Meister Vergne: „Nichts ist schöner, als in Europas Städten Rennen zu fahren!“ 4 Minuten Lesezeit
Formel E

Meister Vergne: „Nichts ist schöner, als in Europas Städten Rennen zu fahren!“

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Am 15. Dezember begann die neue Saison der ABB Formula E Championship – und ein Pilot freute sich schon ganz besonders auf den Neustart: Jean-Eric Vergne (28). Der Franzose aus dem privaten Team Techeetah ist der regierende Meister. Bei uns spricht der langjährige Red-Bull-Junior über seine spezielle Beziehung zu Österreich, eine Traum-Rennstrecke in Salzburg, die außergewöhnliche Beziehung zu seinem Teamkollegen und warum er die Formel E nie für ein Formel 1-Comeback aufgeben würde.

Wie fühlt sich das Formel-E-Auto der neuen Generation für den regierenden Meister an?

Jean-Eric Vergne: Es ist gut! Man spürt definitiv die extra Power, durch das Brake-by-wire-System gibt es weniger Fehler. Es ist ein lässiges Auto, das mit bekannten Regeln im Motorsport bricht. Wirklich toll!

Ihr Titel ist eine große Inspiration für die gesamte Motorsport-Welt, denn ein kleines Privat-Team hat die Großen besiegt. Wie war das möglich?

Da kommen mehrere Faktoren zusammen: Der Spirit im Team war immer gut – ob wir gewonnen oder verloren haben. Wir sind dadurch sehr gut mit Druck umgegangen. Um Meister zu werden ist es wichtig, möglichst wenige Fehler zu machen und immer das Maximum des an dem Tag möglichen herauszuholen. Punkte zu verschenken ist etwas, das wir uns nicht erlauben können. Und etwas, das wir auch kaum getan haben. Dazu kommt die Basis von allem: Unsere Ingenieure sind sehr gut.

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Stichwort Team-Spirit: Selten hat man im Motorsport zwei Teamkollegen gesehen, die sich auch abseits der Strecke so gut verstehen wie Sie und Andre Lotterer. Ihr wirkt wie beste Freunde. Kann so was möglich sein?

Es ist gut und wichtig für das Team, dass zwei Fahrer gut mit einander auskommen können. Eine gute Atmosphäre ist auch für die Ingenieure wichtig und wenn Leute gerne ihre Arbeit verrichten ist es immer etwas Motivierendes. Wenn man Fahrer hat, die sich gegenseitig nicht ausstehen können und die alles vor dem anderen verstecken wollen, dann kommt es zum Konflikt im Team. Dann entstehen Spannungen und das ist der einfachste Weg ein Team zu zerstören. Unser Rennstall aber ist in dieser Besetzung noch ziemlich neu und wir haben eine gute Art gefunden, gemeinsam an unseren Zielen zu arbeiten – und nicht gegeneinander. Wobei dieser Prozess natürlich nicht aufhören darf.

Stichwort Teamkollegen: Einige Ex-Kollegen von Ihnen wie Daniel Kwjat kehren wieder in die Formel 1 zurück, auch Sie hätten angeblich eine Chance bei Toro Rosso gehabt. Keine Lust?

Das einzige was ich sagen kann: für nichts auf der Welt würde ich meine jetzige Position aufgeben. In der Formel E bin ich Teil eines der besten Teams und ich habe die Möglichkeit, um Siege zu kämpfen und für die Meisterschaft. Daher bin ich hier in einer viel besseren Position. Zudem kann ich auch mehr Dinge neben dem Rennen machen. Ich engagiere mich für grüne Energie, den Kampf gegen die Erderwärmung. All das könnte ich in der Form nicht mehr machen, wenn ich wieder in der Formel 1 wäre.

Sie wirken sehr heimisch in dieser Meisterschaft.

Absolut. Als ich in der Formel E angekommen bin, da war ich am Tiefpunkt meiner Karriere, ja meines Lebens. Doch dann kam eines nach dem anderen und ich habe begriffen, was hier entsteht. Ich war so schnell überzeugt von dieser Art des Rennfahrens, dass ich einen meiner Partner schon nach wenigen Wochen dazu gebracht habe, in unser Team zu investieren.

Sie haben sehr viel Zeit in Österreich verbracht, als Red-Bull-Junior hier viel trainiert. Sehen wir bald auch ein Formel-E-Rennen in Wien?

Ja, das würde ich sehr, sehr gerne machen! Ich liebe Wien, ich habe dort sehr viele Freunde und habe viel Zeit dort verbracht. Ich liebe das Land, ich liebe auch Schnitzel. Es wäre toll für die Formel E in Österreich zu fahren, wo auch immer. Vielleicht ja zwischen Thalgau und Fuschl, da sind Daniel Ricciardo und ich früher immer vor und nach dem Fitness-Training mit dem Scooter unterwegs gewesen. Die Strecke kenne ich gut (lacht).

 

Die Rennen in Europa sind besonders wertvoll, sie werden als „voestalpine European Races“ nun in einer eigenen Meisterschaft gewertet.

Das ist toll. Ich denke Europa ist sehr wichtig für die Formel E, weil so viele Hersteller aus Europa kommen. Daher haben diese Rennen eine besondere Bedeutung für uns alle. Diese Rennen werden besonders beachtet, zudem fahre ich gerne in Europa. Es ist nicht so weit und ich habe keinen Jetlag.

Wie ist das Gefühl, wenn man Rennen in europäischen Städten fährt?

Super-cool! Ich liebe Stadtrennen ja sowieso, dieses Fahren zwischen den Mauern hat was sehr Spezielles. Dazu kommt: man kann direkt in einem netten Hotel bei der Strecke wohnen und geht keine fünf Minuten in die Box. Und wenn man dann fährt, kann man etwa in Paris vom Auto aus den Eifelturm sehen. Für mich gibt es nichts Besseres, als in schönen Städten in Europa Rennen zu fahren. Und umso toller wäre es, wenn ich diese eigene europäische Meisterschaft auch gewinnen könnte.

Gerald Enzinger