Mitch Evans schreibt Geschichte: erster Sieger beim Start der voestalpine European Races 3 Minuten Lesezeit
Formel E

Mitch Evans schreibt Geschichte: erster Sieger beim Start der voestalpine European Races

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Die ABB FIA Formula E Meisterschaft ist in Europa angekommen und – wie! Vor zehntausenden begeisterten Fans holte sich der Neuseeländer Mitch Evans (Panasonic Jaguar Racing) den Sieg nach einem grandiosen Überholmanöver gegen Andre Lotterer (DS TECHEETAH). Damit ist er der erste Sieger der Rennen im Rahmen der voestalpine European Races.

In der Formel E regiert weiter die Vielfalt: im siebenten Rennen der Saison gab es den siebenten Sieger, und zum siebenten Mal gewann ein anderes Team.

Die Stunde des Jaguars

Es schien unmöglich, aber es ist tatsächlich passiert: Nachdem sechs verschiedene Teams die ersten sechs Rennen der Saison gewinnen, dachten viele, dass es bei elf Teams insgesamt nun gar nicht anders ginge, als das nun in Rom ein Rennstall zum zweiten Mal in dieser Saison gewinnen würde. Doch es gab erneut einen Saison-Premierensieger, der in diesem Fall sogar zum ersten Mal in seiner Geschichte in der Formel E gewann! Panasonic Jaguar Racing, in den vergangenen Tagen noch in Turbulenzen rund um einen Fahrertausch (Alex Lynn übernahm das Cockpit von Ex-Champ Nelson Piquet jr.), präsentierte sich in Top-Form. Der Sieg von Evans ist der erste für Jaguar in einem internationalen Rennen hoher Kategorie seit 1991.

Der „Slow Down“ – Schock des Siegers

Der Neuseeländer Evans feierte auch seinen eigenen Premierensieg in der Formel E, zugleich den ersten in seiner Karriere seit 2016 (Sieger des GP2-Rennens am Red Bull Ring. Diesmal gewann Evans vor den Augen seines großen Mentors: Mark Webber, Ex-Formel-1-Star und WEC-Weltmeister, fördert die Karriere von Mitch schon seit dessen Jugendjahren. Und wie alle war er begeistert davon, wie abgezockt sein Schützling den Führenden Andre Lotterer in einer der engsten Passagen überholte. Der aber kurz vor Ende des Rennens noch einmal einen Schock verkraften musste – als ihn sein Team den Befehl „Slow down“ gab. „Das will man in so einer Situation nicht hören“, lacht Evans. Doch es handelte sich nicht um technisches Gebrechen oder eine Energiesparmaßnahme, es ging nur darum, dass er die Aktivierungszone verpassen sollte.

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Das war ihm nämlich in einem Versuch davor passiert, da er zu schnell an diese Stelle („Attack Mode“-Aktivierungszone) gekommen war.

Leid und Lust des Andre Lotterer

Das Glück von Evans war das Pech von André Lotterer. Zum zweiten Mal in drei Rennen lag er bis kurz vor Schluss in Führung, doch der Deutsche musste den Jaguar passieren lassen. Zwar muss Lotterer, der als einer der besten Langstrecken-Piloten des Jahrzehnts gilt und der schon die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat, auf den ersten Triumph in der ABB FIA Formula E Championship weiter warten, seine Passivität wird sich vielleicht am Ende lohnen. Denn wie Robin Frijns ist Lotterer voll im umkämpften Titelrennen, obwohl beide noch keinen E-Prix gewonnen haben.

Die am meisten umkämpfte Meisterschaft der Welt

Während in der Wertung der voestalpine European Races (in der es um die besten Podiumsplätze der fünf Europa-Rennen geht, also absolute Spitzenleistungen belohnt werden) logischerweise Premierensieger Evans vor Lotterer und Stoffel Vandoorne (Rom-Dritter, HWA RACELAB) führt, ist es in der Formel-E-Meisterschaft weiter hochdramatisch: Zwischen dem ersten Jerome D´Ambrosio und dem neunten Edoardo Mortara (VENTURI Formel E Team) liegen nur 13 (!) Punkte. Der erste eines E-Prix bekommt 25 Punkte, dann geht es so weiter: 18 – 15 – 12 – 10, und dann 8/6/4/2/1. Für eine Pole Position gibt es drei Punkte, für die schnellste Runde einen Zähler. Wenn man das beobachtet, merkt man, wie eng die Meisterschaft ist.

Vorgeschmack auf die Trophy der voestalpine European Races

Als erster Sieger der fünf „voestalpine European Races“ durfte Mitch Evans die 3D-gedruckte voestalpine-Trophäe kurz anfassen und hochheben. Gewinnen und mitnehmen darf ihn aber nur der Sieger mit den besten Podiumsplätzen aus allen fünf Rennen in Europa. Das nächste findet schon bald statt – in Paris, dem Heimatort vom aktuellen Titelträger Jean-Eric Vergne. Das Rennen findet am 27. April 2019 statt.

Gerald Enzinger