Österreicher dominiert den Formel-E-Testauftakt 4 Minuten Lesezeit
Formel E

Österreicher dominiert den Formel-E-Testauftakt

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Die ABB FIA Formula E Championship ist bereit für ihre sechste Saison, die ganz im Zeichen des Kampfes der großen Autokonzerne stehen wird. Die Tests in Valencia standen wie im Vorjahr im Zeichen von BMW – Neuzugang Maximilian Günther, der auch einen österreichischen Pass besitzt, erzielte die schnellste Runde aller Versuchsfahrten. Die wichtigsten Erkenntnisse – und was man über die Regeländerungen und zur Formel E Technik der neuen Saison wissen sollte.

Wie sind die Tests in Valencia verlaufen?

Sehr gut. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde die Programme der Teams nicht durch sintflutartige Regenfälle gestört oder gar gestoppt. Die mittlerweile 12 Rennställe konnten sich auf ihre Entwicklungen konzentrieren, die Anzahl technischer Probleme war gering, die Haltbarkeit dieser vollelektrischen Autos ist hoch. Einzig mit der künstlichen Schikane am Ende der Geraden hatten einige Piloten Probleme – Alexander Sims, Nyck de Vries oder Neel Jani waren nur einige der Fahrer, die ihre Rennwagen beschädigten.
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Wer macht einen besonders guten Eindruck?

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Rennstrecke in Valencia, was die Zeiten betrifft, nur sehr bedingt eine Referenz für die Leistung auf echten Stadtkursen, wie sie in der ABB FIA Formula E Championship gefahren werden, dient. Fakt ist aber auch, dass Titelverteidiger DS TECHEETAH seine gute Form über den Sommer halten konnte und das, ähnlich wie 2018, BMW i Andretti Motorsport sich im Autodromo Ricardo Tormo besonders gut zurechtfindet. Und so war es Maximilian Günther, der von GEOX Dragon ins bayrische Team gewechselte Allgäuer, der die schnellste Runde absolvierte. Mit Pascal Wehrlein und Nico Müller waren zwei weitere deutschsprachige Rennfahrer am virtuellen „Podium“ dieser Tests. Mindestens ebenso wichtig für BMW ist freilich die Haltbarkeit. Und mit 401 absolvierten Runden waren Günther und sein Teamkollege Alexander Sims in der Lage, die mit Abstand meisten Runden zu fahren. Zum Vergleich: Audi Sport ABT Schaeffler – 303, TAG Heuer Porsche Formula E Team – 302, Mercedes Benz EQ Formula E Team – 259.

Ist mit einer ähnlich knappen Meisterschaft wie 2018/19 zu rechnen?

Am Ende der Testtage lagen 22 (!) der 24 Autos innerhalb von nur einer Sekunde. Nur das neu formierte NIO 333 FE Team hat noch sichtbaren Rückstand, der dürfte aber aufholbar sein, wenn die vielen Veränderungen im Team greifen. Sieben verschiedene Teams kamen in die Top-10.

Wie schlagen sich die neuen Teams?

Die beiden „Star“-Neuzugänge von TAG Heuer Porsche Formula E Team und Mercedes EQ hatten noch einige Problemzonen. So kamen am Ende „nur“ die Plätze 19/22 bzw. 20/21 heraus. Doch wichtiger ist es in dieser Phase sowieso Kilometer zu sammeln. Porsche, das im Gegensatz zu Mercedes-Benz (letzte Saison HWA RACELAB) ja als kompletter Neueinsteiger gilt, kam auf 302 Runden bei seinem ersten offiziellen Test. Mercedes kam auf 259, das ist der vorletzte Platz in der Rundentabelle. Formel-2-Champion Nyck de Vries hatte technische Probleme und einen Unfall, Stoffel Vandoorne fiel dafür beim ersten Testrennen positiv auf.

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Maximilian Günther beim Unterschreiben des voestalpine-Helms

Welchen Eindruck machen die neuen Piloten?

Brendon Hartley und Nico Müller, die in der FIA WEC bzw. der DTM schon erfolgreich waren, konnten mit den Boliden von GEOX Dragon sehr positiv in Erscheinung treten.

Welche Regel-Änderungen werden sich auf die Rennen massiv auswirken?

Bei der größten Änderung in dieser Saison steigt die Leistung im „ATTACK-Modus“ von 25 kW auf 35 kW und die maximale Leistung auf 235 kW. Es wird auch ein zusätzliches strategisches Element geben, da während der Safety-Car- und der Gelbphase der gesamten Strecke jede Minute gezählt und 1 kW von der während des Neustarts verfügbaren Gesamtenergie abgezogen werden.

Die Folge: Befindet sich das Safety-Car für sechs Minuten auf der Strecke, dann werden allen Autos sechs kW von ihrer noch zur Verfügung stehenden Energie abgezogen, wenn das Rennen wieder freigegeben wird. Damit wird die ursprüngliche Idee des Energiesparens wieder wichtiger, und es macht keinen Sinn mehr, dass Fahrer alles riskieren und mehr Energie als geplant in der Startphase verbrauchen – in der Hoffnung, dass es noch zu einer Safety-Car-Phase kommt.

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Der Linzer Testfahrer Preining mit dem voestalpine-Helm

Ab nun wird der Schnellste aller Quali-Gruppen mit einem Meisterschaftspunkt belohnt, der Pole-Setter bekommt wie gewohnt drei Zähler, ein weiterer geht an den Fahrer, der im Rennen die schnellste Runde fährt.

Die ABB FIA Formula E Meisterschaft beginnt am 22. und 23. November in Saudi Arabien. Fünf der 14 Rennen der neuen Saison zählen zu den voestalpine European Races. Es sind das die Läufe in Rom (4.4. 2020), Paris (18.4.2020), Berlin (21.6.2020), und London (25. bzw. 26. 7. 2020).

Gerald Enzinger