“Der Innovation einen neuen Schub geben” 5 Minuten Lesezeit
Innovation

“Der Innovation einen neuen Schub geben”

Stephanie Bauer
Als voestalpine Digital Native der ersten Stunde ist Stephanie Bauer für die Corporate Online & Social Media Strategie verantwortlich, als Chef vom Dienst für das Themenmanagement im Newsroom.

Die voestalpine greift die sechs wichtigsten "Megatrends" auf, die die Welt in den kommenden Jahrzehnten radikal ändern werden. Die Themen reichen von Demografie und Urbanisierung über Globalisierung/Regionalisierung bis zu Mobilität und Energie. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG, über die wichtigsten Trends aus Sicht seines Konzerns, über Innovation als Wettbewerbsvorteil in der Krise und über die Zeit danach, in der die voestalpine der Konkurrenz "zwei Schritte voraus" sein will.

Die Wirtschaftskrise hat auch die Stahlindustrie nicht verschont. Die voestalpine steht dennoch besser da als viele ihrer Mitbewerber. Worauf führen Sie diese Performance zurück?

Wolfgang EDER: Zunächst: Die voestalpine ist kein “typisches” Stahlunternehmen. Wir haben eine wesentlich längere, am Endkunden orientierte Wertschöpfungskette und wir sind vom Zwischenhandel praktisch unabhängig. Zum zweiten aber bringt uns die langjährige und konsequente Fokussierung auf die Technologie- und Qualitätsführerschaft in anspruchsvollen Produktsegmenten – in denen wir durchwegs auch zu den führenden Anbietern gehören – einigermaßen Preisstabilität auch in Krisenzeiten. Und gerade die innovativen Produktbereiche, hinter denen sehr viel Know-how und F&E steckt, haben sich auch in dieser schwierigen Phase weitgehend stabil entwickelt. Insofern hat sich Innovation für uns als echtes “Asset” gerade in Zeiten der Krise erwiesen.

“Innovation ist mehr als F&E.
Sie umfasst alle Unternehmensbereiche, sie ist Teil der Kultur.”

 

Welche Lehren ziehen Sie aus den vergangenen Monaten für die Zeit der Konjunkturerholung.

Natürlich haben wir intensives und konsequentes Krisenmanagement betrieben – das sieht man auch in der erwähnten Performance im Vergleich zu anderen in der Branche -, und ich glaube auch nicht, dass die Erholung, in der wir uns offenkundig global befinden, ein Indikator für einen nachhaltigen Aufschwung ist. Wir müssen uns daher als Unternehmen weiterhin verbessern, um die Organisation in allen Bereichen noch schneller, schlanker und effizienter zu machen.

“Wir müssen auf neue Entwicklungen
noch schneller reagieren”

Aber: Auch in Zukunft wird Innovation der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg sein. Das heißt, wir müssen globale Trends rechtzeitig erkennen, analysieren und ihr langfristiges Potenzial nutzen; wir müssen den Fokus auf Innovationen in langfristigen Wachstumsmärkten legen, unser Profil als erfolgreicher Hightech-, Qualitäts- und Nischenanbieter noch weiter schärfen und wir müssen auf neue Entwicklungen noch schneller reagieren.

 

Stichwort globale Trends: Die voestalpine befasst mit sechs “Megatrends”, davon bildeten drei einen Schwerpunkt bei der konzernweiten Forschertagung “Synergieplattform”. Welche sind die wichtigsten Zukunftsthemen für die voestalpine und wo sehen Sie dabei das größte Potenzial?

Es sind im Wesentlichen drei große Themen, die auch für uns in Zukunft wichtiger werden und die wir – neben den anderen Bereichen, die wir traditionell ohnehin bearbeiten – in den nächsten Jahren in den Vordergrund stellen werden.

Das ist zum einen der gesamte Bereich Mobilität und Verkehr. Hier ist die voestalpine nicht nur ein wichtiger Player in der Automobilindustrie, sondern wir sind auch Weltmarktführer im Eisenbahnbereich bei Schienen und Weichen, und wir haben eine Reihe anderer Segmente in Bezug auf den Verkehr, wo wir ebenso viele Ideen für die Zukunft haben. Die müssen wir nun ausrollen, und wir müssen versuchen, die neuen Trends im Verkehr – effzienzer, sauberer, leiser, sicherer – zu begleiten.

Der zweite Bereich ist der Energiesektor. Auch in diesem Bereich sind wir einer der ganz großen Anbieter, etwa bei Grobblechen für anspruchsvollste Pipelines in 7.000 Meter Meerestiefe oder in Sibirien, bei Turbinengehäusen, bei denen wir mit unseren Gießereien in Österreich und China rund 60 % Weltmarktanteil haben, oder bei Nahtlosrohren. Wir können aber bei Alternativenergien – und nicht nur dort – noch zulegen. Wir sind mit Böhler-Uddeholm etwa im Bereich der Windenergie, und mit den Divisionen Profilform und Automotive auch in der Solarenergie stark vertreten. Sie sehen also schon aus dieser Aufzählung viele Anknüpfungspunkte. Wir wollen dies nun sortieren und kanalasieren und daraus in weiterer Folge konkrete Schwerpunkte entwickeln.

Der dritte große Bereich ist natürlich das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Hier haben wir vor allem in unseren Prozessen bereits ein weltweit führendes Know-how entwickelt: Unsere Anlagen sind im internationalen Vergleich die umwelt- und energieeffizientesten, und auch hier tun sich langfristig sehr attraktive Geschäftsmöglichkeiten auf.

“Gerade jetzt in der Krise sind die Chancen größer,
die Zukunft aufzubereiten”

 

Was bringt Innovation der voestalpine eigentlich als “kleines” Unternehmen im Vergleich zu den Branchenriesen?

Auf den ersten Blick sind wir ein vergleichsweise kleineres Unternehmen, das aber im Bereich Innovation unglaublich effizient ist. Wir haben rund 100 Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften weltweit, das heißt, wir nutzen im F&E-Bereich auch sehr renommierte Einrichtungen und Kundenpartnerschaften und kompensieren so die Vorteile, die andere durch ihre Größe haben, weil sie einfach mehr Geld in diesen Bereich investieren können.

Wenn wir uns die Ergebnisse der letzten Jahre ansehen, glaube ich sogar, dass wir dem Mitbewerb deutlich vorausliegen und wir durch unsere sehr hohe Effizienz des Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks tatsächlich die Chance haben, in jenen Segmenten, in denen wir tätig sind, bei den Innovationen ganz an die Spitze zu kommen.

 

Österreichische Unternehmen geben in Zeiten der Krise durchschnittlich rund um 10 % weniger für Forschung und Entwicklung aus. Die voestalpine ist demnach offenbar kein österreichischer Konzern, denn sie hat ihr F&E-Budget heuer sogar um rund 20 % erhöht.

Das ist insofern nicht ganz falsch, als wir uns ohnehin als internationales und global tätiges Unternehmen verstehen. Wir haben unsere Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen deutlich erhöht, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht sparen – die große Bedeutung liegt hier in der Effizienz -, aber wir wollen gerade in diesen schwierigen Zeiten die Zukunft aufbereiten. Wir glauben, dass gerade jetzt die Chancen dazu größer sind als zu jedem anderem Zeitpunkt. Der Bereich der Innovation und der engere Bereich der Forschung und Entwicklung bestimmt unsere langfristige Zukunft. Was wir jetzt dort investieren, macht sich in den nächsten 20 Jahren bezahlt, und gerade in schwierigen Zeiten tut man gut daran, alles zu unternehmen, um die Zukunft abzusichern. Gerade jetzt möchten wir daher der Innovation und der Forschung im Speziellen einen neuen Schub geben, um nicht wie bisher nur einen, sondern in den nächsten Jahren vielleicht sogar einen zweiten Schritt voraus zu sein, wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen.

 

Dr. Wolfgang Eder ist seit 2004 Vorstandsvorsitzender und CEO der voestalpine AG sowie seit Oktober 2009 Präsident der europäischen Stahlvereinigung EUROFER.