Mahindra Racing elektrisiert die Formel E-Fans 4 Minuten Lesezeit
Formel E

Mahindra Racing elektrisiert die Formel E-Fans

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Was macht die ABB FIA Formula E Championship so spannend? Unter anderem sicher auch ihre Unberechenbarkeit und ihre Vielfalt. Während es in anderen Rennserien seit mehr als einem halben Jahrzehnt nur drei verschiedene Sieger-Teams gibt, begeistert die aufstrebende elektrische Renn-Formel die Fans auch durch Überraschungen: wie etwa das indische Team Mahindra Racing.

Im Gegensatz zu anderen Rennserien sind in der ABB FIA Formula E Championship die Rahmenbedingungen so, dass auch ein vermeintlich kleineres Team mit guter Arbeit und zum Teil genialen Ideen die großen Rennställe besiegen kann. Und so ist etwa das indische Team MAHINDRA RACING nach zwei Rennen jene Mannschaft, die mit Jerome D´Ambrosio den Führenden in der Fahrer-Weltmeisterschaft stellt. Aber wer ist dieses Team und welche Menschen stehen dahinter? Schnelle Facts zu schnellen Erfolgen.

Wer ist Mahindra?

In Europa (noch) eher für Traktoren bekannt, ist Mahindra in Indien einer der größten und wichtigsten Automobilhersteller. Ein Konzern aus Mumbai, der mehr als 180.000 Menschen in über 100 Ländern beschäftigt. Mahindra ist auch zu 70 Prozent Teilhaber am südkoreanischen Autokonzern Ssang Yong.

Jerome d'Ambrosio, Mahindra Racing, feiert seinen Sieg (Foto: Sam Bloxham / LAT Images)

Jerome d’Ambrosio, Mahindra Racing, feiert seinen Sieg (Foto: Sam Bloxham / LAT Images)

Das erste Mahindra-Rennpodium erobert ein heutiger „Oberösterreicher“

Mahindra Racing, das Rennteam des Konzerns, wurde 2011 gegründet. Die Bosse hatten davor mit einem Engagement als Investor in der Formel 1 spekuliert, entschieden sich aber für einen ganz anderen Weg. Sieben Saisonen lang (2011 – 2017) war Mahindra Racing in der Motorrad-Weltmeisterschaft unterwegs. Die Bilanz: drei Siege und 13 Podestplätze. Den ersten davon sicherte sich übrigens der heutige KTM-MotoGP-Pilot Miguel Oliveira. 2017 wurde der Abschied aus der Motorrad-WM verkündet.

"Wir wollen uns voll und ganz auf die Formel E konzentrieren. Darin sehen wir die Zukunft."
Mahindra Racing

Von Anfang an am Start

In der ABB FIA Formula E Championship ist Mahindra Racing ein Traditionsteam. Am 28. November 2013 wurde der Rennstall aus Indien als achtes Team der Formel E präsentiert – um dann am 13. September 2014 in Peking am ersten Rennen der Geschichte dabei zu sein. Mit Karun Chandhok, dem weltweit bekanntesten indischen Rennfahrer, kam Mahindra Racing auch gleich in die zweite Startreihe, im Rennen wurde der frühere Formel-1-Pilot Fünfter, übrigens unmittelbar vor Jerome D´Ambrosio, der damals für Dragon unterwegs war.

Der erste Ausfall? Senna!

Der andere Mahindra Racing-Pilot jenes Rennens fuhr in der ersten Kurve der ersten Runde zu ruppig über die Curbs, er musste seinen Wagen wenige Meter danach mit einer defekten Vorderradaufhängung abstellen. Damit wurde Bruno Senna – der Neffe des legendären Ayrton – der erste Pilot der Formel-E-Geschichte, der ein Rennen aufgeben musste.

Der Antrieb ist selbstgemacht.

Wie wichtig Mahindra Racing die ABB FIA Formula E Championship ist, erkennt man auch daran, dass die Inder ihren eigenen Antrieb entwickeln und ihn nicht von anderen Konzernen zukaufen. Partner dabei ist seit 2016 die italienische Firma Magneti Marelli. Eingesetzt werden die Autos in Kooperation mit dem spanischen Rennstall Campos Racing, nur in „Season 1“ hatte man noch auf das britische Carlin-Team gesetzt.

Der Teamchef ist allgegenwärtig

Als das Gesicht von Mahindra Racing in der ABB FIA Formula E Championship gilt der charismatische Teamchef Dilbagh Gill. Er ist Herz und Seele des Teams. Seit rund zwei Jahrzehnten arbeitet Gil für Mahindra Racing, im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit der FIFA war er auch einer der wichtigsten Verantwortlichen für die Software bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika. 2013 wurde er Teamchef bei Mahindra Racing. Typisch für den kommunikativen Inder ist sein gutes Verhältnis zu seinen Ex-Piloten: Nick Heidfeld ist nun sein persönlicher Berater, Felix Rosenqvist, der in den USA Karriere machen möchte, springt bei Bedarf als Ersatzfahrer ein. Heidfeld sorgt übrigens für eine kuriose Verbindung von Formel 1 und Formel E: In der Geschichte beider Serien ist der Mönchengladbacher jeweils der Pilot, der am meisten Top-3-Ergebnisse erzielt hat, ohne je ein Rennen gewonnen zu haben.

Jerome d’Ambrosio, Mahindra Racing, feiert seinen Sieg in Marrakesh mit Dilbagh Gill, CEO und Teamchef, Mahindra Racing. (Foto: Alastair Staley / LAT Images)

Die Piloten sind beide neu im Team

Jerome D´Ambrosio, der zum Teil in Wien lebt, ist nach zwei Rennen Führender der Meisterschaft. Er hat jedes Formel-E-Rennen in der Geschichte bestritten, ist aber erst seit dieser Saison bei Mahindra Racing. Pascal Wehrlein fuhr in der Formel 1 für Manor GP und Sauber, 2015 wurde er DTM-Meister. Neben seinem Job bei Mahindra Racing ist der Ex-Mercedes-Junior nun auch Testfahrer von Ferrari F1. Wehrlein, dessen Mutter aus Mauritius stammt, war für viele Experten lange ein Formel-1-Weltmeister der Zukunft. Möglich, dass er nun eines Tages aber Champion in der Zukunftsserie Formel E wird. Klingt ähnlich, und ist doch ganz anders.

"In einem Formel-E-Rennen und bei diesen Stadtkursen kannst du als Fahrer noch den Unterschied machen. Das ist es, was mich reizt."
Pascal Wehrlein, Mahindra Racing
Gerald Enzinger