voestalpine open space: Eine Möglichkeit, Zukunft zu denken 3 Minuten Lesezeit
voestalpine open space

voestalpine open space: Eine Möglichkeit, Zukunft zu denken

Michael Leithinger

2014 wurde der voestalpine open space hoch über den Dächern der Stadt eröffnet. Mit diesem Kultur- und Erlebnisraum eröffnen sich auch neue Perspektiven. Welche, das erzählt Martin Sturm im ersten Teil des Interviews.

Interview Martin Sturm, Teil 1

Was ist das Besondere am voestalpine open space?

Martin Sturm

Martin Sturm ist seit 1992 Direktor des O.K Centrum für Gegenwartskunst Oberösterreich. Er hat außerdem die künstlerische Leitung des OÖ Kulturquartiers im Zentrum der Stadt inne.

Das ist ein Raummodell, das veränderbar ist. Normalerweise denkt man gebaute Strukturen immer fertig, ein Haus zum Beispiel. Der voestalpine open space ist eine Grundstruktur, die ich immer wieder neu betrachten und nutzen kann, eine Versuchsanordnung im dreidimensionalen Raum, in der ich mich bewegen kann.

Ein Raum, der nie fertig ist?

So ist es. Wie ein Chamäleon, das nicht nur seine Farbe, sondern auch seine Struktur verändern kann. Die Leute, die hereinkommen, wissen nicht, sind sie in einem Raum oder auf einer Freifläche, sie sind dem Wind, dem Licht ausgesetzt, sie fragen sich, ob es hereinregnet. Das würde man von einem Raum nicht erwarten. Das sorgt für Verwirrung, aber das ist sehr hilfreich!

Hilfreich wobei?

Die Verwirrung, oder besser noch die „Ver-Wirrung“ hat ein kreatives Potenzial, sie ist ein guter psychischer Zustand, um die Dinge offener anzuschauen. Wenn man verunsichert ist, schaut man anders und genauer.

Wie im Urlaub, da gibt es auch Verwirrung …

Und das ist eine positive Verwirrung, weil wir gleichzeitig fasziniert sind. Dann sind wir auch bereit, eine Grenze in unserer Wahrnehmung zu überschreiten und dann ist die Irritation ein Gewinn. Verwirrung und Faszination zugleich kann man im voestalpine open space erleben. In diesem Zustand kann man besser Zukunft denken. Es geht ja nicht um den Raum selbst, sondern um eine Disposition der Benutzer.

"Verwirrung und Faszination zugleich kann man im voestalpine open space erleben. "
ZitatMartin Sturm

Wie entsteht diese Möglichkeit, Zukunft zu denken?

alien productions, metamusic, 2015

Der voestalpine open space beim Höhenrausch 2015. alien productions, metamusic, 2015

Wir bauen ja im Laufe der Jahre Überzeugungen auf, nach denen wir leben. Und wir tun uns immer schwerer damit, etwas Neues aufzunehmen. Wir ordnen nur mehr unseren Überzeugungen zu und verlieren an Assimilationsfähigkeit. Das Potenzial der Kunst ist es, das zu durchbrechen, und zwar nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Körper. Das trifft besonders auf den voestalpine open space zu, der erfordert Aktivität.

Welche Art Aktivität?

Man muss sich den Raum erwandern, die Ausblicke ändern sich ständig, es gibt unendlich viele Möglichkeiten der Betrachtung, man fühlt sich ausgesetzt, der Raum ist erbarmungslos, er fordert einen – aber er funktioniert. Diese Mannigfaltigkeit lässt vieles offen und macht vieles möglich. Sie fordert nicht nur die Besucher, sie fordert auch die Künstler. Kunst aus einer idealen Distanz und aus einem idealen Blickpunkt, das geht hier oben nicht. Sie müssen sich mit dem Raum auseinandersetzen und das will nicht jeder, das gelingt auch nicht immer. Das ist aufwändig, aber die Zukunft zu denken, das ist immer aufwändig.

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