Das waren die Formel E Test Days 2018 3 Minuten Lesezeit
Formel E

Das waren die Formel E Test Days 2018

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Es war die erste Standortbestimmung in der neuen Ära der ABB FIA Formel E Meisterschaft: Pfeilschnelle Boliden, Weltklasse-Fahrer und Vorfreude auf die voestalpine European Races! Die Formel E Test Days in Valencia hatten einiges zu bieten. Hier ist die Rennaction der letzten Woche noch einmal zusammengefasst.

60 Tage vor dem geplanten Saisonstart in Diriyya bei Riad begann die einzige gemeinsame Testwoche aller Teams. Und das, wie es sich für die Formel E naturgemäß gehört, unter Hochspannung: Wie werden sich die Boliden der zweiten Generation beim allersten „Jahrgangstreffen“ verhalten? Wie funktionieren die neuen Autos und die neuen Antriebssysteme? Wie schlagen sich die zahlreichen neuen Piloten, darunter auch sehr prominente Fahrer aus der Formel 1 und der DTM? Und dann kam noch ein Überraschungs-Modus dazu: Ausgerechnet in Valencia regnete es tagelang teilweise stark. Und auch wenn einige Tests verzögert stattfanden, konnten die elektrischen Boliden doch auch bei dann leichten Regenfällen ihre Qualitäten und ihre gute Fahrbarkeit zeigen. Hier die ersten Erkenntnisse.

Starke Bayern

Für die Truppe aus der Oktoberfest-Metropole war der Oktobertest in jeder Hinsicht ein Fest: Auf Anhieb konnte BMW, das nun offiziell als Werksteam auftritt, seinen Speed zeigen. Antonio Felix da Costa erzielte mit 1:16,977 die schnellste Zeit der Woche, sein neuer Teamkollege Alex Sims (ein Engländer, der zuletzt GT-Programme für BMW gefahren ist) war mit 1:17,402 Dritter. Da ja alle Teams unterschiedliche Testprogramme haben, ist die Bedeutung dieser Zeiten noch nicht ganz klar, selbst wenn Analyse-Programme von Experten BMW auch bei einer objektiven Betrachtung der Performance ganz vorne sehen. Aber, wie sagt Audi-Pilot Daniel Abt? „Wir testen hier auf einer Rennstrecke – sobald wir wieder, wie in der Meisterschaft üblich, auf einem Stadtkurs sind, kann wieder alles anders sein.“

Ein bescheidener Bester

Antonio Felix da Costa, der Test-Beste, hat starken Österreich-Bezug. Als langjähriger Red-Bull-Junior hat der Portugiese viel Zeit im Trainingszentrum in Thalgau verbracht, wie auch seine Formel-E-Rivalen Vergne oder Buemi. Die anderen beiden waren zuletzt als neue (alte) Piloten im Formel-1-Team von Toro Rosso im Gespräch, Felix da Costa sah sich nie als Kandidat: „Ich fühle mich in der Formel E und im GT-Sport, wo ich unterwegs bin, extrem wohl. Das ist jetzt meine Welt.“

Der neue Star

Mit Vergne, Di Grassi, Felix da Costa und Buemi waren vier Formel-E-Routiniers auch mit den neuen Autos auf Anhieb schnell. Doch wie haben sich die neuen Stars geschlagen? Neben Alex Sims wirkte vor allem Mahindra-Neuzugang Pascal Wehrlein sehr stark. Der Deutsche Ex-Mercedes-F1-Ersatzfahrer hatte sich erst sehr spät entschieden, das Mahindra-Angebot anzunehmen und war nach dem ersten Testtag offen und ehrlich: „Ich habe mich noch nicht mit den neuen Regeln der Formel E beschäftigt.“ Umso beeindruckender waren seine Zeiten am Mittwoch und Freitag – der hochtalentierte Ex-DTM-Champion wird eine Bereicherung für die Formel E. Und nebenbei könnte er übrigens auch in der DTM bleiben – das die Kalender der beiden Serien aufeinander abgestimmt sind, könnte es einigen Fahrern erlauben, beide Meisterschaften zu bestreiten. Ein Kandidat dafür: Robin Frijns (Virgin bzw. Audi)

Das Top-Team mit Zukunft

HWA kommt als frischgebackener Meister eben jener DTM in die Formel E – und absolvierte 875 Testkilometer. „Ich hätte mir gewünscht, noch mehr zum Testen zu kommen“, analysiert Gary Paffett, der binnen 42 Stunden vom DTM-Meisterpodium in die Formel E gewechselt war. Und der Meister ist plötzlich wieder ein – ambitionierter – Lehrling: „Wie holt man das Beste aus dem Auto raus, wie muss man mit so einem Formel-E-Rennwagen umgehen?“ Erste Erkenntnisse hat er aber schon: „Die Fahrstile im Qualifying und im Rennen sind völlig verschieden.“ Sein neuer Teamkollege hatte noch mehr Probleme: Stoffel Vandoorne. Kein Wunder: Montag war der Belgier erst im HWA-Rennstall angekommen, Mittwoch Abend musste er schon wieder zur Formel 1 nach Austin fliegen – „und dazwischen gab es viel Lehrreiches für mich. Ich brauche noch Zeit, aber freue mich schon auf die Zeit in der Formel E.“

Vorfreude auf die voestalpine European Races

Die fünf Rennen der Formel E, die in Europa gefahren werden, bilden die „voestalpine European Races“, also eine Art „Europameisterschaft“ oder einen „Grand Slam“ unter den Rennen. Da bis auf die drei Brasilianer Di Grassi, Piquet und Massa alle Piloten der Formel E aus Europa sind (und selbst diese drei in Europa leben), ist die Vorfreude auf die Rennen in Bern, Berlin, Paris, Rom und Monaco entsprechend groß.

"Es ist einfach großartig mitten in einer Stadt wie Paris zu fahren und auf den Eiffelturm zu schauen. Ich denke, genau diese Stadtrennen in den wunderschönen Metropolen Europas sind die DNA der Formel E."
Vorjahres-Meister Jean-Eric Vergne

 

Gerald Enzinger