“TU Austria”: Das neue Uni-Jointventure 3 Minuten Lesezeit
Innovation

“TU Austria”: Das neue Uni-Jointventure

Stephanie Bauer
Als voestalpine Digital Native der ersten Stunde ist Stephanie Bauer für die Corporate Online & Social Media Strategie verantwortlich, als Chef vom Dienst für das Themenmanagement im Newsroom.

Die "befreundeten Konkurrenten" Technische Unis und Montanuniversität schließen sich zu einer neuen "TU Austria" zusammen und wollen etwa bei Infrastruktur und Forschungsinhalten kooperieren

TU Austria

Die Technischen Universitäten (TU) Wien und Graz sowie die Montanuniversität Leoben schließen sich zur neuen “TU Austria”  zusammen und wollen so künftig ihre gemeinsamen Anliegen besser vertreten sowie Investitionen in Infrastruktur bzw. Berufungen koordinieren. Die “befreundeten Konkurrenten” sollen sich etwa in Forschung und Lehre abstimmen, “bevor das andere für uns tun”, betonte der Rektor der TU Wien, Peter Skalicky.

Die drei Unis haben zusammen 38.000 Studenten bzw. 8.000 Mitarbeiter, “und der ganze Spaß kostet jährlich eine halbe Milliarde Euro”, so Skalicky. Darüber hinaus gebe es Alleinstellungsmerkmale, die über jene anderer Universitäten hinausgingen. So müsse etwa bei der Budgetierung die teure Infrastruktur berücksichtigt werden. Buchwissenschaften müssten etwa keine teuren Elektronenmikroskope oder chemische Labors anschaffen bzw. erhalten.

Genau in diesen Bereichen wollen die Unis auch kooperieren: Man brauche nicht unbedingt drei Mal ein Elektronenmikroskop oder eine Neutronenquelle, meinte Skalicky. Auch bei den Berufungen werde man sich vorher abstimmen und nicht parallel Professuren zu den gleichen Themenfeldern einrichten. Als weiteres Beispiel nannte der Rektor der TU Graz, Hans Sünkel, den Bereich der Simulationen. Hier bedürfe es oft eines gigantischen Rechenaufwands und Speicherbedarfs. Die TU Graz decke hier ihren Bedarf täglicher Art in Graz und kaufe bei erhöhtem Bedarf Rechenleistung bei der TU Wien ein.

Wolfhard WegscheiderDie jeweiligen Grundausbildungen bleiben aber an den Universitäten. “Ein Student aus Leoben muss für eine Mathe-Vorlesung nicht nach Wien fahren”, stellte Montanuni-Rektor und TU-Austria-Präsident Wolfhard Wegscheider (Foto links) klar. Auch Sünkel betonte, dass Physik, Mathematik oder Chemie “außerhalb unserer Gemeinsamkeiten” liegen, auch bestehende Kooperationen wie jene der TU Graz mit der Uni Graz im Naturwissenschaftsbereich bleiben unberührt. Das schließe aber etwa Kooperationen “unterhalb” der Technischen Chemie nicht aus, um in diesem breit gefächerten Gebiet ein weiteres Spektrum abdecken zu können.

Fachlich erstreckt sich der Fokus der Kooperation auf die Bereiche mit inhaltlichen Schnittstellen, also Energie, Materialwissenschaften, Geowissenschaften/Geodäsie, Fertigungstechnik, Tunnelbau, Techno-Ökonomie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

Die Kooperatioonsidee klingt für Sünkel “fast trivial, aber die Vergangenheit war ganz anders gestaltet”. Oft habe man da eher mit australischen Einrichtungen kooperiert und “die Konkurrenz auf der anderen Seite des Ganges gesehen”. Vorbild von “TU Austria” sind ähnliche Zusammenschlüsse wie die deutschen “TU9 – German Institutes of Technology” oder die niederländischen “3TU”. Auch international will sich die “TU Austria” gemeinsam präsentieren: Die erste Gelegenheit dazu bietet schon im Mai die EXPO in Shanghai.

 

(APA/red)