Ökobilanzen für Produkte: Mit besseren Argumenten in den Markt 3 Minuten Lesezeit
Innovation

Ökobilanzen für Produkte: Mit besseren Argumenten in den Markt

Viktoria Steininger
Redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog, recherchiert und schreibt Viktoria Steininger auch selbst und gibt mit Geschichten Einblicke in den voestalpine-Konzern.

Im Vergleich zu konkurrierenden Materialien ist Stahl bei einer Betrachtung der Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus jener Werkstoff mit den – mit Abstand – geringsten CO2-Emissionen in der Herstellung. Deshalb wird etwa mittels Umweltproduktdeklarationen bzw. EPDs (EPD steht für „Environmental Product Declaration“) – das sind Ökobilanzen für Produkte – der ökologische Fußabdruck anhand definierter Kriterien dokumentiert und an voestalpine-Kunden für die umwelttechnische Bewertung bereitgestellt.

Der voestalpine-Konzern braucht sich hinsichtlich der ökologischen Performance seiner Produkte nicht zu verstecken, sondern wählt  bewusst den Weg der direkten Kommunikation, erklärt Stefan Schuster vom Strategischen Umweltmanagement der voestalpine AG und zudem konzernaler Ansprechpartner für das Thema LCA: „EPDs werden heute bereits in den Ausschreibungsprozessen, z.B. im Infrastrukturbereich angefragt. Und vor allem im Bereich der Gebäudezertifizierungen gibt es etablierte Systeme, die sich für den ökologischen Aspekt der Nachhaltigkeit der Informationen aus den EPDs bedienen. Wir haben uns aber dazu entschlossen, die Umweltaspekte unserer Produkte und unserer Werkstoffe proaktiv zu kommunizieren und in die Argumentation mit einfließen zu lassen.“ Und Stahl bietet hier wirklich überzeugende Argumente.

Objektives Instrument

EPDs wiederum haben den Vorteil, dass sie ein neutrales, objektives Instrument sind, um Informationen zur ökologischen Produktbewertung zu kommunizieren, das auf definierten Methoden, internationalen Normen und äußerst robusten Daten basiert. Außerdem werden Ökobilanzen und Ergebnisse von unabhängigen Dritten geprüft und stehen öffentlich zur Verfügung.

So hält voestalpine beispielsweise bereits Umweltproduktdeklarationen für organisch beschichtete Stahlbänder der Marke colofer® und für Grobbleche bzw. walzplattierte Grobbleche. Noch 2018 will der Konzern die Arbeit für eine weitere EPD zur Produktgruppe ‚Schienen‘ abschließen. Doch wie läuft diese Arbeit eigentlich ab?

Life Cycle Inventory als Basis der EPD

Die Grundlage einer jeden solchen Bewertung ist die so genannte Sachbilanz („Life Cycle Inventory“): Hier erfolgt  die Erhebung sämtlicher relevanten Input-Ströme, die einerseits in den jeweiligen Produktionsprozess hineinfließen und andererseits aller Output-Ströme, die im Prozess selbst entstehen. EPDs werden alle fünf Jahre aktualisiert, um laufende Prozessveränderungen/-verbesserungen zu berücksichtigen. Nimmt man etwa das Beispiel der organisch beschichteten Bänder, so muss zuerst die Prozesskette erfasst werden:

  • Sinteranlage,
  • Kokerei,
  • Hochofen,
  • Stahlwerk,
  • bis hin zur Bandbeschichtung

Das Produkt, das am Ende dieser Prozesskette entsteht, ist das Eine. Zum anderen werden  in den einzelnen Prozessschritten auch Emissionen, Nebenprodukte, Kreislaufstoffe, Abfälle etc. generiert, die ebenfalls in der Bewertung berücksichtigt werden. Aber auch die Ströme, die in die Prozesse hineinfließen, werden systematisch betrachtet, wie z.B.

  • Rohstoffe,
  • Energie,
  • Wasser,
  • usw.

Systematisch werden die Umweltauswirkungen anhand dieser Sachbilanz ermittelt und als Wirkungsindikatoren dargestellt, erklärt Stefan Schuster: „Für jeden Prozess ermittelt man alle relevanten Input- und Output-Ströme und berechnet die Wirkungsindikatoren wie z.B. Treibhauspotential (‚carbon footprint‘), Primärenergiebedarf, Versauerungspotential oder ‚Water Footprint‘, etc. Es gibt eine Vielzahl an Indikatoren, die man auswertet und in der Ökobilanz darstellt.“

„From Cradle to Gate“

Und natürlich wird die gesamte Lieferkette erfasst, so Schuster. „Zum Beispiel bringen die Rohstoffe, wie z.B. Feinerze, die auf der Sinteranlage eingesetzt werden, inklusive Abbau, Transport und Aufbereitung schon einen Rucksack an umweltrelevanten Auswirkungen mit. Im Rahmen des Life Cycle Assessments betrachten wir den Lebenszyklus eines Produkts ‚from cradle to gate‘, also von der Extraktion der Rohstoffe bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Produkt das Werk verlässt.“

Die positiven Eigenschaften des Werkstoffs Stahl werden aber bei einer Betrachtung des gesamten Lebenszyklus ‚from cradle to grave‘, also bis zum Lebensende, besonders deutlich. Denn Stahl wird zwar gebraucht – niemals aber verbraucht, sondern kann immer wieder recycelt und zu neuen Stahlprodukten verarbeitet werden. Diese Vorteile werden deshalb in einer EPD der voestalpine ausgewiesen und dargestellt: „Damit werden die Vorzüge von Stahl im Vergleich zu anderen Werkstoffen hinsichtlich der Umweltauswirkungen sichtbar.“

Ökobilanzen für Produkte: Mit besseren Argumenten in den Markt

Zur Erstellung einer Ökobilanz muss eine umfangreiche Sachbilanz („Life Cycle Inventory“) aller relevanten Input- und Output-Ströme der betrachteten Prozesse erstellt werden. Die Umweltauswirkungen werden anhand verschiedener Wirkungsindikatoren dargestellt.

Viktoria Steininger