ABB FIA Formel E Meisterschaft: Deutsche Marken dominieren beim Saisonstart 4 Minuten Lesezeit
Formel E

ABB FIA Formel E Meisterschaft: Deutsche Marken dominieren beim Saisonstart

Gerald Enzinger
10 Jahre Chefredakteur der SportWoche und seit 20 Jahren als Journalist auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Österreich u.a. für die Autorevue, www.motorprofis.at und die Kleine Zeitung.

Sie sind unterwegs! Die mittlerweile 24 Piloten und Boliden der ABB FIA Formula E Championship haben mit einem Doppelrennen in Diriyah die Season 6 rasend eröffnet. Bis zum Juli 2020 wird in noch zwölf weiteren Rennen der Meister gekürt und in den fünf Europarennen, in Rom, Paris, Berlin und London (2 Mal) der Sieger des voestalpine European Races Award in dieser so pulsierenden und boomenden Rennserie ermittelt.

In einer Formel, die schon zum Auftakt packende Rennen zu bieten hatte, beeindruckende Vielfalt und sehr starke deutsche Hersteller.

Warum waren die beiden Rennen in Diriyah nahe Riad historisch?

Erstmals in einer internationalen Rennserie treten die vier großen deutschen Premium- Hersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche werksseitig gegeneinander an. Das zeigt welche Bedeutung die ABB FIA Formula E Championship für Autokonzerne hat, sowohl was technische Innovationen betrifft als auch in Bezug auf die Außenwirkung und das Bekenntnis zu einer emissionsfreien Mobilität. Und diese Premiere verlief für „Made in Germany“ äußerst beeindruckend. In beiden Rennen kamen nur Autos mit deutschen Antrieben unter die Top 3, im E-Prix am Samstag waren nur Teams deutscher Hersteller mit Fahrern am Podium vertreten.

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Wie war die Leistung der beiden neuen Teams?

Mit TAG Heuer Porsche und Mercedes-Benz EQ debütierten die beiden schwäbischen Traditions-Marken, die zu den erfolgreichsten Motorsportkonzernen der Welt gehören. Und beide setzten sofort Ausrufezeichen: Der Deutsche André Lotterer stürmte im ersten Rennen von Porsche sofort auf das Podium – er wurde Zweiter. Und der Belgier Stoffel Vandoorne wurde für Mercedes zwei Mal Dritter, damit führt sein Rennstall auch die Team-Wertung an. Mit dem Steirer Fritz Enzinger (Porsche) und dem Wiener Toto Wolff (Mercedes) leiten jeweils österreichische Motorsportchefs den Auftritt ihrer Marken.

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Wer war der schnellste Mann des Wochenendes?

So wie bei den Antrieben in Saudi Arabien Hersteller aus Deutschland dominierten, so regierten fahrerisch Engländer. Sam Bird (Envision Virgin Racing) gewann das Saison-Auftaktrennen, sein Landsmann Alexander Sims (BMW i Andretti Motorsport) den E-Prix am Samstag. Sims war aber der schnellste Mann des Wochenendes: in beiden Rennen holte er sich die Pole Position, inklusive dem letzten Rennen der Season 5 in New York ist er nun also schon seit drei Qualifyings ungeschlagen – ein Rekord in der Rennserie. Mit 35 Punkten führt Sims nun auch in der Meisterschaft.

Was sollte man über den neuen Sieger-Typen Alexander Sims wissen?

Nachdem der Engländer im Vorjahr in der Formel E debütiert hatte und nach zwei Testbestzeiten in Valencia schon in den ersten Rennen Chancen auf den Sieg hatte, begann für ihn eine geradezu unglaubliche Pechserie mit zahlreichen technischen Problemen und zum Großteil unverschuldeten Unfällen. Erst zum Saisonende in New York konnte er sein Können auch in ein Resultat umsetzen und im letzten Rennen Zweiter werden. Bis wenige Wochen vor Saisonbeginn stand nicht offiziell fest, ob er seinen Platz im Team behalten darf, Maximilian Günther wurde Wochen vor ihm als Fahrer bestätigt. „Aber ich habe meine Vorbereitung so gemacht, als ob es klar wäre, dass ich in Diriyah am Start stehe.“ Entsprechend stark nun seine Vorstellung – samt seinem ersten Sieg in einem Formel-Rennen seit dem GP3-Lauf in Spa im August 2013. Neben Sims am Podium stand sein Teamkollege Günther. Der Halb-Österreicher wurde nach der Zermonie noch mit einer 24-Sekunden-Zeitstrafe belegt, da er im Rennen – wie andere – unter Safety-Car-Bedingungen einen Rivalen überholt hatte.

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Warum wurde die amerikanische Hymne gespielt, obwohl BMW gewonnen hat?

BMW kooperiert seit Jahren mit dem amerikanischen Team Andretti, deshalb fährt BMW i Andretti Motorsport mit einer US-Lizenz. Michael Andretti, der Sohn des legendären Teamgründers Mario Andretti und selbst Ex-Formel-1-Pilot, hatte die Ehre mit Sims gemeinsam auf das Siegerpodium zu gehen.

Wie sieht die Bilanz jener Piloten aus, die hier ihr Renn-Debüt gegeben haben?

Der auffälligste der neuen Fahrer war der Niederländer Nyck des Vries (Mercedes Benz EQ), der in beiden Rennen als Sechster durchs Ziel fuhr, am Samstag aber wie viele andere noch eine Zeitstrafe bekam und auf Platz 16 zurückfiel. Als Neunter ist er in der Meisterschaft aber der bestplatzierte Rookie. James Calado (Panasonic Jaguar Racing) ist Elfter, dank Platz 7 im zweiten Rennen. Auch die beiden im Rennsport schon lange höchst erfolgreichen Piloten von GEOX DRAGON, Brendon Hartley und Nico Müller, gaben ihr Formel-E-Debüt. Während der Neuseeländer als Neunter zufrieden sein konnte, konnte der Schweizer DTM-Star am Freitag wegen Problemen gar nicht starten und am Sonntag musste er vorzeitig aufgeben.

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Mit welchen Erkenntnissen gehen die Teams und Fans nun in das neue Kalenderjahr?

Die wichtigste Botschaft: es ist spannend und ausgeglichen wie in der jetzt schon legendären Season 5. In den Qualifyings platzierten sich zum Teil neun verschiedene Teams unter den Top 10.

Meisterschaftsstand nach zwei von 14 Rennen in der Season 6 (2019/20):

1. Sims (BMW i Andretti Motorsport) 35, 2. Vandoorne (Mercedes-Benz EQ Formula E Team) 30, 3. Bird (Envision Virgin Racing) 26, 4. Rowland (Nissan e.dams) 22, 5. Di Grassi (Audi Sport ABT Schäffler) 18, 6. Lotterer (TAG Heuer Porsche Formula E Team) 18, 7. Mortara (ROKiT Venturi Racing) 18, 8. Frijns (Envision Virgin Racing) 10, 9. De Vries (Mercedes-Benz EQ Formula E Team) 8, 10. Abt (Audi Sport ABT Schäffler) 8, 11. Calado (Panasonic Jaguar Racing) 6, 12. Vergne (DS TECHEETAH) 4, 13. Felix da Costa (DS TECHEETAH) 3, 14. D´Ambrosio (Mahindra Racing) 2, 15. Evans (Panasonic Jaguar Racing) 2, 16. Hartley (GEOX DRAGON) 2.AuftaktFormelE_5

Team-Wertung:

1. Mercedes-Benz EQ Formula E Team 38, 2. Envision Virgin Racing 36, 3. BMW i Andretti Motorsport 35, 4. Audi Sport ABT Schäffler 26, 5. Nissan e. dams  22, 6. TAG Heuer Porsche Formula E Team 18, 7. ROKit Venturi Racing  18, 8. Panasonic Jaguar  Racing 8, 9. DS DS TECHEETAH 7, 10. Mahindra Racing 2, 11. GEOX DRAGON 2, 12. NIO 333 FE Team 0.

Gerald Enzinger