European Round Table: Europäische Konzernchefs sind besorgt 3 Minuten Lesezeit
Innovation

European Round Table: Europäische Konzernchefs sind besorgt

Julia Hermetter

Der European Round Table of Industrialists (ERT) ist ein Zusammenschluss von 57 CEOs der größten europäischen Industrie- und Technologieunternehmen. Die Unternehmen der ERT-Mitglieder erwirtschaften zusammen mehr als 2,25 Billionen Euro, sichern rund 6,8 Millionen Arbeitsplätze und investieren mehr als 50 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung in Europa. Seit 2016 ist Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, als einziger österreichischer Top-Manager Mitglied des europaweiten Executive-Netzwerks.

Führende europäische Konzerne bewerten die globalen wirtschaftlichen Aussichten positiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage, die der European Round Table of Industrialists (ERT) in Auftrag gegeben hat. Bei der ersten ERT-Umfrage zur wirtschaftlichen Zuversicht von Vorständen, durchgeführt vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), zeigten sich fast 80 % der ERT-Mitglieder zuversichtlich über die Aussichten für die europäische und globale Wirtschaft.

Der aktuelle Diskurs zwischen ERT-Mitgliedern zeigt jedoch, dass der Brexit und die mit der Entscheidung des Vereinigten Königreichs verbundenen beispiellosen Herausforderungen mit Sorge gesehen werden – besonders in Bezug auf zukünftige Investitionen. Mitglieder des ERT verlangen mehr Klarheit über die kurzfristigen Zukunftsperspektiven und möglichst große Kontinuität bei Vorschriften und politischen Entscheidungen in einer Übergangsperiode.

Gerade wegen der Größe der britischen Wirtschaft und des Potenzials Großbritanniens in den Bereichen Sicherheit, Nachrichtendienste und Diplomatie sind langfristige Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU besonders wichtig.

"Der wirtschaftliche Aufwärtstrend, insbesondere in Europa, ist nach den herausfordernden Jahren infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise höchst erfreulich und stimmt uns für die nahe Zukunft zuversichtlich. Auch wenn wir sehr gut aufgestellt sind, macht die Umfrage unter den führenden CEOs einmal mehr klar, dass europäische Unternehmen langfristige politische und wirtschaftliche Planungssicherheit – etwa im Hinblick auf eine vernünftige, global vertretbare EU-Energie- und Klimapolitik – benötigen, um das positive Umfeld für Investitionen nutzen zu können."
Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzenden der voestalpine AG

Neben Fortschritten bei den Diskussionen über die langfristigen Beziehungen Großbritanniens zur EU ist eine effektive Übergangsperiode notwendig, um für die nächsten zwei bis drei Jahre Klarheit zu schaffen. Da die Planungen der Unternehmen für das Jahr 2019 schon bald beginnen werden, brauchen Firmen sowohl in der EU als auch in Großbritannien innerhalb der nächsten drei Monate einen verlässlichen Planungsrahmen, damit Investitionsentscheidungen nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

ERT-Mitglieder, zu denen Vorstände und Vorstandsvorsitzende von 57 der größten europäischen Unternehmen gehören, halten diesen Ansatz für die beste Lösung im Interesse beider Seiten. Dies sei der einzige Weg, um Störungen zu minimieren und den Firmen die Möglichkeit zu geben, ihre Geschäftsstrategie anzupassen.

Verkäufe und Investitionen außerhalb Europas stärker – Cybersicherheit als Gefahr für die Digitalisierung

Die Unternehmen rechnen mit einem moderaten Umsatzanstieg in Europa und einer etwas stärkeren Entwicklung außerhalb Europas – was die Beteiligung europäischer multinationaler Unternehmen an der aktuellen globalen Wirtschaftserholung und der Beschleunigung des Welthandels widerspiegelt. Die Umfrage unterstreicht die Bedeutung des Handels und des uneingeschränkten Zugangs zum Weltmarkt. Die Umfrage gibt auch ein positives Signal für langfristige Wachstumserwartungen: Fast 50 % der ERT-Mitglieder planen, ihre Investitionen in Europa zu erhöhen. Ein noch größerer Anteil beabsichtigt, seine Investitionen außerhalb Europas zu erhöhen.

Die Umfrage hebt außerdem Bedrohungen der Cybersicherheit für die Digitalisierung und die hierfür geplanten Investitionen von Unternehmen hervor. Rund 80 % der ERT-Mitglieder geben an, dass Bedrohungen der Cybersicherheit ein Hindernis für die weiteren Digitalisierungsmaßnahmen darstellen und daher ein wichtiges Thema im Rahmen ihrer Investitionspläne sind. Alle Unternehmen der ERT-Mitglieder planen, in den nächsten zwölf Monaten in Verbesserungen ihrer Cybersicherheit zu investieren. Die größten Defizite werden in den Bereichen öffentliche Investitionen in technische Infrastruktur, Harmonisierung der Cybersicherheitsstrategien zwischen den EU-Mitgliedstaaten und der internationalen Zusammenarbeit zwischen der EU und anderen Ländern gesehen.

Pressemeldung ERT