Frischer Wind bei voestalpine: Der kleine Hochofen läuft wieder 3 Minuten Lesezeit
Innovation

Frischer Wind bei voestalpine: Der kleine Hochofen läuft wieder

Volkmar Held
Als freier Autor berichtet Volkmar Held für voestalpine über Themen, die bewegen. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Storys reichen von der Archäometallurgie bis zu Zukunftstechnologien.

Der „kleine“ Hochofen 5 der voestalpine Stahl GmbH wird heute wieder angeblasen: Was den Beginn einer weiteren Arbeitsperiode kennzeichnet, ist gleichzeitig für Hochofenmannschaft und Verkaufsteam das Finale einer intensiven Vorbereitungszeit.

Der Countdown läuft. Am Hochofen 5 der voestalpine Stahl GmbH führen Druckschläuche für Erdgas und Sauerstoff zur gewaltigen Brennlanze, an allen Ecken verweisen Werkzeuge auf beendete Arbeiten und die Anzeigetafel zählt die Zeit bis zum Anblasen zurück. Es geht wieder los!

Hochofen Linz Innenansicht

Der Countdown läuft!

Rückkehr zum Normalbetrieb

Auch am Linzer Standort der voestalpine Stahl GmbH ist ein kalter Hochofen ein ungewohnter Zustand. Doch im März musste der „5er“ aufgrund der Corona-Pandemie heruntergefahren, also „abgestellt“, werden, denn Stahlprodukte waren wenig gefragt. Umso mehr freut sich die Belegschaft, dass nun nach fast einem halben Jahr des Stillstands der Betrieb wiederaufgenommen werden kann. – Es wirkt wie eine symbolische Handlung, wenn die Betriebsmannschaft die Brennlanze, die den Hochofen mit anfeuern wird, mit einer Fackel entzündet.

Brennlanze Hochofen Linz

Stimmt die Mischung? Das Entzünden der Brennlanze wird es bestätigen.

Lange Startperiode

Anfang Oktober wird auch dieser Hochofen der voestalpine Stahl GmbH wieder im Normalbetrieb arbeiten. Bis dahin erstrecken sich die technologisch bedingten Anlaufwochen.

"Ein Hochofen muss kontinuierlich auf seine Betriebstemperatur gebracht werden, damit er gleichmäßig erwärmt – einschließlich aller im unteren Ofenbereich verfestigten Koks- und Roheisenreste, der ‚Tote Mann‘ und die ‚Ofensau‘."
Hochofen-Chef Stephan Lackner

Per Kernbohrung und Drohnenflug hatte sich das Hochofen-Team einen Überblick über den aktuellen Zustand im Schacht und im unteren Ofenteil verschafft – 100-prozentiges Wissen über die tatsächliche Lage und die Größe der Reste im Inneren des Aggregats könne man aber nie gewinnen, betont der Hochofenchef. Außerdem könnten beispielsweise Lecks in der Hochofenkühlung zu einer ungewünschten Abkühlung und damit zu Komplikationen führen.

Stephan Lackner Chef Hochofen Linz

Auch bei viel Erfahrung – es gibt keine 100 %-ige Garantie: Hochofenchef Stephan Lackner

Klarer Handlungsplan

In der Zeit des Stillstands war es nicht ruhig am und im Linzer Hochofen 5. Nach dem Herunterfahren wurden gut 100 m³ Koks ausgeräumt, dann der Schacht mit Feuerfestbeton ausgebessert und weitere Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Der Plan für die Vorgehensweise des Wiederanblasens lag selbstverständlich parat. Er wurde anhand der Inspektionsergebnisse und mit der Erfahrung der Hochofenmannschaft angepasst. Dabei dreht es sich vor allem um die Wärme im Aggregat:

  • Einbringen des „Anfahrmöllers“ mit Koks und stückiger Schlacke
  • ein Erdgas-Sauerstoff-Brenner, der „Stichflieger“, brennt einen Kanal durch die verfestigten Reste im Ofen, von der Abstichöffnung bis zum Möller
  • die Winderhitzer blasen 1.200 °C heiße Luft, den „Wind“, ein (daher „Anblasen!“)
  • fortwährender Abstich der ausrinnenden Schlacke, die ihre Wärme vor allem an den unteren Ofenteil abgibt
  • Erreichen der Betriebstemperatur
  • Schichtweises Beschicken mit angepasstem Möller bis hin zur normalen „Betriebsmischung“

Außergewöhnliche Leistung des voestalpine-Vertriebs

Dass der Hochofen 5 so überraschend schnell wieder angeblasen werden kann, ist auch der guten Arbeit der Vertriebsmitarbeiter der Steel Division der voestalpine zu verdanken. Sie haben es geschafft so viele Aufträge zu akquirieren, dass ein frühzeitiges Hochfahren des Hochofens ermöglicht wurde.

Außerdem wird mit der Inbetriebnahme auch so etwas wie Nachbarschaftshilfe geleistet. Die beiden Schwesteraggregate, die Hochöfen 6 und A, laufen derzeit auf vollen Touren und müssen entlastet werden.

Start in die neue Zukunft

Darum ist bei der voestalpine Stahl GmbH in diesen Wochen die volle Konzentration auf das Anblasen von Hochofen 5 gerichtet: Ein Erdgas-Sauerstoff-Brenner fuhr gestern ein und heute feuert der Heißwind aus den charakteristischen Nachbartürmen des Hochofens, den Winderhitzern, den Hochofen an. Das sei der Zeitpunkt, ab dem es dann kein Zurück mehr gebe, unterstreicht Stephan Lackner die Bedeutung dieses Ereignisses. Er und das gesamte fast 300-köpfige Hochofenteam wünschen sich und allen voestalpine-Kolleginnen und ‑Kollegen ein komplikationsarmes und unfallfreies Anblasen und einen erfolgreichen Start in die neue Zukunft.

Hochofen Linz Team