Die Wunderküche 4 Minuten Lesezeit
Innovation

Die Wunderküche

Michael Csoklich
Journalist, Kommentator, Moderator, Lektor, Querdenker, Luftfahrtspezialist. Bis Ende 2014 Leiter der ORF-Radio Wirtschaftsredaktion, 2015 bis 2018 Leiter des Lehrgangs für Wirtschaftsjournalismus an der Donau Uni Krems, freier Journalist für Aviation Net Online und die Kleine Zeitung.

Permanente Innovation ist für einen Technologiekonzern eine Überlebensfrage. Damit der voestalpine-Konzern diesen einen Schritt voraus bleibt und auch in Zukunft mit innovativen Produktlösungen und Prozessen überzeugen kann, muss kontinuierlich in die Forschung & Entwicklung investiert werden.

Offene Ohren, wache Augen und ein heller Geist sind essentielle Grundlagen für erfolgreiche Forschung. Forschung ist ein unbegrenztes Feld, die Ideen kommen aus vielen Richtungen: Von den Kunden, den Mitarbeitern, der Konkurrenz oder sind abgeleitet aus aktuellen Trends. Forschung sollte jeden berühren. Es wird gezielt geforscht, oft aber auch zufällig gefunden. Technologische Führung funktioniert nur mit ambitionierter Forschung als Basis, ohne Forschung läuft da nichts.

"Das Schlüsselwort für den globalen Erfolg der voestalpine heißt Innovation. Es wird konsequent in diesen Schlüsselbereich investiert, denn allen hier ist klar: nur mit Spezialisierung in Verbindung mit Technologie- und Qualitätsführerschaft sichern wir unsere Zukunft als internationaler Player in anspruchsvollsten Produktsegmenten ab. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern werden wir Innovationen weiter vorantreiben. Denn wir wollen unsere Kunden nicht nur von unseren Produkten überzeugen, sondern sie sogar überraschen."
Herbert Eibensteiner, CEO voestalpine AG

Wer sich, wie die voestalpine, in seiner Wertschöpfungskette kontinuierlich weiter entwickeln will, ist auf permanente Innovation angewiesen. Das gilt für die Werkstoffkompetenz genauso wie für alle darauf aufbauenden Prozesse und Verarbeitungstechnologien. Ideen werden zuerst einmal getestet, bestehen sie, gehen sie in die Entwicklung, da gibt es dann mehr Ressourcen, mehr Geld. Je näher sich die Idee als Projekt zur Marktreife entwickelt, umso strikter wird der Umsetzungsprozess, denn umso teurer und aufwändiger das Drumherum.

Forschung Future in Mind

Forschungsschwerpunkte der voestalpine

Vier Forschungsbereiche gelten im voestalpine-Konzern derzeit als Schwerpunkte. 1: Additive Manufacturing, der metallische 3D-Druck, ein komplexes Projekt mit vielen neuen Ansätzen und dem Ziel, die dafür notwendige Wertschöpfungskette bis zum Endprodukt komplett zu beherrschen. Aus heutiger Sicht erlaubt Additive Manufacturing Produktstrukturen von bisher nicht beherrschbarer Komplexität. 2: Der Leichtbau im gesamten Bereich Mobilität. Der Druck, Energie möglichst effizient einzusetzen und damit die Umweltbelastung zu reduzieren, zwingt auf breiter Basis zu immer leichteren Bauteilen, ohne an Festigkeit zu verlieren. Stahl hat da im Vergleich zu anderen Werkstoffen hervorragende Karten. 3: Wichtigstes Thema auf der Prozessseite ist die Reduktion von CO2. Da geht es um viele kleine Schritte, aber auch um den ganz großen mit weitem Horizont, den Einsatz von Wasserstoff anstelle fossiler Energieträger. 4: Die Digitalisierung und Anwendung der Künstlichen Intelligenz mit dem Ziel, die Effizienz sämtlicher Prozesse – vom Rohstoff bis zum Endprodukt – permanent zu erhöhen. Da gibt es viele neue Möglichkeiten, auch weit darüber hinaus, etwa durch Kombination der eigenen Produkte mit Künstlicher Intelligenz. Ein Beispiel: die voestalpine entwickelt gerade den vollautomatisierten Schienenweg. Sensoren in Schienen und Weichen ganzer Netze melden dabei einerseits (Sicherheits)Probleme, weisen andererseits auf fällige Wartungen hin, alles überwacht von einer zentralen Steuerwarte aus.

Abseits der vier Schwerpunkte wird an vielen weiteren Projekten gearbeitet, zum Beispiel daran, wie man verschiedene Materialien sinnvoll und kostengünstig miteinander kombinieren kann. Wichtig ist es dabei, die Zusammenhänge von Werkstoffen und Verarbeitungsprozessen bis zum Endprodukt zu verstehen – eine zentrale Voraussetzung für wirkliche Innovation.

Die positive Kultur des Scheiterns

Forschung ist Risiko. Es geht ja um Dinge, die so noch nie gemacht wurden. Und Forschung ist schnelllebig. Was für einen Kunden, für den Markt heute wichtig ist, kann morgen schon wieder zweitrangig sein, Effizienz und Flexibilität sind daher essentiell. Und ganz wichtig: Forschung verlangt eine Kultur des positiven Scheiterns, Scheitern muss erlaubt sein. Niemals zu Scheitern wäre gleichbedeutend mit zu wenig Risiko und damit zu wenig Erfolgschancen.

An die 100 gemeinsame Projekte mit Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit erweitern permanent den eigenen Horizont und optimieren die Effizienz. Teamgeist und Arbeitsteilung sind ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Rund 3000 aktive Patente hat die voestalpine derzeit angemeldet, und es werden noch viel mehr werden.

Der Anspruch auf Technologieführerschaft erlaubt kein Zurücklehnen und er braucht ständig aufs Neue Neugierde, Einsatzbereitschaft, Umsetzungskraft und Erfolgshunger. Dieses breite innovative Mindset in einer Organisation zu implementieren, ist eine enorme Managementherausforderung. Deshalb muss Forschung Chefsache sein. Ausruhen, besonders am Erfolg, darf es dabei niemals geben.

Michael Csoklich