Formel E schreibt Geschichte in der Frauen-Bewegung 4 Minuten Lesezeit
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Formel E schreibt Geschichte in der Frauen-Bewegung

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Die ABB FIA Formula E Meisterschaft der Season 5 schreibt weiter eine sensationelle Geschichte nach der nächsten – diesmal in Hongkong sogar Geschichte im Sinne von Historie, historisch. Denn durch den Sieg des Schweizer Venturi-Piloten Edo Mortara gewann zugleich auch zum ersten Mal in der Geschichte des hochrangigen Motorsports auch ein Team, das eine Frau als Teamchefin hat. Und so ist die Austro-Schottin Susie Wolff nun ein Fall für die Rekordbücher. Die wichtigsten Kapitel im Drama von Hongkong 2019.

Die Frau, von der man spricht

Frauen-Bewegung Formel E

Testpilotin Simona de Silvestro mit der erfolgreichen Teamchefin Susie Wolff (rechts). Foto: ABB FIA Formula E

Alejandro Agag, der Seriengründer der ABB FIA Formula E Meisterschaft hatte seine Freude. Kaum, dass der Sieg des Venturi-Piloten Edoardo Mortara feststand, postete er einen Gruß an Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: „Mr. Wolff…your wife just beat you to win a race this year. Big credit to the first woman Team Principal ever to win an International FIA race!!!“ Die Schottin hat ihrem österreichischen Mann, der am Sonntag in Melbourne mit seinem Weltmeisterteam in die neue Saison startet, also einiges vorgelegt. Eine sensationelle Leistung: War Venturi am Anfang der Saison noch hinten, so hat man in den vergangenen Wochen eine atemberaubende Lernkurve. Mortara wurde Vierter, Dritter – und nun Erster. „Susie ist eine unglaublich inspirierende Person, die sehr klar analysieren kann und so das Team so aufgestellt hat, dass wir so große Schritte machen konnten“, sagt er. Felipe Massa wurde in Hongkong Fünfter – dabei nimmt kein Team so viele Punkte aus Hongkong mit wie das kleine monegassische Privatteam. Und in der Team-Meisterschaft ist Venturi Vierter, nachdem man den „Giganten“ und (einstigen?) Meisterschafts-Favoriten BMW überholt hat. Große Party gab es in Hongkong freilich keine – die Teamchefin eilte heim nach Europa, um ihren schon sehnlichst vermissten kleinen Sohn Jack, der bei Susies Eltern war, wieder in die Arme schließen zu können. Die Formel E, die Serie für moderne Mütter, die den Motorsport, der seit 100 Jahren als Macho-Revier gilt, neu ordnet.

Der Sieger, ein echter Europäer

Der Mann, der Susie Wolff in die Rekordbücher fuhr, ist Edo Mortara, der Sieger des Rennens. „Ausgerechnet Hongkong“, lacht der langjährige DTM-Star (erst Audi, dann Mercedes), der in den vergangenen Jahren dort der Teamkollege des Tirolers Lucas Auer war. Denn Mortara gilt als echter Experte für chinesische Stadtkurse – auf der nahe gelegenen legendären Strecke in Macau ist er sowohl in der Formel 3 als auch im GT-Sport einer der erfolgreichsten Piloten aller Zeiten. Mortara fährt übrigens erst seit zwei Jahren mit Schweizer Lizenz, der in Genf lebende Rennfahrer besitzt auch einen italienischen Pass, den französischen hat er zurückgegeben. Angesprochen auf die bald in Rom beginnenden ‚voestalpine European Races‘ fühlt er sich natürlich als Hausherr und lacht:

"Für mich ist ja fast jedes Rennen in Europa ein Heimrennen, ich bin wahrscheinlich der Prototyp des modernen Europäers. Umso mehr freue ich mich auf diese Rennen."
Edo Mortara
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Foto: ABB FIA Formula E

Der neue Leader war der heimliche Verlierer

Gerade bei dem Rennen der Formel E, das zum ersten Mal auch live beim britischen Sender BBC übertragen wurde, konnte Sam Bird (Virgin) die Führung in der Meisterschaft übernehmen. Seine Freude war aber getrübt. Denn Bird, der ursprünglich als Sieger auf das Podium gekommen war, bekam zwei Stunden nach dem Rennen eine 5-Sekunden-Zeitstrafe – und damit fällt man in der superengen Formel E von Platz 1 auf Rang 6 zurück. Grund der Bestrafung: ein zu hartes Manöver im Duell gegen Leader Andre Lotterer (DS Techeetah). Dabei zerstörte er einen Reifen am Auto des Deutschen, der zutiefst unglücklich war. Bird dürfte das Unheil aber wohl schon geahnt haben, sein Jubel am Podium war sehr verhalten. „So etwas passiert. Aber in solchen Fällen gibt es immer wieder Strafen.“ In der Meisterschaft führt er nun trotzdem – da die beiden Mahindra-Piloten Jerome DÁmbrosio und Pascal Wehrlein vorzeitig aufgeben musste, sie wurden Opfer eines Unfalls von Felipe Nasr, der in die Bande krachte. Die beiden konnten nicht mehr ausweichen.

Die Deutschen sind unterwegs

Die Woche vor dem Hongkong-E-Prix war eine besondere für die Formel E. Erst präsentierte Mercedes beim Automobilsalon in Genf zum ersten Mal das „Test-Design“ seines Boliden, die Schwaben sind ja ab 2019/20 offiziell dabei. Und „Lokalrivale“ Porsche hatte in Weissach beim eigenen Entwicklungszentrum das offizielle Rollout seines neuen Rennwagens. Am Steuer: Neel Jani, wie Mortara ein Schweizer. Geführt wird das Projekt bei Porsche von Motorsportchef Fritz Enzinger, einem Steirer.

Mehr Informationen zur Formel E und den voestalpine European Races: www.voestalpine.com/formele

Gerald Enzinger