Paris als Regen-Spektakel: „Formel E ist das Ding, das am schwierigsten zu fahren ist!“ 4 Minuten Lesezeit
Formel E

Paris als Regen-Spektakel: „Formel E ist das Ding, das am schwierigsten zu fahren ist!“

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Paris ist der Prototyp eines perfekten Platzes für die ABB FIA Formula E Meisterschaft und der voestalpine European Races. Das Ambiente im Herzen der Stadt mit all seinen traditionsreichen Gebäuden und dem Blick auf den nahen Eiffelturm ist schön und aufregend. Schlecht und aufregend waren dagegen die Wetterbedingungen bei zum Teil heftigem Regen, bei leichtem Hagel und bei Sturm.

„Kein anderes Rennauto auf der Welt ist bei solchen Bedingungen schwieriger zu fahren als ein Formel-E-Bolide“ sagt Andre Lotterer, der Führende im Kampf um die Trophäe der voestalpine European Races. In der Formel E regiert indes weiter die Vielfalt: im achten Rennen der Saison gab es den achten Sieger. Jeder (!) dieser acht Sieger fährt für eine andere Nation. Die Storys aus Paris.

Robin Frijns siegt – und geht in Führung

Der erste Sieg des Niederländers Robin Frijns (Envision Virgin Racing) in der ABB FIA Formula E Championship ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Er gewann den ersten (!) offiziell als Regenrennen eingestuften E-Prix der Geschichte (den 53. insgesamt) und übernahm damit auch gleich die Führung in der extrem umkämpften Fahrer-Meisterschaft. Fünf Rennen vor Saisonende sind noch 145 Punkte zu vergeben, und nach acht Rennen im Rückspiegel führt Frijns nun mit 81 Zählern vor Andre Lotterer (DS TECHEETAH Formula E Team). Neun Fahrer könnten nach dem nächsten Rennwochenende in Führung der Meisterschaft liegen, alle (!) Fahrer haben immer noch theoretische Titelchancen. Und der Führende hat ungefähr halb so viele Punkte wie Jean-Eric Vergne, als er im Vorjahr in dieser Phase der Saison in Führung gelegen ist – das zeigt, wie viele unterschiedliche Fahrer hier Top-Platzierungen erreicht haben und wie ausgeglichen die Meisterschaft ist. Und: Mit Envision Virgin Racing stellt ein Kundenteam den Führenden in der Meisterschaft, das zugleich auch (knapp) vor dem Werksteam des eigenen Herstellers Audi Sport ABT Schaeffler liegt. In kaum einer anderen Rennserie haben Privatteams so faire Startvoraussetzungen, das so etwas möglich wäre.

Andre Lotterer

Andre Lotterer

Was man über den Pariser Sieger wissen sollte

Der 27-jährige Robin Frijns ist der einzige Pilot, der diese Saison die Formel E und die DTM absolviert. Kurioserweise ist er in der ABB FIA Formula E bei Envision Virgin Racing, dem Kundenteam von Audi, im Tourenwagen-Masters, das diese Woche in Hockenheim startet, aber Werksfahrer des Audi-Teams. Frijns galt schon seit seiner Kindheit als besonders talentiert, Toto Wolff sah ihn als einer der „weltweit besten seines Jahrgangs“. Er wurde 2010 Meister der europäischen Formel BMW, 2011 Meister des Formel Renault 2.0 Eurocups und 2012 Meister der Formel Renault 3.5. Er punktet konstant – und zugleich gilt er als einer der mutigsten und verwegensten Rennfahrer der Gegenwart. Kein Zufall also, dass er gerade bei dem Mutrennen bei Regen und Sturm in den engen Straßen von Paris seinen ersten Sieg feiern konnte.

"Heute war wohl der Tag, wo wir so wenig Grip in einem Rennauto gespürt haben, wie nie zuvor."
Andre Lotterer

Lotterer über die immense Herausforderung der Formel E im Regen

Es gibt weltweit kaum einen Rennfahrer, der so viele unterschiedliche Serien kennt wie der Deutsche Andre Lotterer (37, DS TECHEETAH). Er ist Le-Mans-Sieger, WEC-Weltmeister, ein Superstar in Japan und auch Formel-1-erprobt. Umso mehr Wert haben die Aussagen, die er in Paris nach dem Regen-Rennen getroffen hat, als Antwort auf unsere Frage, wie man ein Regen-Rennen in der Formel E mit solchen in Le Mans, Suzuka oder Spa vergleichen kann.

"Du magst es glauben – oder nicht, aber die Formel E ist definitiv das am schwierigsten zu fahrende Ding, auch im Trockenen. Wenn du in anderen Kategorien fährst, etwa in Le Mans mit 350, ist das trotzdem alles recht einfach mit all der Bodenhaftung, die diese Autos bieten. Hier aber betest du um dein Leben. Jedes Mal, wenn du auf die Bremsen steigst. Es ist ein richtig herausforderndes Spiel. Ich denke, das ist es, was die Formel E richtig unberechenbar macht."
Andre Lotterer

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen: Strafen für drei Piloten

Schon nächste Woche kommt der nächste Höhepunkt der voestalpine European Races im Rahmen der ABB FIA Formula E Championship: in Monaco wird auf einem (Teil) des berühmtesten Stadtkurses der Welt gefahren. Drei Piloten müssen aber nach Vorfällen und Strafen in Paris mit einem Handicap ins Rennen gehen, sie werden in der Startaufstellung um je drei Startplätze rückgereiht:
Edoardo Mortara, da er eine Kollision mit Alex Lynn verursacht hatte, Jerome d’Ambrosio, weil er eine Kollision mit Sam Bird verursachte und Nissan e.dams Fahrer Oliver Rowland ebenfalls, denn er hatte Alexander Sims ins Aus geschickt.

Das dritte der voestalpine European Races in Monaco findet am 11. Mai 2019 statt.

Andre Lotterer

Aktuell Führender der voestalpine European Races: Andre Lotterer

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