Wasserfall-Schaukel beim Höhenrausch 2014 4 Minuten Lesezeit
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Wasserfall-Schaukel beim Höhenrausch 2014

Viktoria Steininger
Redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog, recherchiert und schreibt Viktoria Steininger auch selbst und gibt mit Geschichten Einblicke in den voestalpine-Konzern.

Interview mit dem Erfinder der "Wasserfall-Schaukel" Mike O‘Toole von Dash 7 Design.

Die Wasserfall-Schaukel stellt einen der Höhepunkte beim diesjährigen Höhenrausch in Linz dar. In einem Interview spricht der Erfinder Mike O‘Toole von Dash 7 Design über die Hintergründe und Herausforderungen dieses Projekts.

 

Mike o'Toole

Mike o’Toole

Was können Sie uns zu Ihrer Person und zu Ihrem Unternehmen sagen?

Ich bin Leiter der Gruppe Dash 7 Design, einer Kooperation von Künstlern und Handwerkern. Als Techniker plane ich unsere Projekte. Einige sind ziemlich aufwändig, aber wir versuchen in unserer Freizeit auch neue Dinge auszuprobieren. Idealerweise arbeiten wir an Projekten, die Spaß machen und gleichzeitig kosteneffizient sind – so wie es bei der Wasserfall-Schaukel der Fall ist.

 

Was genau ist die Wasserfall-Schaukel und wie funktioniert sie?

Sie ist eine Idee von uns, an der ich über mehrere Jahre gemeinsam mit drei Freunden – Andrew Ratcliff, Ian Charnas und Andrew Witte – entwickelt und mit Dash 7 Design gebaut habe.

Wasserfall-Schaukel

Wasserfall-Schaukel

Es handelt sich dabei um Schaukeln, die durch eine elektronisch gesteuerte Wasserwand schwingen. Vom Querbalken der fünf Meter hohen, nebeneinander hängenden Schaukeln, rieselt ein feiner Wasserfall. Dieser stoppt immer dann, wenn sich die Schaukelnden darunter befinden.

 

Wann haben Sie mit dem Projekt begonnen?

Alles begann vor rund vier Jahren als Experiment. Wir hatten ursprünglich nur ein Budget von rund 1.200 US-Dollar und verwendeten alle möglichen Materialien wie Eisenschrott und einige billige Bauteile. Aber wir hatten viel Spaß dabei und brachten es schlussendlich zum Laufen.

 

Was war der Beweggrund zu diesem Projekt?

Das Konzept dazu entstand aus einer interessanten Beobachtung heraus: wenn zum Beispiel Leute beim Gehen auf ihre Smartphones starren und dann in alles Mögliche hineinlaufen. Oder wenn jemand sein Auto im Wasser versenkt, nur weil ihm sein Navigationsgerät ansagt, geradeaus zu fahren. Das Zusehen macht natürlich eine Menge Spaß, es ist aber gleichzeitig auch ein wenig bedenklich.

Aufgrund dieser Beobachtungen entstand bei mir die Idee, ein „Gerät“ zu entwickeln, das einerseits Spaß macht, andererseits aber auch zeigt, wie wir bei Kontrollverlust reagieren. Und darum geht es bei der Wasserfall-Schaukel. Es gibt keinen Knopf, um sie abzustellen. Zieht dich jemand nach hinten und gibt dir einen kräftigen Schubs, kann man nur mehr hoffen, dass wir unsere Berechnungen richtig gemacht haben. (lacht)

 

Welche Herausforderungen gab es bei diesem Projekt?

Die größten Herausforderungen sind die unterschiedlichen Medien und der Umfang dieses Projekts. Ich bin Techniker und beschäftige mit Dingen wie dem Bau der Schaukel, dem Herstellen der Rahmenteile und zum Teil auch mit der konzeptionellen Arbeit. Es gibt aber Bereiche, die mir völlig fremd sind, wie etwa das Schreiben von Computerprogrammen zur Steuerung der Software. Und wenn ein Projekt solche Dimensionen annimmt, dann wird auch das Projektmanagement ein nicht zu unterschätzender Bestandteil, den ich ebenfalls nicht selbst übernehmen kann. Daher arbeite ich gemeinsam mit zwei Freunden an diesem Projekt.

 

Was ist das Besondere an dieser Installation hier?

mike o'toole

Mike freut sich über die Installation hoch über den Dächern von Linz

Die Installation hoch oben auf einem Dach ist einfach genial. Vor allem bei Nacht muss es ein einmaliges Gefühl sein, wenn man beim Schaukeln die ganze Stadt sieht.

Wir haben schon immer davon geträumt, unsere Installation eine ganze Saison hindurch an einem Standort aufstellen zu können. Denn auch in Amerika oder bei den jüngsten Installationen in den Niederlanden ist unsere Arbeit höchstens eine Woche zu sehen. Daher ist es schon eine Besonderheit, wenn unser Projekt fünf Monate lang an einem so großartigen Schauplatz gezeigt wird, und das noch dazu in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen voestalpine open space.

 

Was ist es für ein Gefühl, wenn man Besucher beim Schaukeln zusieht?

Uns bereitet es unglaubliches Vergnügen, Menschen beim Schaukeln zuzusehen. Wir könnten den ganzen Tag dasitzen und nur die Leute auf der Schaukel beobachten. Man fühlt sich unbeschreiblich, wenn man etwas geschaffen hat, was den Menschen ein ganz neues Gefühl vermittelt.

Uns ist aufgefallen, dass Kinder und ältere Menschen – über 70 oder 80 – völlig befreit und beinahe draufgängerisch sind, wenn sie sich auf der Schaukel befinden. Und jeder andere zwischen diesen beiden Altersgruppen zeigt eine andere Reaktion – denn die meisten sind es nicht gewöhnt, Kontrolle abzugeben.

 

Wie beurteilen Sie das Engagement von voestalpine für kulturelle Projekte?

Es ist großartig, Industrie und Kultur miteinander zu vereinen. Ein großartiges Beispiel dafür ist der voestalpine open space, der in nur wenigen Wochen errichtet wurde und schon in dieser kurzen Zeit dem Ort hier ein völlig neues Lebensgefühl eingehaucht hat.

 

Welche Bedeutung hat für Sie der Werkstoff Stahl?

Stahl ist für mich eine Konstante, die schon immer da war. Für einen Künstler ist es außerdem eines der härtesten und nachhaltigsten Materialien, mit denen man arbeiten kann. Man muss eine Reihe sehr gewissenhafter Entscheidungen treffen, damit das Werk so wird, wie man es sich vorstellt. Hat man diese richtig getroffen, wird das Kunstwerk womöglich ewig halten. (lacht)

 

Was ist Ihre persönliche Vision?

Mein Ziel ist es, zwischen den Welten der Kunst und der Technik zu leben und zu arbeiten. Ich möchte als Problemlöser gerne ein Rädchen in der Kunstwelt sein, aber daneben auch genügend Zeit haben, um an meinen eigenen Werken zu arbeiten.

 

 Mehr Informationen zu voestalpine open space: www.voestalpine.com/openspace

Viktoria Steininger