Eine Elf, die elektrisiert: Die 11 Teams der Formel E Saison 2018/19 im Überblick 6 Minuten Lesezeit
Formel E

Eine Elf, die elektrisiert: Die 11 Teams der Formel E Saison 2018/19 im Überblick

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

In rund einem Monat beginnt die so heiß erwartete fünfte Saison der ABB FIA Formel E Meisterschaft – die mit einer komplett neuen und verbesserten Fahrzeug-Generation (Gen2), vielen neuen Stars und den „voestalpine European Races“ ein großes Spektakel garantiert. Am Ende der bislang spannendsten Transferzeit der Überblick: Welche Teams sind dabei und wer fährt für wen?

Audi Sport Abt Schäffler
11 Lucas di Grassi (Brasilien)
66 Daniel Abt (Deutschland)

Der regierende Meister in der Team-Wertung. Mit dem Einsatzteam Abt von Anfang an in der Formel E vertreten, seit der Season 4 ist der Audi-Werksstatus auch offiziell. Interessant: Beide Piloten sind von Rennen 1 an im Team dabei: Di Grassi, Meister der Season 3 und Ex-Formel-1-Pilot, gilt als einer der großen Vordenker im Rennsport der Zukunft und ein zentraler Botschafter der Formel E. Zudem ist der Brasilianer auch Geschäftsführer von Roborace. Daniel Abt (Meisterschafts-Plätze 11/7/8/5) hat längst bewiesen, dass er seinen begehrten Job nicht seinem Nachnamen verdankt. Zuletzt gewann er sowohl in Mexiko als auch beim Heimrennen in Berlin.

DS TECHEETAH
25 Jean-Eric Vergne (Frankreich)
36 Andre Lotterer (Deutschland)

Die beiden Piloten bilden ein im Motorsport ungewöhnliches Gespann: Sie sind nämlich auch so etwas wie „beste Freunde“, was unter Teamkollegen höchst unüblich ist. Beide haben Vergangenheit als Red-Bull-Junioren, Lotterer gilt (interessanterweise neben E-Rivalen Buemi) als der wohl beste LMP1-Langstreckenfahrer dieses Jahrzehnts. Vergne war lange Teamkollege von Dani Ricciardo bei Toro Rosso, er scheiterte im „Shoot Out“ um den Platz bei Red Bull Racing nur knapp. Dafür avancierte er in der Formel E schnell zum Star – und in der vergangenen Saison zum Meister. Der Österreich-Fan gilt als zweikampfstark und zudem als sehr stark im Simulator. Wichtig: Das chinesische Privatteam TECHEETAH, das in der vierten Saison sensationell den Meister hervorbrachte, wechselt nun den Technologie-Partner. Bislang mit Antrieb von Renault unterwegs, ist nun DS Automobiles der Motor hinter den künftigen Erfolgen.

Envision Virgin Racing
2 Sam Bird (Großbritannien)
4 Robin Frijns (Niederlande)

Virgin war bislang das Partnerteam von DS – doch die Franzosen vertrauen nun auf TECHEETAH. Virgin, mit neuer Eigentümerstruktur und mit chinesischen Investoren, setzt jetzt auf Power von Audi. Der neue Pilot Robin Frijns, der zum Formel-E-Star Sam Bird stößt, ist für Audi auch in der DTM unterwegs.

Mahindra Racing
64 Jerome D´Ambrosio (Belgien)
94 Pascal Wehrlein (Deutschland)
Ersatzfahrer: Felix Rosenqvist (Schweden)

Die Inder vermelden einen der spektakulärsten Fahrer-Transfers: Pascal Wehrlein, der als eines der größten Formel-1-Talente der vergangenen Jahre gilt, kommt ins Team. Der Deutsche, dessen Mutter aus Mauritius kommt, fand sich beim Test in Valencia rasch zurecht. Beim Saisonauftakt wird er aber fehlen- er ist noch bis 31. Dezember bei Mercedes unter Vertrag und bekommt keine frühzeitige Freigabe. Vielleicht deshalb, da er im Ferrari-Formel-1-Team als Testfahrer im Gespräch ist. Wehrlein wird beim Saisonauftakt von Felix Rosenqvist ersetzt, der hauptberuflich in der Indycar unterwegs ist und lange für Mahindra fuhr. Gesetzt ist Jerome D´Ambrosio. Der Belgier hat ebenfalls Formel-1-Vergangenheit – und er lebt zum Teil in Wien, gemeinsam mit seiner Freundin Eleonore Habsburg.

Nissan e.dams
22 Alex Albon (Thailand)
23 Sebastien Buemi (Schweiz)
Ersatzfahrer: Oliver Rowland (Großbritannien)

Der frühere Meister Renault hat die Formel E verlassen, ab nun fährt das Einsatzteam DAMS seine Autos unter der Regie von Renaults Partner Nissan ein. Buemi (der kurioserweise in der WEC Werkspilot des Nissan-Rivalen Toyota ist) bleibt an Board, um den zweiten Fahrer herrscht nach dem Abgang von Nico Prost Verwirrung. Eigentlich hat der Engländer Alex Albon (dessen Vorfahren aus Thailand sind) unterschrieben, doch Albon scheint nun auf ein fixes Formel-1-Cockpit 2019 im austro-italienischen Team Toro Rosso zu hoffen.

Panasonic Jaguar Racing
3 Nelson Piquet jr. (Brasilien)
20 Mitch Evans (Großbritannien)

Jaguar geht mit einer unveränderten Fahrer-Paarung in die neue Saison. Piquet ist ein wichtiger Teil der Geschichte der Formel E – war er doch der erste Meister der Serie. Was auch insofern spannend ist, da ja sein Vater Nelson senior 1983 ebenfalls Geschichte als Pionier geschrieben hatte: er war der erste Weltmeister der Formel 1, der mit einem Auto mit Turbo-Antrieb unterwegs war, einem Brabham-BMW.

Venturi Formula E Team
19 Felipe Massa (Brasilien)
48 Edoardo Mortara (Schweiz)

Weil wir schon bei historischen Besonderheiten sind: 2008 gab es in Brasilien das spannendste Formel-1-Finale aller Zeiten, zwischen Lewis Hamilton und Felipe Massa. Ab jetzt haben die beiden eine weitere Gemeinsamkeit: Hamiltons Chef bei Mercedes ist der Wiener Toto Wolff, während Formel-E-Neuzugang Felipe Massa bei Venturi unter der Regie von Wolffs Frau Susie fährt. Die Austro-Schottin ist die einzige Teamchefin in der Formel E und sie will das Privatteam aus Monaco binnen weniger Jahre an die Spitze bringen. Mithelfen kann dabei auch der zweite Fahrer: Edoardo Mortara, zuletzt in der DTM, hat schon seit seiner Jugend den Ruf, auf Stadtkursen besonders gut zu sein. Und nur solche gibt es in der Formel E.

NIO Formula E Team
8 Tom Dillmann (Frankreich)
16 Oliver Turvey (Großbritannien)

NIO ist quasi das Pendant zu Tesla aus China und daher in der Formel E natürlich bestens aufgehoben. Unter dem Namen „NextV“ holte das Team mit Nelson Piquet auch schon einen Titel. Nun vertraut man (weiter) auf die Formel-1-E-Routiniers Dillmann & Turvey.

GEOX DRAGON
6 Maximillian Günther (Deutschland)
7 Jose Maria Lopez (Argentinien)

Dragon ist das Team von Jay Penske, dem Sohn der Rennsport-Legende Roger Penske und von Anfang an in der Formel E mit dabei. Jose Maria Lopez ist dreifacher Tourenwagen-Weltmeister, Maximillian Günther, geboren in Oberstdorf, wurden nun als letzter Pilot für diese Saison bestätigt – dank seiner starken Testleistungen in Valencia. Der Vater von Günther, der 2018 in der Formel 2 unterwegs war, ist Österreicher.

BMW i Andretti Motorsport
27 Alexander Sims (Großbritannien)
28 Antonio Felix da Costa (Portugal)

Ein historischer Moment in der schier unaufhaltsamen Entwicklung der Formel E zu einer der begehrtesten Rennserien der Welt: Ab sofort tritt auch die Motorsport-Ikone BMW als Werksteam an und unter dem eigenen Namen. Prompt brillierte das neue Auto bei den Tests in Valencia. So wird BMW bereits als Titelfavorit gehandelt – vor allem mit Antonio Felix da Costa. Der Portugiese, der – wie viele in dieser Meisterschaft – bei Red Bull ausgebildet und dementsprechend oft in Österreich war, fährt zudem auch GT-Rennen für BMW. Auch er war schon in der Formel 3 bei Stadtrennen immer sensationell gut – immer ein gutes Zeichen, dass ein Fahrer sich dann auch in der Formel E wohlfühlt. Alex Sims kommt aus dem GT-Programm von BMW – alleine, das er sich gegen größte Konkurrenz diesen begehrten Platz im Team sichern konnte, zeugt von Klasse.

HWA Racelab
5 Stoffel Vandoorne (Belgien)
17 Gary Paffett (Großbritannien)

Während BMW und Audi mittlerweile offiziell unter dem eigenen Namen in der Formel E aktiv sind, ist es nun Mercedes, dass mit dem jahrzehntelangen Partner HWA als Vorhut das Terrain in der Formel E erkundet. In der Season 6 (in der auch Lokalrivale Porsche kommt) wird aus HWA das Mercedes-Werksteam. Oberster Chef ist Toto Wolff, in der Formel E leitet Uli Fritz den Einsatz, der zuletzt in der DTM Gary Paffett zum Titel führte. Jenen Paffett, der nun volley als DTM-Champion in die E-Serie wechselt. Paffetts erste Erkenntnisse? „Dass es zwischen den Qualifyings, die mit voller Energie, gefahren werden und den Rennen, enorme Unterschiede geben wird. De facto braucht man zwei verschiedene Fahrstile.“ Stoffel Vandoorne, der Belgier, ist eine Überraschung im Fahrer-Kader. Zuletzt war er im Formel-1-Team von McLaren.

"Als Toto Wolff mich im September fragte, war ich sofort begeistert. Ich finde es sehr spannend, in einer so zukunftsweisenden Serie zu fahren."
Jenen Paffett

Gary Paffett

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Gerald Enzinger