Technologieführerschaft bei Spezialblechen dank hochmoderner Fertigungsanlagen 4 Minuten Lesezeit
Innovation

Technologieführerschaft bei Spezialblechen dank hochmoderner Fertigungsanlagen

Julia Hermetter

In den letzten drei Jahren investierte die voestalpine am Standort Mürzzuschlag (Steiermark) in die Modernisierung und Digitalisierung ihrer Anlagen. Mit dem Projekt ‚ProPlate‘ wurden bei voestalpine Böhler Belche das Produktportfolio insbesondere um Nickelbasis-Bleche erweitert und gleichzeitig die Qualität und Effizienz bei der Verarbeitung anderer Materialien erhöht.

Schon seit der Unternehmensgründung 1991 spezialisiert sich voestalpine Böhler Bleche, eine Tochtergesellschaft der High Performance Metals Division des Konzerns, auf die Herstellung höchstqualitativer Bleche aus korrosions- und hitzebeständigen Hochleistungsstählen, Nickelbasis- sowie Titanlegierungen. Die Spezialbleche aus Mürzzuschlag werden weltweit in über 50 Länder exportiert. Zu den Hauptabnehmern zählen die internationale Luftfahrt-, die Öl- & Gas- sowie die Werkzeugindustrie.

„voestalpine Böhler Bleche gilt heute als einer der weltweit führenden Anbieter von besonders widerstandsfähigen Blechen für anspruchsvollste industrielle Anwendungen. Europaweit sind wir in Mürzzuschlag sogar der einzige Hersteller von Titanblechen für die Luftfahrtindustrie“, so Franz Rotter, Vorstandsmitglied der voestalpine AG und Leiter der High Performance Metals Division.

15,5-Millionen-EUR-Investment: Portfolioerweiterung um Nickelbasisbleche

In den letzten drei Jahren investierte die voestalpine am Standort Mürzzuschlag insgesamt knapp 30 Millionen EUR in die Modernisierung und technologische Weiterentwicklung ihrer Fertigungskapazitäten. 15,5 Millionen EUR davon flossen in das Investitionsprojekt „ProPlate“, das ein Walzgerüst, zwei Wärmebehandlungsöfen, eine Richtmaschine sowie die Modernisierung des Steuerstandes umfasste. Seit Ende August sind alle neuen Aggregate in Betrieb.

„Um unsere führende Position im Bereich spezialgewalzter Bleche zu forcieren, haben wir in unserem Werk in Mürzzuschlag in den letzten Jahren intensiv in neue Anlagen und die weitere Digitalisierung der Prozesse investiert. Mit dem Projekt ‚ProPlate‘ erweitern wir unser Produktportfolio insbesondere um Nickelbasis-Bleche für die Öl- und Gasindustrie und erhöhen gleichzeitig die Qualität und Effizienz bei der Verarbeitung anderer Materialien“, so Franz Rotter.

Digitalisierung: Fertigung auf höchstem technologischen Niveau

Im Zuge des „ProPlate“-Investments wurde das bestehende Trio-Walzgerüst auf ein Duo-Walzgerüst umgebaut. Darauf wird das zuvor auf Walztemperatur (ca. 1.200° Celsius) erhitzte Vormaterial – so genannte Brammen – einer ersten Umformung unterzogen und die Dicke entsprechend reduziert. Damit ist das neue Duo-Walzgerüst, das höchsten Standards in Sachen Digitalisierung entspricht, Ausgangspunkt für alle in Mürzzuschlag hergestellten Bleche.

Während vor der Neuinvestition die Messung der Blechdicke noch händisch vorgenommen werden musste, erfolgt diese nunmehr laserbasiert. Die Messdaten werden in einem neu eingerichteten Steuerstand unmittelbar ausgewertet und bestimmen, wie viele weitere Umformschritte erforderlich sind.

Um die Materialeigenschaften der gewalzten Bleche weiter zu verbessern, wurden zusätzlich zwei neue Wärmebehandlungsöfen installiert. Neben einer wesentlichen Verkürzung der Durchlaufzeit in diesem Bereich, sorgen die zwei baugleichen Öfen auch dafür, dass auch etwaige Produktionsausfälle bei Stillstand oder Wartung eines Ofens abgefedert werden.

Auch beim danach folgenden Prozessschritt, dem sogenannten „richten“, bei dem die Bleche gezielt verformt werden, um eine vollständig ebene Platte zu erhalten, wurde in ein neues Aggregat investiert. Eine hochmoderne Rollenrichtmaschine ermöglicht ab sofort die Verarbeitung besonders dünner Nickelbasis-Bleche sowie eine deutliche Qualitätssteigerung, durch die Verbesserung der Ebenheit der Bleche sowie die Vermeidung von Oberflächenfehlern.

Das voestalpine-Blechwalzwerk in Mürzzuschlag erfüllt auf Basis der neuen Anlagen mit modernster Automations- und Messtechnik einmal mehr höchste Anforderungen hinsichtlich digitaler Prozessdatenerfassung und Arbeitssicherheit. Durch die Einführung eines Materialtrackingsystems mittels NFC-Tags können Fertigungsaufträge in der Produktion jederzeitig nachvollzogen und eindeutig zugeordnet werden.

Anspruchsvollste Produkte für die Öl- & Gas, Luftfahrt- und Werkzeugindustrie

Mit den neuen Fertigungsanlagen können erstmals besonders dünne und korrosionsbeständige Nickelbasis-Bleche (zwischen zwei bis zehn Millimeter) hergestellt werden, die vorwiegend in der Öl- und Gasindustrie – im Speziellen in verarbeitenden Raffinerien – zum Einsatz kommen. Daraus werden etwa kreisrunde Scheiben – für so genannte Flansche – geschnitten, und zum Dichten, Verbinden oder Schließen von Rohren verwendet. Diese Spezialbleche finden, entsprechend gebogen und verschweißt, ebenso als Behälter oder Rohre Anwendung.

Auch das Angebot an Blechen aus anderen Werkstoffen wurde auf Basis dieses Investments nochmals ausgebaut: Konnten bislang Bleche mit einer Dicke zwischen 0,8 bis 100 Millimeter gewalzt werden, ermöglicht die neue Anlagenkonfiguration nun die Herstellung noch dickerer Bleche aus Werkzeugstahl mit Dimensionen bis zu maximal 150 Millimeter. Diese Bleche kommen vor allem für die Herstellung von Werkzeugen in der Automobil- oder Konsumgüterindustrie zum Einsatz. Dazu zählen beispielsweise Kunststoff- und Druckgussformen, die der Fabrikation von Kunststoffartikeln im Haushalt oder in der Elektronikindustrie dienen.

„Das Vormaterial zur Herstellung hochwertiger Werkzeugstahl-Bleche stammt direkt von unserem zweiten steirischen Divisionsstandort Kapfenberg. Damit ist voestalpine Böhler Bleche künftig auch ein wichtiger Abnehmer des neuen, weltweit modernsten Edelstahlwerks, das bis 2021 mit einer Investitionssumme von bis zu 350 Millionen Euro dort entsteht“, so Franz Rotter, der in seiner Funktion als Leiter der High Performance Metals Division auch für die Errichtung des neuen High-Tech-Werkes der Schwesterngesellschaft voestalpine Böhler Edelstahl verantwortlich zeichnet.

Auch die Luftfahrtindustrie ist ein wichtiger Abnehmer von Premiumblechen aus Mürzzuschlag. Hier kommen besonders temperaturresistente Bleche aus Nickelbasislegierungen, Titan oder besonders widerstandsfähigen Stählen für die Weiterverarbeitung zu Strukturteilen von Flugzeugen zum Einsatz. Endprodukte sind etwa, Türrahmen, Triebwerksaufhängungen oder Komponenten für Landeklappen, Triebwerk und Bremssystem.

Julia Hermetter