Industrie 4.0: Zukunft trifft auf Produktion 3 Minuten Lesezeit
Technologie

Industrie 4.0: Zukunft trifft auf Produktion

Nicole Gebeshuber

Walter Schickmaier, Bereichsleiter Informationsmanagement & Managementsysteme, spricht bei der Veranstaltungsreihe Digital Business Trends Ende April in Linz über das Thema Industrie 4.0 und wie sich Produktionsabläufe künftig verändern.

DBT: Industrie 4.0 - Was die Revolution in der Produktion verändert

v.l.n.r. Josef Kinast (Siemens AG/IV), Olaf Hahn (IBM Österreich), Wilfried Sihn (Fraunhofer Austria Research GmbH/TU Wien) und Walter Schickmaier (voestalpine Stahl GmbH). Copyright: APA-Fotoservice/Grünwald

Die Industrie befindet sich in einem rasanten Wandel: schneller, flexibler und innovativer – das sind die Ansprüche, die es zu bewerkstelligen gilt. „Industrie 4.0“ und die damit verbundenen optimierten Produktionsprozesse liefern die Antwort dafür. Die Grundidee dabei ist, dass Menschen, Maschinen und Ressourcen in der intelligenten Produktion der Zukunft miteinander kommunizieren und so gesamte Produktionsabläufe optimieren.

"Diese Vernetzung kommt im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk zum Einsatz und beinhaltet sowohl einzelne Sensoren als auch gesamte Prozessketten."
Zitat Walter Schickmaier, Bereichsleiter Informationsmanagement & Managementsysteme, voestalpine Stahl GmbH

Industrie 4.0 in der voestalpine

voestalpine Indstrie 4.0 SteuerstandAktuell werden im voestalpine-Konzern bereits täglich tausende Prozess- sowie Qualitätsparameter mit ebenso vielen Materialeinheiten vernetzt. Durch den Einsatz von Statistiken, Modellrechnungen und Regelkreise können Abweichungen identifiziert und entsprechend korrigiert werden. Diese Vernetzung und teilweise Selbststeuerung kommt im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk zum Einsatz und beinhaltet sowohl einzelne Sensoren als auch gesamte Prozessketten. Vollautomatisierte Produktionsabläufe sind somit im Bereich der Stahlerzeugung nicht mehr wegzudenken. Sie sind notwendig, um Prozessperformance zu gewährleisten und diese gezielt weiter steigern zu können.

Innovative Produkte benötigen innovative Produktionsketten

Durch neue Technologien ergeben sich Lösungsansätze, die in der Vergangenheit undenkbar waren. Um dieses Potential ausschöpfen zu können, wurde in der Steel Division eine Plattform „Industrie 4.0“ gegründet. Im Fokus dieser Arbeitsgemeinschaft steht eine disziplinübergreifende Zusammenarbeit von Logistik, Vertrieb, Anlagentechnik, Produktion, Forschung, IT-Management und Qualitätslenkung. Ähnliche Initiativen gibt es auch in den anderen Divisionen, welche künftig in einer Konzernplattform vernetzt werden. Wichtige Aspekte, die für „Industrie 4.0“, sprechen sind:

  • Weitere Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und Vernetzung
  • Verkürzung der Kommunikationswege sowie der Problemlösungsprozesse
  • Neue Möglichkeiten im kontinuierlichen Verbesserungsprozess der Wertschöpfungsprozesse
  • Beschleunigung des Daten-, Informations- und Wissenstransfers
voestalpine smart production - Wertschöpfungssteigerung durch gesamtheitliche Betrachtung der Prozesse

voestalpine smart production – Wertschöpfungssteigerung durch gesamtheitliche Betrachtung der Prozesse

Die wichtigste Kernfrage für den Einsatz der intelligenten Vernetzung in der Produktion ist: „Sind die richtigen Informationen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in einer passenden Qualität und in einer verständlichen Sprache vorhanden?“
Diese Szenarien werden unternehmensintern in so genannten „Modellfabriken“ getestet, bevor sie in den Echtbetrieb übertragen werden. Experimentelle Simulatoren, die industrielle Prozesse im Kleinstformat abbilden, werden bereits erfolgreich in der Prozess- und Werkstoffentwicklung eingesetzt. Die Ergebnisse werden dann auf die industriellen Produktionsprozesse hochgerechnet und in den laufenden Betrieb implementiert.

Mitarbeiter 4.0

Mit „Industrie 4.0“ wird fälschlicherweise oft das Bild der menschenleeren Fabrik in Verbindung gebracht. In der Produktionshalle der Zukunft steht jedoch auch weiterhin der Mensch im Zentrum der Produktion: er wird vom Bediener zum Steuernden und Regulierenden, mit selbstverantwortlicher Autonomie bei dezentralen Führungs- und Steuerungsformen. Damit kommt dem Mitarbeiter nicht mehr bloß die Rolle eines Bedieners von Maschinen zu, stattdessen wird er immer mehr die Prozesse steuern und regeln. Dies stellt natürlich für Unternehmen eine zusätzliche Herausforderung dar. Im voestalpine-Konzern setzt man daher auf eine permanente und gezielte Weiterbildung der Mitarbeiter und eröffnet völlig neue Berufsbilder, wie zum Beispiel Datenwissenschaftler, die Produktionsprozesse verstehen und analysieren müssen.

"Es sind die Menschen, die innovieren."
ZitatWalter Schickmaier, Bereichsleiter Informationsmanagement & Managementsysteme, voestalpine Stahl GmbH

Das über Jahrzehnte gewachsene Know-how der Mitarbeiter kombiniert mit neuen Technologien ergibt für die voestalpine ein enormes Potential für die Herausforderungen der Zukunft.

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