Wasserstoff – Energieträger der Zukunft? 2 Minuten Lesezeit
Umwelt

Wasserstoff – Energieträger der Zukunft?

Michael Leithinger

Wasserstoff ist ein Gas, das in der Stahlindustrie schon lange im Einsatz ist – als Bestandteil des Kokereigases zum Beispiel. Nun wird sein Potenzial als Reduktionsmittel in der Stahlerzeugung und als Energieträger der Zukunft erforscht.

Wasserstoff (H2) ist ein farb- und geruchsloses, sehr leichtes und ungiftiges Gas und das häufigste chemische Element im Universum. Auf der Erde kommt es nur gebunden vor – in Wasser sowie in sämtlichen organischen Verbindungen. Wasserstoff hat eine hohe Affinität zu Sauerstoff – eine höhere als Eisen. Deshalb könnte Wasserstoff anstelle des Kohlenstoffs als Reduktionsmittel genutzt werden, was nun u. a. im Rahmen von H2FUTURE und SuSteel (Sustainable Steel) untersucht wird. Nicht nur die voestalpine, auch andere europäische Stahlhersteller loten bereits die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff in der Stahlproduktion aus.

Vielfältige Nutzung

Jährlich werden rund 750 Mrd. m3 (70 Mio. t) Wasserstoff hergestellt. Genutzt wird er u. a. als Roh- bzw. Grundstoff in verschiedenen Industrien (Düngemittel-, Chemie- und Lebensmittelindustrie, Raffinerien, Halbleiterentwicklung), als Energieträger und
-speicher sowie als Antriebsstoff in der Raumfahrt und in Brennstoffzellen von Automobilen. Die erste industrielle Anwendung erfuhr Wasserstoff als Traggas in Ballons und Luftschiffen. Aufgrund der leichten Entzündlichkeit von H2-Luft-Gemischen kam es wiederholt zu Unfällen – die Hindenburg-Katastrophe in den 1930er-Jahren hat sich fest im allgemeinen Bewusstsein verankert. Tatsächlich aber ist Wasserstoff aufgrund seiner geringeren Energiedichte gegenüber Erdgas deutlich weniger kritisch.

Energieträger der Zukunft

Immer mehr Forscher beschäftigen sich intensiv mit Wasserstoff und sehen in ihm den Energieträger der Zukunft, der die Welt von fossilen Energiequellen unabhängiger machen kann. Wasserstoff könnte in der Tat Strom aus volatilen erneuerbaren Quellen speichern und bei Bedarf wieder verstromt werden. Heute wird Wasserstoff jedoch zu 96 % im so genannten Reforming-Prozess durch die Zerlegung von Erdgas hergestellt, also in einem CO2-lastigen Prozess. 4 % stammen aus alkalischer Analyse, bei der große Mengen Lauge anfallen. Neue, nachhaltige Wasserstoff-Elektrolyse-Verfahren wie die „Proton Exchange Membrane“-Technologie machen Wasserstoff zum Hoffnungsträger, kann er doch damit nahezu klimaneutral hergestellt werden. Ob diese Technologie auch großindustriell einsetzbar ist, das wird nun im Rahmen von H2FUTURE erforscht.