Bärenstark im Bärengraben: Jean-Eric Vergne, Gewinner der voestalpine European Races Trophy 2019 4 Minuten Lesezeit
Formel E

Bärenstark im Bärengraben: Jean-Eric Vergne, Gewinner der voestalpine European Races Trophy 2019

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Seine Freunde nennen in JEV – und in der ABB FIA Formula E Championship ist er der Chef. Regierender Meister. Aktueller Tabellenführer. Und einer, der am Samstag in die Geschichtsbücher gefahren ist: als erster Gewinner der voestalpine European Races Trophäe. Mit seinem Sieg beim Swiss E-Prix in Bern, der von zehntausenden Fans an der Strecke miterlebt wurde, holte sich der 29-jährige Pariser, der in London lebt, die begehrte Trophäe, die ihm unmittelbar nach dem Rennen von voestalpine-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Eder überreicht wurde.

Mit Siegen in Monaco und Bern sowie einem dritten Platz in Berlin hat sich der Fahrer von DS TECHEETAH diesen Pokal, der Spitzenleistungen speziell honoriert, gesichert. Hochspannung war dabei bis zum letzten Meter garantiert, denn Vergne gewann nur 16 (!) Hundertstelsekunden vor Mitch Evans (Panasonic Jaguar Racing), der laut Vergne zu dieser Zeit am Ende des Rennens „definitiv der Schnellere war“. Doch der wild attackierende Evans kam nicht am Routinier vorbei, der im einsetzenden Regen auch nicht das letzte Risiko nehmen wollte.  So war es Vergne, der am Sonntag früh bei seinem Abflug im Jet vom Flughafen Zürich aus stolz mit dem außergewöhnlichen Pokal posieren konnte. Und der nun alle Chancen hat, als erster Fahrer seinen Titel in der ABB FIA Formula E Championship zu verteidigen: 32 Punkte liegt er vor den beiden Abschluss-Rennen der Saison in New York in Führung, maximal 58 kann ein Pilot bei diesen beiden Läufen noch erobern – dafür müsste dieser aber beide Rennen gewinnen, Samstag und Sonntag aus der Pole Position starten und zudem jeweils die schnellste Runde markieren.

Und so reflektiert Jean-Eric Vergne seinen Erfolg in Bern im O-Ton:

"Als ich in die Schweiz gekommen bin, da habe ich mich wie ein Zombie gefühlt. Nach dem 24-Stunden-Rennen in Le Mans, das für uns heuer sehr unglücklich verlaufen ist, konnte ich zwei, drei Nächte nicht gut schlafen und ich war noch total überdreht und leer zugleich. Auch als ich mich im Simulator auf dieses Rennen vorbereitet habe, war alles noch sehr zäh. Aber als Profisportler kommt dann eben auch der Punkt, wo du reagieren musst – und du weißt: ab jetzt schaue ich nach vor!"

Vergne über das enge Duell um den Sieg …

"Einmal mehr war es ein unglaublich enges Rennen, wie so oft in der Formel E. Mitch Evans war in einigen Phasen des Rennens der schnellere, er war so knapp hinter mir. Und dann hat es kurz vor Schluss auch noch zu regnen begonnen. Es war so tricky, so schwierig zu fahren und die Autos in Griff zu behalten auf dieser unebenen Piste und mit unseren Allwetterreifen, die ja keine klassischen Regenreifen sind."

… und über Glückwünsche zur voestalpine Trophäe und auch schon jetzt zum Titelgewinn in der ABB FIA Formula E Championship, da er in dieser zwei Rennen vor Schluss schon 32 Punkte Vorsprung hat.

"Also was die Meisterschaft betrifft, verbiete ich es mir selbst und auch allen anderen, mir zu gratulieren. 32 Punkte mag viel klingen – doch was ist die Formel E? Sie ist extrem hart umkämpft und voller Wendungen. Daher muss man hier vor allem eines: bei der Sache bleiben! Für uns ist es aber eine Riesen-Leistung, dass wir mit DS TECHEETAH jetzt dort stehen, wo wir sind. Und dass wir den Titel verteidigen könnten, als bislang erste."

Jean-Eric Vergne

Alle Informationen über die voestalpine European Races: https://www.voestalpine.com/formele

Gerald Enzinger