österreich die Forscher von morgen verliert, ist längst auch zu der Frage geworden, wie man die Forscher von morgen heranbilden könne. Und was könnte andererseits Spitzenleute nach Österreich ziehen? – Eine hochkarätige Runde diskutierte diese Fragen am 12. Februar 2018 in der voestalpine Stahlwelt in Linz.

Podiumsdiskussion: Verliert Österreich die Forscher von morgen?

v.l.n.r.: Rainer Nowak (Chefredakteur und Herausgeber „Die Presse“), Hans-Dieter Pötsch (Vorstandsvorsitzender Porsche SE und Aufsichtsratschef Volkswagen AG), Wolfgang Eder (voestalpine-CEO), Markus Hengstschläger (Vorstand Institut für Medizinische Genetik), Henrietta Egerth (Geschäftsführerin Forschungsfördergesellschaft) und Meinhard Lukas (Rektor Johannes-Kepler-Universität Linz).

Attraktivität gewinnen

„Junge Forscher gehen dorthin, wo ein attraktives wissenschaftliches und gesellschaftliches Klima besteht“, erklärte Genetiker Markus Hengstschläger in seinem eröffnenden Beitrag. Wenn also Henrietta Egerth, die Chefin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, beklagte, dass weniger wissenschaftliche Spitzenleute nach Österreich kämen als von hier ins Ausland gingen, muss dieses Klima verbessert werden.

Hengstschläger formulierte daher drei wesentliche Attraktivitätsmomente für die Gewinnung von Spitzenforschern aus dem Ausland:

  • ein forschungsfreundliches Umfeld,
  • hohe Chancen auf Fördermittel und
  • Existenz von Kondensationskernen innovativer Wissenschaft, z. B. in benachbarten Forschungszentren/-instituten, Universitäten …

Weiter mit Eliten?

Natürlich sprachen sich alle Beteiligten an der Diskussion für eine Erhöhung von Forschungsmitteln aus und sahen Handlungsbedarf in der Politik. Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats, führte ein Beispiel aus dem Nachbarland an: „Die deutsche Politik hat Elite-Universitäten definiert und ist damit sehr gut gefahren. Damit wurde die Vergabe von Mitteln an Schwerpunkt-Universitäten fokussiert.“ Dass dieses Konzept aufgeht, beweise die TU München, in der auch der Rektor die Linzer Kepler-Universität, Meinhard Lukas, ein Vorbild sieht. Ob ein System von Elite-Universitäten auch ein probater Weg für Österreich sein könnte, war sich das Gremium nicht sicher, für einen Wettbewerb um Forschungsmittel sprachen sich jedoch zumindest Henrietta Egerth und Wolfgang Eder explizit aus.

voestalpine gestaltet Forschungs-Zukunft

Der voestalpine-CEO definierte klar, was aus Unternehmenssicht die Leistungsfähigkeit universitärer Bildung antreiben könne:

"Die drei wichtigsten Dinge sind Fokussierung auf Forschungsgegenstände, die Bildung von Alleinstellungsmerkmalen und eine kompetitive Mittelvergabe."
ZitatWolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG

Hans Dieter Pötsch lobte die „überdurchschnittliche Investition der voestalpine in Forschung und Entwicklung“ und vermutete in Österreich noch manche „Hidden Champions“ der zukünftigen Forschungslandschaft. Diese (noch) versteckten Spitzenforscher zu entdecken und zu ermutigen forderte auch voestalpine-Forschungsleiter Franz Androsch am Rande der Podiumsdiskussion. voestalpine sei mit weit gefächerten Aktivitäten dabei auf einem guten Weg – natürlich auch, um den eigenen Forschernachwuchs zu sichern.

Gesamte Diskussion zum Nachsehen (Facebook):