Mitarbeiter als Schlüssel zu Innovationen 4 Minuten Lesezeit
Mobilität

Mitarbeiter als Schlüssel zu Innovationen

Christopher Eberl
Holds editorial responsibility for career topics and for the apprentice website. His stories offer insights into the world of work at voestalpine.

Mit einem Blick auf das Thema Spezialisten möchten wir gerne Mitarbeiter vorstellen, die sich auf ihrem Gebiet ein einzigartiges Wissen und besondere Fähigkeiten angeeignet haben. Ein solcher Mitarbeiter ist Tobias Hägele (voestalpine Polynorm in Schwäbisch Gmünd).

Tobias Hägele ist 30 Jahre alt und ist seit 2010 in der voestalpine Polynorm in Schwäbisch Gmünd, Deutschland, tätig. Hier wurde am 7. Juli 2016 die weltweit erste Anlage zur Herstellung höchstfester Automobilteile in einem völlig neuen und höchst effizienten Prozess (phs-directform) eröffnet. Alle Informationen dazu finden Sie im folgenden Beitrag.

Am voestalpine-Standort Schwäbisch Gmünd hielt er bis 2014 in der F&E Abteilung die Position Projektleiter Technologieentwicklung und wechselte dann in die Produktionsleitung, in der er aktuell als Projektleiter Serie Integration neue Technologien fungiert.

Mitarbeiter als Schlüssel zu Innovationen

Tobias Hägele, Projektleiter Serie Integration neue Technologien, voestalpine Polynorm GmbH in Schwäbisch Gmünd

Welches Produkt wird bei Ihnen im Unternehmen erzeugt?

voestalpine Polynorm produziert hauptsächlich Karosseriebauteile aus Stahl, Aluminium und pressgehärtetem Stahl. Pressgehärtete Stähle für den automobilen Leichtbau setzen sich immer mehr durch und es entstehen noch weitere Presshärteanlagen. Am 7. Juli wurde beispielsweise hier bei uns die weltweit erste Anlage für die Herstellung von pressgehärteten Stahlbauteilen aus feuerverzinktem Bandstahl im direkten Verfahren eröffnet. Beim Presshärteverfahren gibt es weiter entwickelte Verfahren wie z.B. das partielle Presshärteverfahren. Während normal pressgehärtete Bauteile komplett erhitzt und dann gehärtet werden sind bei partiell gehärteten Bauteilen nur Teilbereiche erhitzt und dadurch gehärtet. Der Rest des Bauteils wird auf niedrigeren Temperaturen gehalten und härtet deshalb nicht. Partiell gehärtete Bauteile sind inzwischen in mehreren deutschen Premiumfahrzeugen verbaut. Hier helfen diese maßgeschneiderten Bauteile die Crashperformance sowie den Insassenschutz zu verbessern.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag bzw. insbesondere Ihre Tätigkeit aus?

Meine Arbeitstage sind sehr abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll, da immer neue Herausforderungen gelöst werden müssen. Um die Presshärteanlagen zu optimieren und dadurch Ihre Verfügbarkeit zu erhöhen, muss der Produktionsprozess bis ins Detail durchleuchtet und analysiert werden. Viele Optimierungsansätze kommen von den Anlagenbedienern selbst. Diese Ideen gilt es dann zu bewerten und technisch wie auch wirtschaftlich zu beurteilen. Wir haben am Standort wöchentliche Regeltermine bei denen es nur um die Anlagenoptimierung geht. In diesem Team sind Vertreter aus der Instandhaltung und Produktion vertreten, um in konstruktiver Atmosphäre Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Manchmal startet mein Tag auch direkt beim Betreten der Produktionshalle (ohne einen ersten Kaffee) indem ein Anlagenbediener mit einem Problem beim partiellen Presshärten auf mich zukommt und deshalb die Anlage steht. In solchen Fällen wird meine Arbeitskleidung angezogen und direkt an der Anlage Lösungssuche gegangen. Hierbei werde ich von der Instandhaltung und Produktion unterstützt.

Was zeichnet Sie als Spezialisten aus? Was ist Ihre besondere Fähigkeit bzw. wie lösen Sie Herausforderungen?

Bei beiden am Standort Schwäbisch Gmünd entwickelten Verfahren, um partiell gehärtete Bauteile herzustellen, habe ich maßgeblich mitgearbeitet. Ich bin somit Spezialist für partiell gehärtete Bauteile und deren Entwicklung sowie für Prozessoptimierungen und Weiterentwicklungen dieser Verfahren. Eine meiner Fähigkeiten ist, dass ich mir schnell neue Ideen technisch und physikalisch vorstellen und eine Gespür dafür habe, was funktionieren kann und was nicht.

Probleme sind da um sie zu lösen. Hierbei sind Teamarbeit, Akzeptanz, Unterstützung und Vertrauen von Vorgesetzten sehr wichtig. Jede Idee ist es wert ausgesprochen und neutral bewertet zu werden. Oft ist die Idee im Ansatz genau richtig und hat nur noch nicht den richtigen Feinschliff. Diese Grundideen zu erkennen und sich als technische Lösung vorstellen zu können, sind die Basis.

"Bei der Problemlösung sind Teamarbeit, Akzeptanz, Unterstützung und Vertrauen von Vorgesetzten sehr wichtig."
Tobias Hägele, Projektleiter Serie Integration neue Technologien

Meine Erfahrung ist, dass die Grundidee zwar von einer einzelnen Person kommt die tatsächliche technische Lösung und Umsetzung ist dann aber eine Mischung aus weiteren Ideen und Optimierungen von den im Projekt involvierten Personen.

Auf welches Detail kommt es bei Ihrer Arbeit besonders an?

Der Blick über den Tellerrand ist extrem wichtig. Ideen müssen zugelassen und weitergedacht werden. Ohne Teamarbeit und engagierte sowie motivierte Kollegen ist keine Innovation möglich. Es muss Vertrauen im Team geben und auch fair zugehen. Vorgesetzte müssen Ideen erkennen und unterstützen. Soziale Kompetenzen sind genauso wichtig wie technisches Fachwissen. Der Arbeitstag muss Ideen zulassen. Wenn jeder Tag von morgens bis abends zu 100 % mit Alltagsgeschäft vollgestopft ist, können sich keine Ideen entwickeln. In Brainstorming-Besprechungen können Grundideen erarbeitet werden, die durch so genannte Geistesblitze in ruhiger Minute oder beim Kaffee mit Kollegen entstehen.

"Ohne Teamarbeit und engagierte sowie motivierte Kollegen ist keine Innovation möglich."
Tobias Hägele, Projektleiter Serie Integration neue Technologien
Mitarbeiter als Schlüssel zu Innovationen

Tobias Hägele und sein Team

Was ist für junge Mitarbeiter besonders wichtig?

Motivation und Übertragung von Verantwortung sowie Vertrauen und Forderungen bei gleichzeitiger Unterstützung und Anerkennung sind für junge Mitarbeiter elementar wichtig. Fehler müssen erlaubt sein, um zu lernen und besser zu werden.

Christopher Eberl