Fünf Themen, die die fünfte Saison der Formel E prägen werden 5 Minuten Lesezeit
Formel E

Fünf Themen, die die fünfte Saison der Formel E prägen werden

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Die Formel E boomt – schon bei den ersten Testtagen der Elektro-Serie in Valencia war klar zu erkennen, dass ein neues Zeitalter in der Meisterschaft anbricht: eine völlig neue Generation von Autos, prominente neue Piloten, zahlreiche Features und der Startschuss für die „voestalpine European Races“. Hier sind die Themen, die die kommende Saison der ABB FIA Formel E Meisterschaft spannend machen werden.

Motorsport-Journalist Gerald Enzinger berichtet aus Valencia

1. Die neuen Boliden

Im englischen Donington waren es Wochen des Wiedersehens. Denn nach und nach kehrten die Rennwagen der ersten vier Saisonen wieder zurück in das Formel-E-Hauptquartier. Im Gegensatz zu fast allen anderen Rennserien bleiben die nur verleasten Einheits-Chassis im Besitz des Veranstalters. Und es wurden nicht mehr verwendet als die beiden, mit denen die Fahrer die Rennen bestritten haben. Jetzt, nach 45 Rennen, gehen die Autos in Pension.

Ab sofort kommt eine neue Generation Rennautos zum Einsatz – die Generation 2. Und diese Boliden befördern den Piloten nicht nur in atemberaubenden 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h, sondern die Serie auch in ein höheres Level. Da die Batterien nun imstande sind, Leistung für mehr als 45 Minuten zu speichern, entfällt der Fahrzeugtausch – der ja viele Motorsport-Puristen an der Formel E gestört hatte und der auch als Sicherheitsrisiko galt, da es beim Anschnallen im zweiten manchmal Probleme gab.

Formel E Testtage

Alexander Sims (BMW): Testbestzeit am ersten Tag. Sein Gen2-Auto beschleunigt in 2,8 Sekunden von null auf 100 km/h

2. Die neuen Piloten

In den letzten Stunden vor dem Teststart wurde die Liste der 22 teilnehmenden Fahrer noch einmal aufpoliert. Mit Pascal Wehrlein, der 2017 fast neben Lewis Hamilton im Mercedes-Formel-1-Team gelandet wäre, und Stoffel Vandoorne kommen zwei noch immer junge Top-Talente zur Formel E. Kurios aber, dass der Belgier (zuletzt im Formel-1-Team von McLaren neben Fernando Alonso) für HWA fährt, aber Ex-HWA-DTM-Meister Pascal Wehrlein für Mahindra Racing. Der Deutsche möchte seiner Karriere einen Neustart geben, unabhängig vom Mercedes-Konzern. Gary Paffett, der 42 Stunden vor dem Testbeginn noch DTM-Meister geworden ist, wechselt dagegen gemeinsam mit HWA in die Formel E. Und mit Felipe Massa (Venturi) kommt ein früherer Formel-1-Vizeweltmeister in die Serie.

Formel E Piloten

Die neuen Stars. Stoffel Vandoorne, Robin Frijns (schon Formel E-erfahren), Felipe Massa und Pascal Wehrlein fahren in der Formel E 2018/19

3. Die neuen Teams

Gary Parrett

Gary Paffett (HWA): 42 Stunden nach seinem DTM-Titel in der Formel E unterwegs

Die Formel E ist angesagt. Vor allem auch bei den deutschen Premium-Herstellern. Deshalb tritt nach Team-Meister Audi nun auch BMW offiziell als eigenes Werksteam an. Die beiden bayrischen Marken bekämpfen sich ja auch in der DTM – eine ideale Kombination an Serien, wie BMW-Motorsportchef Jens Marquardt findet. Deshalb sind die Kalender der beiden Meisterschaften nun auch aufeinander abgestimmt. Ab „Season 6“ bekommen die beiden Bayern aber Konkurrenz aus Schwaben: Le-Mans-Rekordsieger Porsche kommt in die Elektro-Serie, dazu wird dann aus HWA das offizielle Mercedes-Einsatzteam. Alle vier „großen“ deutschen Luxusmarken in einer Serie, das gab es werksseitig so noch nie!

Formel E Testdays

ucas di Grassi (Audi) – Der Ex-Meister zählt auch im Boliden der zweiten Generation zu den Favoriten

Und wie ernst es diese Konzerne meinen, sah man an Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Der hatte am Montag Hochzeitstag und nutzte den Tag, um auf der Reise zum Formel-1-Grand-Prix nach Austin noch kurz mit seiner Frau nach Valencia zu fliegen und das HWA-Team auf die neue Mission einzuschwören: „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen und es die Mitarbeiter spüren zu lassen, dass uns die Formel E viel bedeutet.“Dazu kommt ein weiteres Werksteam: Nissan übernimmt den Part von Konzernschwester Renault. Den Einsatz leitet aber weiterhin die Mannschaft von DAMS, die ja schon Sebastien Buemi zum Titel führte.

4. Die erste Teamchefin

Apropos Toto Wolff: seine Frau Susie wird beruflich nun zur Gegnerin. Sie ist seit dem Ende der vergangenen Saison Teamchefin bei Venturi. „Jetzt weiß ich, warum sie in den vergangenen Jahren bei meinen Telefongesprächen so gut zugehört hat“, sagt Toto Wolff augenzwinkernd. Am Steuer gilt sie als die schnellere des Ehepaares: Sie ist die letzte Frau, die als Pilotin an einem offiziellen Formel-1-Training teilgenommen hat. Dass die Austro-Schottin Potenzial zu einer guten Teamchefin hat, ist unbestritten – am Steuer des Autos wird man sie aber nicht sehen: Sie hat immer klargestellt, als Mutter (Sohn Jack ist ein Jahr alt) keine Rennen mehr zu fahren. Gute Piloten für ihr Team hat sie gefunden: Neben Felipe Massa fährt auch Edo Mortara, einer der besten DTM-Piloten der letzten Jahre.

5. Die neuen Rennformate – und Startschuss für die „voestalpine European Races“

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voestalpine als neuer Hauptsponsor der Europarennen

Im Vorjahr gab es zum ersten Mal ein Rennen in der Schweiz, in Zürich. Das war das erste Rundstreckenrennen seit 1955 bei den Eidgenossen. Nun wechselt der E-Prix nach Bern, in die Hauptstadt. Und dieses Rennen wird einen besonderen Status haben. So wie die anderen Rennen am Kontinent, also in Rom, Paris, Berlin und Monaco zählt Bern zu den „voestalpine European Races“ – so etwas wie der „Grand Slam“ der Formel E an grandiosen Schauplätzen in einigen der schönsten Städte Europas. Erstmalig in der Geschichte gibt es also die Chance, sich den Titel des “Europameisters” im vollelektrischen Motorsport zu erkämpfen.

Und die Rennen selbst bekommen neue Features: So geht ein Lauf nun über 45 Minuten plus eine Runde. Der Zusatzpunkt für die schnellste Runde entfällt – stattdessen bekommt der Fahrer einen Extra-Zähler für die Meisterschaft, der am Ende des Rennens noch die meiste Restenergie im Akku hat.
Und: Die Piloten können einen „Attack-Mode“ verwenden. Indem sie durch eine speziell markierte Aktivierungszone fahren, können sie Extra-Energie laden und die Leistung von 200 kw auf 225 kw kurzfristig erhöhen. Wie oft und wie lange sie das dürfen, ist von Rennstrecke zu Rennstrecke verschieden. Und dazu kommt, wie gewohnt, der Fanboost, mit dem Fahrer von den Fans mit Extra-Energie ausgestattet werden können.
Aber an Energie und an Ideen scheint es den Machern dieser Serie sowieso nicht zu mangeln.

 

Gerald Enzinger