Interview mit Margaretha Maleh von Ärzte ohne Grenzen (Teil I) 4 Minuten Lesezeit
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Interview mit Margaretha Maleh von Ärzte ohne Grenzen (Teil I)

Christopher Eberl
Holds editorial responsibility for career topics and for the apprentice website. His stories offer insights into the world of work at voestalpine.

Die voestalpine unterstützt angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Im folgenden Interview spricht Margaretha Maleh, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, unter anderem über aktuelle Projekte und Herausforderungen in der Flüchtlingskrise.

Margaretha Maleh, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich

Margaretha Maleh, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, im Interview.

Die gebürtige Tirolerin ist Mitglied des ehrenamtlichen Vorstands und seit Mai 2015 Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. Margaretha Maleh hat sowohl ein Diplom in Psychotherapie (Systemische Familientherapie) als auch in Sozialmanagement und verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung als Psychotherapeutin in eigener Praxis. Im folgenden Interview erläutert sie, wofür die Organisation steht, in welchen Ländern sie aktiv sind und wie die Hilfeleistung bei der aktuellen Flüchtlingssituation aussieht:

Wofür steht die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen?

Ärzte ohne Grenzen ist eine medizinisch-humanitäre Hilfsorganisation und wurde im Jahr 1991 gegründet – die Sektion Österreich wurde 1994 ins Leben gerufen und ist unter anderem für die Evaluation von Projekten verantwortlich. Die Organisation lebt rein von privaten Spenden und verfolgt das Hauptziel, Menschen in Not ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, religiöser oder politischer Überzeugung professionell zu helfen. Unsere unabhängige Hilfe leisten wir für Menschen, die keinen oder ungenügenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben, sei es nach Naturkatastrophen, bei bewaffneten Konflikten, Ernährungskrisen, Epidemien oder infolge von Flucht und Vertreibung, wie wir es gerade rund um den Krisenherd Syrien erleben.

Welche Art von Projekten gibt es?

Wir waren 2015 in 63 Ländern weltweit mit verschiedensten Projekten tätig – im Irak alleine waren es 8 Projekte. Die größten Projekte laufen aktuell im Süd-Sudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo und natürlich in den Nachbarländern Syriens. Eines der wichtigsten Projekte führen wir derzeit in Amman, Jordanien: Hier wird ein Krankenhaus für plastische Chirurgie geführt, welches auf Kriegsverletzungen spezialisiert ist.

Wie sieht die Hilfe bei der aktuellen Flüchtlingssituation aus?

Seit Beginn der Konflikte im Mittleren Osten – vor allem in Syrien und im Irak – haben wir in Flüchtlingslagern vor Ort sowohl medizinische Behandlungszentren als auch spezielle Kliniken für Chirurgie, psychologische Versorgung sowie Mutter-Kind-Zentren eingerichtet. In den Erstaufnahmezentren in Italien, Griechenland, entlang der sogenannten Balkanroute aber auch in Calais, Frankreich, helfen wir mit dem Notwendigsten, wie Zelte, Wasser oder eben medizinische Grundversorgung. In Österreich unterstützten wir das Rote Kreuz an den Grenzübergängen mit unseren Helfern. Ärzte ohne Grenzen hat aber auch zum Beispiel mit 3 Schiffen im Mittelmeer rund 18.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet.

Was sind hier die größten Herausforderungen?

Eines muss uns auf jeden Fall klar sein: Die Flüchtlingskrise ist noch nicht vorüber, im Winter wird es nur eine „kleine Pause“ geben. Man darf außerdem nicht vergessen, dass derzeit weltweit mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Ärzte ohne Grenzen leistet ebenso medizinische wie humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten wie Irak, Afghanistan, Syrien, Jemen oder Süd-Sudan. Weiters betreibt die Hilfsorganisation Ernährungszentren für mangelernährte Kinder im Niger und Tschad, ist aktiv in der Bekämpfung von Malaria sowie Cholera, führt Impfaktionen durch, versorgt die Menschen mit Hilfsgütern und Wasser und vieles mehr.

Der globale Klimawandel und die zunehmenden Naturkatastrophen – einhergehend mit Klima- und Armutsflüchtlingen – werden ebenso neue Herausforderungen mit sich bringen. Aber auch das Auftreten von neuen Krankheiten und Epidemien – Ebola hat uns hier die Grenzen der medizinischen Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt – verlangen immer mehr nach einer globalen Gesundheitspolitik. Darum kämpft Ärzte ohne Grenzen auch darum, dass für alle Menschen leistbare Medikamente zur Verfügung gestellt werden.

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie unter anderem welche Einsätze Margaretha Maleh in Erinnerung geblieben sind und was ihre persönliche Motivation für ihr Tätigkeit bei Ärzte ohne Grenzen ist. Erscheinungsdatum: Freitag, 12. Februar 2016