“Er war ein Forscher mit Leib und Seele” 3 Minuten Lesezeit
Innovation

“Er war ein Forscher mit Leib und Seele”

Stephanie Bauer
Als voestalpine Digital Native der ersten Stunde ist Stephanie Bauer für die Corporate Online & Social Media Strategie verantwortlich, als Chef vom Dienst für das Themenmanagement im Newsroom.

Wilfried Krieger (1944 - 2009): Er war ein unermüdlicher Metallurge und Fachpublizist, geistiger Vater industrieller Kompetenzzentren, Treiber von Kooperation von Industrieunternehmen und Universitäten. Und er legte als langjähriger Forschungs- und Entwicklungschef des voestalpine-Konzerns den Grundstein für die erfolgreiche Innovationsstrategie des Unternehmens als Hightech- und Qualitätsanbieter.

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Wilfried Krieger

“Er war ein Forscher mit Leib und Seele” erinnert sich Forschungschef Peter Schwab an seinen Vorgänger. “Er war praktisch jedes Wochenende und auch im Urlaub in der Firma und hat gearbeitet. Dass er gerade auf Urlaub ist, haben wir eigentlich nur daran erkannt, dass er Jeans und keine Krawatte trug.”

Vieles, das heute sowohl innerhalb der voestalpine als auch in der österreichischen Forschungslandschaft selbstverständlich ist, geht auf Wilfried Krieger zurück. Und wenn diese Website von Innovationen, F&E-Kooperationen und dem Beschreiten neuer Wege handelt, ist das Gedenken an Wilfried Krieger auch Anlass daran zu erinnern, dass hinter all diesen Entwicklungen Menschen stehen, die sie erdenken, entwickeln, vorantreiben und konsequent leben.

Beispiel Kooperationen: “Die Zusammenarbeit mit Universitäten, von industrieller Entwicklung und universitärer Forschung, war ihm extrem wichtig, er hat dazu mit Sicherheit den Grundstein gelegt und war ihr Treiber”, erinnert sich Schwab,  “- auch im Mindset, denn eine solche Entwicklung dauert ja viele Jahre.”

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Wilfried KriegerKrieger war nicht nur Metallurge von internationalem Ruf, sondern auch unermüdlicher Publizist. Eine aus vier dicken Bänden bestehende Sammlung wurde ihm bei der Verabschiedung vom nunmehrigen Forschungs- und Entwicklungsleiter Peter Schwab überreicht (siehe Foto links). Eine Anekdote erzählt, dass Krieger sogar während eines Schiurlaubes mit seiner Familie die ganze Zeit über im Kaffeehaus gesessen sei und an einer Publikation gearbeitet habe.

Neben der Wissensvermittlung vor allem an Studenten etwa an “seiner” Montanuniversität Leoben war Krieger auch anerkannter Vordenker in der Forschungspolitik. Er gilt als “geistiger Vater” des letztlich gemeinsam mit dem damaligen “Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten” realisierten Konzeptes für industrielle Kompetenzzentren in Österreich, dessen Grundzüge damals bei einem Arbeitstermin in einem Wiener Kaffeehaus buchstäblich auf einem Bierdeckel skizziert wurden.

Darüber hinaus war Krieger Mitbegründer und später Direktor und Vizepräsident der Christian-Doppler-Gesellschaft und neben zahlreichen anderen Funktionen etwa als Vertreter im Committee on Technology beim Weltstahlverband IISI (nunmehr Worldsteel Association) und in der Eurofer Policy Group auch stellvertetender Vorsitzender der Austrian Society for Metallurgy and Materials (ASMET).

“Er war oft seiner Zeit wirklich einen Schritt voraus”, sagt Schwab, “denn auch die mittlerweile umgesetzte Bündelung von Kompetenzen an Universitäten wurden zuerst von ihm angedacht.” Daher genoss Krieger auch als Berater für Forschungsfragen hohes Ansehen.

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Wilfried KriegerDie erste persönliche Erinnerung Peter Schwabs an seinen Vorgänger geht noch in seine Studienzeit zurück. “Ich habe eine Vorlesung von ihm an der Johannes-Kepler-Universität in Linz gehört. Er hat uns gleich zu einer Exkursion in die voestalpine eingeladen und er hat immer auch gleich die exzellenten und aktuellen Skripten verteilt – beides war damals noch nicht üblich.” Viele dieser Skripten und Folien hat Krieger naturgemäß selbst erstellt und jährlich aktualisiert.

Nicht zuletzt das bleibende Verdienst um die voestalpine: Während der “Verstaatlichtenkrise” in den 1980er-Jahren war es Krieger, der die langfristige Ausrichtung des Unternehmens auf Innovationen sowie höchsten Qualitäts- und Technologieanspruch in seiner Eigenschaft als Forscher entscheidend mitprägte und unermüdlich Förderquellen für den Forschungs- und Entwicklungsbereich eröffnete.

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Wilfried Krieger ist am 16. Oktober 2009 nach längerer, schwerer Krankheit im 66. Lebensjahr verstorben.