Formel E in Monaco: Die Formel der Zukunft auf historischem Boden 4 Minuten Lesezeit
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Formel E in Monaco: Die Formel der Zukunft auf historischem Boden

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Halbzeit bei den voestalpine European Races im Rahmen der ABB FIA Formula E Meisterschaft 2018/19! Und es könnte kaum einen würdevolleren Ort dafür geben: Monaco. Im Fürstentum, dort, wo seit 90 Jahren Autorennen ausgetragen werden. Und wo seit 2015 im Zweijahrestakt die Zukunft des Motorsports zu erleben ist und man den rasanten Aufstieg dieser boomenden Rennserie besonders gut verfolgen kann. Die wichtigsten Facts im Schnell-Durchlauf.

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Nirgendwo wird internationaler gefeiert als in der Formel E

Acht Rennen, acht verschiedene Sieger, sieben verschiedene Sieger-Teams, sechs verschiedene Gewinner-Antriebshersteller – die Vielfalt in der abwechslungsreichen Meisterschaft sorgt für Aufsehen. Doch es gibt noch einen Punkt, der zeigt, wie international erfolgreich die ABB FIA Formula E Meisterschaft ist: Die acht Sieger dieser Saison kommen aus acht verschiedenen Nationen: aus Portugal, Belgien, Großbritannien, Brasilien, der Schweiz, Frankreich, Neuseeland und zuletzt aus den Niederlanden. Und ein Sieger aus Deutschland ist nur mehr eine Frage der Zeit, mit Andre Lotterer, Daniel Abt, Pascal Wehrlein und Maximilian Günther gibt es gleich vier Kandidaten dafür.

Streckenverlauf

Streckenverlauf

Monaco als Heimspiel für ein Sieger-Team

Das VENTURI Formula E Team ist als einziges Team in Monaco beheimatet und hat kürzlich unter der Regie von Teamchefin Susie Wolff und mit Edoardo Mortara am Lenkrad zum ersten Mal ein Rennen in der Formel E gewonnen. Venturi hat eine große Tradition bei Elektro-Autos, und bereits einige Weltrekorde in diesem Bereich aufgestellt. So etwa 2010, als ein Citroen Berlingo First, powered by Venturi, die rund 14.000 km lange Strecke von Shanghai nach Paris zurückgelegte und damit einen Streckenrekord für Elektro-Serienfahrzeuge aufstellte. Und in enger Zusammenarbeit mit der Ohio State University und mit einem Jamais Contente stellte Venturi Geschwindigkeitsrekorde für Elektroautos auf: 2009 mit im Schnitt über 487 km/h (auf Basis von Brennstoffzellen), 2010 mit Batterien und einem Schnitt von über 495 km/h. Top-Speed: 515 km/h.

Viel Applaus für Andre Lotterer, den Führenden der voestalpine European Races

Andre Lotterer

Andre Lotterer

In Monaco lebt auch der Duisburger Andre Lotterer. Mit zwei zweiten Plätzen bei den beiden Europa-Rennen in Rom und Paris ist der Deutsche nun auch Zweiter in der ABB FIA Formula E Championship – und zugleich Führender in der Wertung der voestalpine European Races. Mit seinen Aussagen nach dem Regenrennen in Frankreich hat der Pilot von DS TECHEETAH zudem für Aufsehen gesorgt: Sein leidenschaftliches Plädoyer für die Formel E, sein Erfahrungsbericht vom Rennen („Nie zuvor hatte ich so wenig Grip in einem Rennauto“) und der hohen fahrerischen Qualität dieser Art von Racing, all das wurde in sozialen Netzwerken zehntausende Mal geteilt, auch Kollegen wie Jerome D´Ambrosio, Robin Frijns und Daniel Abt stimmten ihm begeistert zu. Kein Wunder: Lotterer gilt in Fahrerkreisen als absolute Ikone, er hat drei Mal den Langstrecken-Klassiker in Le Mans gewonnen und ist auch in Japan, wo er Superformula und SuperGT gewann, eine Legende. Seine Wertschätzung für die sportliche Klasse der Formel E gilt als besonders kompetent.

Maxi Günther nutzt seine Chance mit Bravour

Maximillian Günther hat mit seinem fünften Platz in Paris bewiesen, wie wertvoll er für sein Team GEOX DRAGON ist. Der Fahrer mit österreichischen Wurzeln hatte sich zuletzt im Cockpit ja mit dem Brasilianer Felipe Nasr abgewechselt. Doch die Ergebnisse sprechen eindeutig für den Allgäuer.

Kann Sebastien Buemi seine Monaco-Siegesserie fortsetzen und damit seine Pechserie beenden?

Die Headline klingt verwirrend, ist aber wahr. Der Schweizer Sebastien Buemi ist in der Formel E in Monaco noch ungeschlagen, er gewann sowohl 2015 als auch 2017. In dieser Saison ist der Rekordsieger der Formel-E-Geschichte (12 E-Prix-Triumphe) aber – wie sein Team Nissan e.dams – immer noch ohne Sieg, obwohl man vor allem im Qualifying oft bei den absolut Schnellsten dabei ist. Gut möglich, dass er oder sein Teamkollege Oliver Rowland in Monaco auftrumpfen – und die Formel E ein weiteres Siegerteam in dieser Saison dokumentieren kann.

Die aufregende Entwicklung der Formel E begeistert auch Legenden

Der Schotte Allan McNish wird heuer 50 und er gilt als Legende im Rennsport. Der Teamchef von Audi Sport ABT Schaeffler gewann als Fahrer drei Mal in Le Mans. Er ist begeistert von der Entwicklung der ABB FIA Formula E Meisterschaft: „2015 war ich hier privat in Monaco, wo ich mit meiner Familie lebe. Und um ehrlich zu sein: ich fand das alles nicht gerade prickelnd. Doch dann kam ich 2017 wieder – und es war einfach nur: wow! Die Entwicklung und der Fortschritt, den diese Serie und diese Autos machen ist atemberaubend – und jetzt sind wir in der 5. Saison und sie ist in jeder Hinsicht sensationell und beeindruckend. Das ist die Zukunft!“

Das dritte der voestalpine European Races startet am Samstag, dem 11. Mai 2019, um 16.30 Uhr. ORF eins überträgt live.

Gerald Enzinger