LCA in der voestalpine: Wichtige Erkenntnisse durch ganzheitliche Betrachtung 3 Minuten Lesezeit
Innovation

LCA in der voestalpine: Wichtige Erkenntnisse durch ganzheitliche Betrachtung

Viktoria Steininger
Redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog, recherchiert und schreibt Viktoria Steininger auch selbst und gibt mit Geschichten Einblicke in den voestalpine-Konzern.

Der Ansatz zur ganzheitlichen, ökologischen Produktbewertung bei voestalpine eignet sich freilich nicht nur zur Erhebung der umweltrelevanten Faktoren entlang der Herstellungs- und Nutzungsphase von Flachprodukten aus Stahl und selbstverständlich nicht nur für Ökobilanzen am Standort Linz. Die Umweltauswirkungen von Produktion und Produkten mit diesem Instrument ganzheitlich zu erfassen ist natürlich auch in anderen Divisionen ein Thema. Das kann durchaus unerwartete Ergebnisse bringen.

leova® Weinbergpfahl

Das zeigt etwa das Beispiel des leova® Stahlpfahls der voestalpine Krems GmbH: Seit über 50 Jahren ist das Traditionsprodukt in Weingärten im Einsatz, vielfach über einen sehr langen Zeitraum. Ein Lebenszyklus bei Konkurrenzprodukten aus Holz oder Beton kann natürlich durchaus kürzer ausfallen, aber nicht nur deshalb hat sich eine vergleichende LCA gelohnt, so Stefan Schuster,  Strategisches Umweltmanagement der voestalpine AG: „Der Treiber war, dass es vom österreichischen Weinbauverband ein Zertifizierungssystem für nachhaltigen Weinbau gibt und aus ökologischer Sicht wurde das Unterstützungsmaterial im Weingarten dabei als Hotspot identifiziert.“

"Wir haben das zum Anlass genommen, eine LCA-Screening-Studie für verschiedene Werkstoffe für Spalierpfahlsysteme zu machen. Dabei haben wir festgestellt, dass sich das Bild verändert, wenn man auch das Lebensende mitbetrachtet."
Stefan Schuster

Denn vergleicht man das Lebensende verschiedener Werkstoffe, wird beispielsweise Altholz großteils der Verbrennung zugeführt und Beton vielfach down-gecycelt, d.h. dass die Qualität nach dem Recycling vermindert ist. Hingegen kann der Großteil des Stahls recycelt werden, wenn denn Stahlprodukte wie z.B. auch die Weinbergpfähle irgendwann ihr Lebensende erreichen sollten: „Dass Stahl hier klare Vorteile hat, war eine wichtige Erkenntnis dieser Studie, aber deshalb betonen wir auch immer wieder, dass die Bewertung der Umweltauswirkungen von Produkten stets eine ganzheitliche Betrachtung erfordert.“

Vergleich Lebensende (EOL; End of Life) für verschiedene WerkstoffeVergleich Lebensende (EOL; End of Life) für verschiedene WerkstoffeVergleich Lebensende (EOL; End of Life) für verschiedene Werkstoffe

Vergleich Lebensende (EOL; End of Life) für verschiedene Werkstoffe.

"leova® ist beständig wie Beton, aber dabei flexibel wie Holz. Betrachtet man seinen gesamten Lebenszyklus, hat leova im Vergleich zu Alternativen das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis."
Josef Lamplmayr, Geschäftsführer der voestalpine Krems GmbH

voestalpine Water Footprint

Doch die ganzheitliche Betrachtung der Umweltauswirkungen lohnt sich nicht nur, um die ökologische Performance von Produkten zu bewerten und zu vergleichen. So brachte eine „Water Footprint“-Studie (basierend auf einem ganzheitlichen LCA-Ansatz) der voestalpine Stahl GmbH am Standort Linz Einsichten, die dazu beigetragen haben, die Bewertung auch auf die weiteren Divisionen mit den großen Produktionsstandorten auszurollen:

"Wir haben die sogenannte ‚Blue Water Consumption‘, also den Nettowasserverbrauch, ermittelt und den ‚Water Scarcity Footprint‘ erhoben, der etwas über den regionalen Aspekt aussagt und darüber, ob die Wassernutzung hydrologisch, dort wo die Produktion sitzt, überhaupt eine signifikante Auswirkung hat."
Stefan Schuster

So hat sich ergeben, dass die „Blue Water Consumption“ am Produktionsstandort Linz tatsächlich nur bei 1,69 m³ pro Tonne Stahl liegt: „Und selbst wenn man Upstream – also inklusive der Energie- und Rohstoffgewinnung sowie -Anlieferung – berücksichtigt, liegt Linz nur bei rd. 4 m³ pro Tonne. Der überwiegende Teil des Wassers, den wir aus der Donau entnehmen, wird ja nach der Verwendung entsprechend aufbereitet und wieder zurückgeleitet. Hinsichtlich Wasserverfügbarkeit ist die Auswirkung der Produktion am Standort Linz sogar sehr klein. Wir nehmen dies auch zum Anlass, einen ‚Wasserfußabdruck‘ für den gesamten Konzern zu erstellen, der auch durch unabhängige Dritte geprüft und verifiziert wird.“

 

 

Viktoria Steininger