Atome, Alchemie und Aussichten: Synergieplattform 2018 3 Minuten Lesezeit
Innovation

Atome, Alchemie und Aussichten: Synergieplattform 2018

Volkmar Held

Stahl und andere Materialien der Zukunft standen am 29. und 30. Mai im Mittelpunkt der Synergieplattform 2018.

Überwältigende Aussichten hielt die voestalpine-Synergieplattform 2018, „Materials of the Future“, bereit. Ihr Spektrum reichte von der Stahl-Modellierung auf atomarer Ebene bis zu Alchemie-ähnlichen Ansätzen modernster Legierungsforschung.

Materialien vom Reißbrett

Sprecher auf der Synergieplattform 2018

Franz Androsch, Leiter F&E bei voestalpine, und Herbert Eibensteiner, Leiter der Steel Division, mit den Speakern

Digitalisiertes Steel-Design stand im Zentrum der ersten Beiträge, die in der TU Wien zu erleben waren. Lorenz Romaner vom Materials Center Leoben gab beispielsweise deutliche Akzente in Richtung Materialdesign bis hin zur Simulation auf atomarer Ebene. Weitere Beiträge zur Modellierung bzw. Entwicklung von Werkstoffen und Prozessen verwiesen auf die Forschungsprogramme der TU Wien, MU Leoben und der Linzer Kepler-Universität.

 

 

 

 

"This is the most exciting time for steel development."
John Speer, Colorado School of Mines

Die Bedeutung dieser Grundlagenforschung betonte auch John Speer, Professor an der Colorado School of Mines. Für ihn liegen Trends in der Entwicklung noch festerer Stahlsorten und der wachsenden Bedeutung von Mikrostrukturen.

Stahl ist zukunftsfähig

Synergieplattform 2018

Dieter Steegmüller, als ehemaliger Leiter des Prozess- und Materialtechnologiezentrum der Daimler AG mit den Materialansprüchen von OEMs bestens vertraut, unterstrich die Zukunftsfähigkeit moderner Stahlwerkstoffe. Vor allem in Sachen Crashverhalten böten sie eine kaum zu ersetzende Basis im automobilen Leichtgewichtsdesign.
Auf synergetische Potenzen von Modellierung, Experiment und spezieller Kundenanforderungen ging der F&E-Leiter der Stahl Donawitz GmbH, Peter Karner, ein. Anhand der neuen Einrichtungen für Materialentwicklung in der Metal Engineering Division, „TechMet“ und „MetLab“, skizzierte er die Möglichkeiten von „Miniatur“-Aggregaten in Industrieforschung und maßgeschneiderter Produktion.

Stahl mit Gedächtnis und „alchemistische“ Forschung

Eine spannende Sicht auf Materialentwicklungen der Zukunft boten weitere Teilnehmer aus voestalpine-F&E-Abteilungen und von externen Forschungseinrichtungen.

  • Anna Medvedeva (F&E-Chefin der Uddeholms AB, Schweden) berichtete u. a. über Entwicklungen bei Kunststoffformenstählen. Dank ihrer herausragenden Eigenschaften könnten sie Nanostrukturen prägen, die bei Plastikprodukten funktionalisierte Oberflächen ermöglichen – Oberflächen, die das Produkt wasser- bzw. schmutzabweisend machen oder ihm ohne den Einsatz weiterer Behandlungen Farbeffekte verleihen.
  • Christian Leinenbach (Laboratory for Advanced Materials Processing/ETH Zürich) stellte eisenbasierte Legierungen mit „Formengedächtnis“ vor, die derzeit im Hoch- und Straßenbau zur Anwendung kommen.
  • Sheng Guo (Chalmers-University, Schweden) entführte in die Welt der High-Entropy-Legierungen – Elementkombinationen, die mindestens fünf metallische Elemente mit gleicher Teilchenanzahl miteinander vereinen und nicht über Hauptanteile an Eisen bzw. Nickel verfügen. Dieser Weg, so der Forscher, erinnere ein wenig an die alchemistische Suche vergangener Jahrhunderte.
"High-Entropy-Forschung ist Arbeit für die kommenden Jahrzehnte."
Sheng Guo

Synergieplattform 2018

Nicht zuletzt die sehr regen Diskussionen am Rande der Synergieplattform ließen erkennen: Das Interesse an der Arbeit von Forschungskollegen will gestillt werden und lässt noch einiges an Zukunftswerkstoffen erwarten.

 

 

 

 

 

"Auf der Synergieplattform 2018 wurden aus der Perspektive externer Forscher und von F&E-Einrichtungen der voestalpine wahrhaft spannende Entwicklungen für die Zukunft vorgestellt. Selten manifestierte sich ein so großes, deutliches Interesse an der gegenseitigen Arbeit."
Franz Androsch, Leiter F&E voestalpine AG