Edelstahlwerk Kapfenberg: Spatenstich zum Umweltschutz 3 Minuten Lesezeit
Innovation

Edelstahlwerk Kapfenberg: Spatenstich zum Umweltschutz

Volkmar Held

Der Bau des neuen High-Tech-Werkes der voestalpine BÖHLER Edelstahl GmbH & Co KG setzt auch neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz.

Der am 24. April 2018 erfolgte Spatenstich zum weltweit modernsten Edelstahlwerk, ist nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung technologischer Spitzenleistungen und volldigitalisierter Prozesse, sondern es wird damit auch ein neuer Benchmark im Bereich Umweltschutz geschaffen. Drei Beispiele zeigen, wie im neuen Werk die Produktionsbegleiter Staub, Wärme und Lärm minimiert werden können.

Kapfenberg

Innenansicht des zukünftigen Werkes

Entstaubung

Eine effektive Entstaubung sämtlicher Schmelzaggregate und der Werkshalle gehört zum Einmaleins von Umweltschutz und Mitarbeiterfürsorge. Mit einem Entstaubungsvolumen von 3,8 Mio. Nm³ (Normkubikmeter) je Stunde wird im neuen Edelstahlwerk Höchstleistung geboten. Um dabei Gebläselärm und Elektroenergieaufwand zu senken, wird diese Anlage prozessgerecht geregelt: Ihre Leistung wird der jeweiligen Produktionssituation (z. B. Spitzen bei Chargierung und Abstich) angepasst. Mit der deutlichen Unterschreitung gesetzlicher Emissionsgrenzwerte setzt die Entstaubungsanlage einen neuen Benchmark.

Lärmschutz

Zur Lärmvermeidung setzt man am effizientesten am Ort des Entstehens an. Lichtbogenöfen (EAF = „Electric Arc Furnace“) rangieren in bestimmten Prozessphasen mit Lärmpegeln im Schmerzschwellenbereich. Zur Pegelsenkung wird daher der EAF im neuen Edelstahlwerk mit einer Einhausung, einem sogenannten „Doghouse“, versehen. Sie schützt, unterstützt von absorbierenden Paneelen, vor der Übertragung von Lärm in die Produktionshalle bzw. in die Umwelt. Eine ähnliche Ummantelung minimiert auch die Laufgeräusche der Gebläse für die Entstaubung. Zusätzlich werden die hier eingesetzten Rohre am Dach der Halle isoliert.

Abwärme

Ein modernes Abwärme- und Wärmerückgewinnungskonzept trägt im neuen Edelstahlwerk wesentlich zur hohen Energieeffizienz bei. Die in den Schmelzaggregaten erzeugte Wärme wird in einem Heißwasserspeicher zwischengelagert und von dort aus in das interne voestalpine-Fernwärmenetz gespeist – mit einem hohen Umwelteffekt:

"Die aus den Aggregaten nutzbargemachte Wärme koppeln wir größtenteils in das Netz der Stadt Kapfenberg aus oder nutzen es werksintern, beispielsweise zur Bereitstellung von Kälte. So können wir die Erzeugung einer Fernwärmemenge von bis zu 22 GWh pro Jahr einsparen."
Projektleiter Harald Buchgeher (Director International Projects, voestalpine High Performance Metals GmbH)

Kühlung

Auch im neuen Edelstahlwerk müssen z. B. Rechneranlagen und Leitstände gekühlt werden. Durch den Einsatz der Absorptionstechnologie wird dafür aus dem werksinternen Wärmeangebot Kälte gewonnen – und damit auf elektrisch betriebene Kompressionsmaschinen verzichtet.

Die Kühlung der Produktionsanlagen im neuen ESW wird über einen geschlossenen Kreislauf erfolgen, eine so genannte Rückkühlanlage. Im Vergleich zum bestehenden Elektrostahlwerk wird damit die Kühlwasserentnahme und –rückgabe in den Thörlbach um mehr als 90 % gesenkt!

"Das neue Edelstahlwerk wird weltweit neue Benchmarks zum Thema Umwelt- und Energieeffizienz setzen. Das erreichen wir zum Beispiel durch die Installierung einer neuen hocheffizienten Entstaubungsanlage und durch geschlossene Kühlkreisläufe. Dadurch leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Emissionssituation und auch der Ressourceneffizienz."
Michael Ebner, Coordinator Energy, Safety and Environment, High Performance Metals Division