Es ist ein langer Weg nach Lissabon 3 Minuten Lesezeit
Innovation

Es ist ein langer Weg nach Lissabon

Stephanie Bauer
Als voestalpine Digital Native der ersten Stunde ist Stephanie Bauer für die Corporate Online & Social Media Strategie verantwortlich, als Chef vom Dienst für das Themenmanagement im Newsroom.

Die Zwischenbilanz nach zehn Jahren zeigt Licht und Schatten: Österreich hat seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben fast verdoppelt, das Lissabon-Ziel aber dennoch klar verfehlt.

Der Weg in die portugiesische Hauptstadt ist noch weit. Seit 2000 hat Österreich versucht, das “Lissabon-Ziel” zu erreichen, seine Forschungsausgaben binnen zehn Jahren auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern. Dieses Ziel wurde relativ klar verfehlt. Wie aus einer soeben von Statistik Austria vorgelegten Schätzung hervorgeht, werden in Österreich heuer voraussichtlich 7,805 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung (F&E) aufgewendet. Das entspricht einer Forschungsquote von 2,76 Prozent.

Dennoch konnten die Forschungsaufwendungen in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesteigert werden: Seit dem Jahr 2000 (4,028 Mrd. Euro) haben sich die F&E-Ausgaben nahezu verdoppelt, der Anteil am BIP stieg in diesem Zeitraum von 1,94 Prozent auf 2,76 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr (7,546 Mrd. Euro) sind die Aufwendungen um 3,4 Prozent gestiegen, die Forschungsquote allerdings nur marginal um 0,03 Prozentpunkte.

Diese Bilanz kann sich soweit sehen lassen; unabhängig vom Erreichen oder Verfehlen einer ziemlich willkürlich gewählten 3-Prozent-Quote, die für sich genommen noch kein Qualitätskriterium darstellt, zeigt die Entwicklung der Aufwendungen doch eines sehr deutlich: Der Stellenwert von F&E hat sich in der vergangenen Dekade überdurchschnittlich erhöht, nicht zuletzt in budgetärer Hinsicht.
Größter Teil entfällt auf die Wirtschaft

Ausgaben für Forschung und EntwicklungWirtschaft und öffentliche Hand teilen sich die Forschungsausgaben im Wesentlichen, statistisch gesehen entfällt der größte Teil aber dennoch auf die Unternehmen: Von den gesamten Forschungsausgaben leisten sie 43,3 Prozent (3,38 Mrd. Euro), 41,2 Prozent (3,22 Mrd. Euro) werden von der öffentlichen Hand beigesteurt, wobei der Bund 2,74 Mrd. Euro bereitstellt, die Bundesländer rund 389 Mio. Euro, der Rest stammt von sonstigen öffentlichen Einrichtungen wie etwa Gemeinden.

15 Prozent (1,17 Mrd. Euro) werden vom Ausland finanziert. Dieses Geld stammt überwiegend von mit heimischen Firmen verbundenen europäischen Unternehmen, die Österreich zum Forschungsstandort gewählt haben, und von Rückflüssen aus EU-Forschungsprogrammen.

Bei den F&E-Aufwendungen des Auslands, die 2009 um 5,4 Prozent zurückgegangen sind, rechnen die Statistiker mit einem neuerlichen Rückgang um 0,6 Prozent. Die 1,17 Mrd. Euro aus dem Ausland liegen um 4,5 Prozent unter dem Wert von 2007. Dagegen steigt die Forschungsfinanzierung durch den Bund weiterhin an und liegt heuer mit 2,74 Mrd. Euro um 10,9 Prozent über dem Wert des Vorjahres.

Die F&E-Ausgaben der heimischen Unternehmen, die seit 2009 krisenbedingt insgesamt rückläufig waren, stagnieren heuer laut Statistik Austria bei 3,38 Mrd. Euro – einem Wert, der in etwa dem Niveau von 2007 entspricht. Auch bei der voestalpine, dem Unternehmen mit den höchsten F&E-Aufwendungen Österreichs, wird das F&E-Budget  heuer stagnieren – allerdings auf dem Niveau von 2009, dem höchten der Unternehmensgeschichte.

voestalpine bleibt auf hohem Niveau

Prüflabor bei Böhler Edelstahl, Kapfenberg“Wir haben voriges Jahr unsere F&E-Aufwendungen nicht nur beibehalten, sondern sie trotz Konjunkturkrise sogar bewusst gesteigert”, erklärt Forschungschef Peter Schwab. Die voestalpine erhöhte ihre F&E-Mittel 2009 um gut 20 Prozent von 93 Mio. Euro auf 112 Mio. Euro und hat für das im April begonnene neue Geschäftsjahr 2010/11 ein F&E-Budget von nunmehr 111 Mio. EUR veranschlagt.

Diese Entwicklung hat mit den Folgen der Wirtschaftskrise allerdings nur bedingt zu tun. “Wir haben in den letzten zehn Jahren unseren F&E-Aufwand mehr als verdreifacht. Die Konsolidierung des Budgets wäre deshalb ohnedies auf der Agenda gestanden, denn unsere F&E-Ausgaben hätten ja nicht ins Unendliche steigen können. Nun fällt dies eben mit den Ausläufern der Krise zusammen – aber das historische hohe Niveau der F&E-Aufwendungen beibehalten zu können, ist ja auch ganz gut”, sagt Schwab. Und vor allem: Die voestalpine bleibt damit wohl auch bei den kommenden Statistiken unangefochten der österreichische “Innovations-Champion”. (Foto: Prüflabor bei Böhler Edelstahl, Kapfenberg)

(APA/Red.)