Der Hochlauf einer Hochleistungsanlage 3 Minuten Lesezeit
Umwelt

Der Hochlauf einer Hochleistungsanlage

Michael Leithinger

Im Dezember 2019 wurde die H2FUTURE-Anlage in Linz unweit des unternehmenseigenen Kraftwerks feierlich eröffnet, dann ging es an die Arbeit: Die Inbetriebnahme der größten PEM-Elektrolyseanlage, die die Welt bisher gesehen hat, schreitet planmäßig voran.

Die Inbetriebnahme der 12 PEM-Module „Proton Exchange Membrane“ hat gut funktioniert – in zwei Tranchen zu je 6 Modulen. Auch die Anschlussleistung von 6 MW wurde erreicht, die avisierten 1.200 m3 Wasserstoff pro Stunde konnten bereits produziert werden. Der Wasserstoff wird übrigens dem hütteneigenen Koksgas beigemischt, das ohnehin schon zu 2/3 aus Wasserstoff besteht.

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Die Leistungsgrenzen kennenlernen

Im Frühjahr 2020 starten die ersten Pilottests. „Die Inbetriebnahme gemeinsam mit SIEMENS funktioniert gut, jetzt geht es darum, in das Versuchsprogramm überzugehen und die oberen und unteren Leistungsgrenzen kennenzulernen und auszuloten, in welcher Bandbreite wir uns künftig bewegen können und was die optimalen Fahrweisen sind“, weiß Projektleiter Hermann Wolfmeir. Wie so oft steckt der Teufel bei einem Hochlauf im Detail – das Sicherheitskonzept war anzupassen, eine Vielzahl an Regelgrößen sind in wechselseitiger Abstimmung noch zu programmieren u. v. m.

H2FUTURE_beitragsbild

Erste Schulungen und Langzeittests

Bald stehen auch die Schulungen der ersten Mitarbeiter vom Kraftwerk an, die künftig die Anlage betreiben werden. Dann geht es an die „Langzeittests“. Im Frühling etwa soll die Anlage einen Monat lang 24 Stunden am Tag durchgefahren werden. Dabei können erstmals Themen wie Ansprechzeiten, Prozessstabilität, allfällige Betriebsprobleme und Spannungsveränderungen als Hinweis auf eine Alterung der Membrane untersucht werden. Im Prinzip geht es darum, Betriebserfahrung zu sammeln und dabei u. a. auch zu prüfen, welche Netzdienstleistungen am zusehends volatileren Strommarkt angeboten werden können. Über den Regelenergiemarkt erfolgt ein Ausgleich kurzfristiger Schwankungen im Stromnetz, d.h. durch rasches Zu- und Wegschalten der Anlage kann ein Beitrag zur Netzstabilisierung angeboten werde. Die Präqualifikation für den Regelenergiemarkt wird vom österreichischen Übertragungsnetzbetreiber APG, einer VERBUND-Tochter, durchgeführt.

Fortsetzung folgt

In ein paar Monaten sollen verschiedene Lastfälle – wie etwa ein eventueller künftiger Betrieb eines Elektrolichtbogenofens – mittels Simulationen getestet werden: In der Zeit des simulierten Abstechens und Chargierens soll die Elektrolyse hochlaufen, die Lücke der Stromaufnahme füllen und so zu einer Vergleichmäßigung des Lastverhaltens im Werk beitragen. Bis Juni 2021 läuft das von der EU-Kommission geförderte H2FUTURE-Projekt. „Ob diese Technologie wirklich reif genug ist und wie sie im Großformat funktioniert, das erforschen wir nun, das steht jetzt noch nicht fest. Nach einigen Tausend Betriebsstunden können wir mehr sagen, wir stehen ja erst am Anfang“, betont Hermann Wolfmeir. Was jetzt schon feststeht: Gemeinsam mit dem Projektpartner VERBUND wird konkret über die Fortsetzung der Forschungszusammenarbeit nachgedacht.

 

"Nach einigen Tausend Betriebsstunden können wir mehr sagen, wir stehen ja erst am Anfang."
Hermann Wolfmeir