Neues Zuhause für sechs Mitarbeiter aus Syrien und Afghanistan 3 Minuten Lesezeit
Soziale Verantwortung

Neues Zuhause für sechs Mitarbeiter aus Syrien und Afghanistan

Christopher Eberl
Christopher Eberl ist redaktionell verantwortlich für die Karriere-Themen sowie für die Lehrlingswebsite. Mit seinen Geschichten gewährt er Einblicke in die Arbeitswelten des voestalpine-Konzerns.

Die voestalpine Rotec GmbH & Co. KG mit ihren Produktionsstandorten in Annweiler am Trifels (Rheinland-Pfalz) und Sülzfeld (Thüringen) produziert mit über 200 Mitarbeitern Komponenten für die Automobilindustrie sowie für den allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau. In den vergangenen beiden Jahren stießen auch sechs Mitarbeiter aus Afghanistan und Syrien zur Belegschaft.

Es ist ein Beispiel für die gelungene Integration Geflüchteter, denn das Team vor Ort, das Unternehmen und die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund selbst ziehen an einem Strang. „Es war natürlich mehr Aufwand notwendig, denn unsere vier Mitarbeiter aus Afghanistan hatten ganz einfach mehr Lernbedarf. Das ist zum einen die sprachliche Barriere, und zum anderen das Neuland CNC-Steuerung“, erklärt Hartmut Kammerzell, Werkleitung beim Werk in Thüringen, unumwunden, „Trotzdem sind wir sehr froh, dass wir die Mitarbeiter haben.“

Mitarbeiter Denny Hauck erklärt seinen Schichtkollegen Amin Zadran und Ali Marjan Shinwari in Sülzfeld die Abläufe an der automatisierten Niet-Stanzstation für Lenkungsteile.

Langfristig planen

Nicht nur weil es in Deutschland – und speziell im „Dreiländereck“ zwischen Thüringen, Bayern und Hessen, in dem zahlreiche Industriekonzerne auch große Standorte unterhalten – schwierig ist Mitarbeiter zu finden, so Kammerzell weiter, sondern weil die Kollegen mittlerweile bereits an mehreren Anlagen einsetzbar sind: „Mohammad Amin Zadran, der schon seit Januar 2018 bei uns ist, kann schon an vier, fünf Anlagen arbeiten und bis auf den Bereich ‚Airbag-Komponenten‘ waren die Neulinge schon in allen Bereichen tätig. Es ist ja unser Ziel die Mitarbeiter langfristig zu binden, weswegen wir sie auf lange Sicht an sämtlichen Maschinen einarbeiten wollen.“ Eine Anstellung ist zwar auch in Deutschland nicht automatisch mit einer Anerkennung im Asylverfahren verbunden. Doch zumindest bei Amin Zadran hat sich die Übernahme in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis positiv auf seinen Aufenthaltsstatus ausgewirkt – er hat eine längere Duldung als bisher erhalten.

Gelungene Integration

Auch in Annweiler wurde der aus Syrien stammende Quataybeh Alzarzur – der schon vor bald zwei Jahren zum Unternehmen kam – fest angestellt, erzählt der Produktionsmeister Mark Dully: „Und auch sein syrischer Kollege, Loai Ezzou, der noch einen Zeitvertrag hat, soll in eine unbefristete Beschäftigung werden, wenn es weiter so funktioniert, wie es eben unter den Mitarbeitern funktionieren soll: Sie haben sich bemüht, dass sie hier ankommen, Sprachkurse mit Abschluss an der Volkshochschule belegt und es läuft im Team harmonisch.“ Wenn es Vorbehalte unter der Belegschaft gab, dann haben sich diese schnell verflüchtigt, bestätigt auch Hartmut Kammerzell: „Mit ihren deutschen Kollegen und Kolleginnen kommen die afghanischen Mitarbeiter in ihren jeweiligen Schichten sehr gut aus. Sie nutzen auch Fahrgemeinschaften zum Schichtbeginn und Schichtende.“ Und wenn man einmal sogar in die Fahrgemeinschaft integriert ist, dann ist das Ankommen natürlich leichter – im Unternehmen, wie auch im neuen Zuhause.

"Die Alltagsprache funktioniert richtig gut. Die Fachsprache war, auch wenn die beiden Kollegen einen technischen Ausbildungshintergrund haben, am Anfang noch die größte Hürde. Mittlerweile wird aber auch das immer besser."
Mark Dully

Schichtübergabe von Noor Ullah Stanakzai an seinen Schichtnachfolger Ali Marjan Shinwari an der Niet-Stanzstation für Lenkungsteile.

Christopher Eberl