Interview mit Franz Luef von Ärzte ohne Grenzen (Teil I) 4 Minuten Lesezeit
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Interview mit Franz Luef von Ärzte ohne Grenzen (Teil I)

Christopher Eberl
Christopher Eberl ist redaktionell verantwortlich für die Karriere-Themen sowie für die Lehrlingswebsite. Mit seinen Geschichten gewährt er Einblicke in die Arbeitswelten des voestalpine-Konzerns.

Die voestalpine unterstützt angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Im folgenden Interview spricht Franz Luef, Advocacy & Humanitarian Affairs Representative bei Ärzte ohne Grenzen Österreich, unter anderem über seinen Werdegang sowie seine internationalen Einsätze.

Der gebürtige Steirer ist bereits seit 2003 bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und war bisher in den verschiedensten Ländern und Positionen tätig. Nach der HTL für Elektrotechnik (Steuerungs- und Regelungstechnik) absolvierte Franz Luef das Studium der Internationalen Wirtschaftswissenschaften (Finance & Controlling) und International Economics & Business Studies. Seit 2015 ist der 42-Jährige als Advocacy & Humanitarian Affairs Reprsentative in Wien tätig. Im ersten Teil des Interviews spricht er unter anderem über seinen beruflichen Werdegang und seine bisherigen internationalen Einsätze:

Interview mit Franz Luef von Ärzte ohne Grenzen (Teil I)

Franz Luef, Advocacy & Humanitarian Affairs Reprsentative, Ärzte ohne Grenzen Österreich (Foto: Philipp Horak)

Von einer HTL für Elektrotechnik zu Ärzte ohne Grenzen. Eher ein untypischer Werdegang, oder?

Ja und Nein. Zum einen war mir ein internationales Arbeitsumfeld von Beginn an sehr wichtig. Bereits während des Studiums lernte ich die Vorteile eines multinationalen und multikulturellen Teams zu schätzen. Der richtungsweisende Schritt kam jedoch ein paar Jahre später, als ich zufällig bei einer Informationsveranstaltung von Ärzte ohne Grenzen war. Die Präsentation über Ärzte ohne Grenzen begann damals mit den Worten:

"Ich möchte einen Mythos beenden! Ärzte ohne Grenzen braucht nicht nur medizinisches Personal, sondern auch Logistiker, Techniker, administratives und finanzerfahrenes Personal."
Franz Luef, Advocacy & Humanitarian Affairs Reprsentative, Ärzte ohne Grenzen Österreich

Ich dachte mir damals, obwohl ich keine medizinische Ausbildung habe, würde ich mit meiner Ausbildung doch zwei wichtige Bereiche abdecken. Und so kam es dann auch. In meinen ersten Einsätzen konnte ich meine Erfahrung im Bereich der Administration und Finanzen einbringen – später auch im Bereich der Logistik. Mit der Zeit konnte ich dann auch die Verantwortung für einzelne Projekte übernehmen. Seit nun mehr einem Jahr bin ich für Humanitäre Agenden und Bewusstseinsarbeit im Wiener Büro zuständig. Bewusstseinsarbeit zu betreiben beziehungsweise Fürsprache für unsere Patienten zu halten ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen.

"Ich würde sogar sagen, dass Ärzte ohne Grenzen vor fast 45 Jahren auch deshalb gegründet wurde – um Menschen in Not eine Stimme zu verleihen."
Franz Luef, Advocacy & Humanitarian Affairs Reprsentative, Ärzte ohne Grenzen Österreich

Eine Stimme, die von der Öffentlichkeit, aber auch von den verschiedenen Entscheidungsträgern gehört wird. In diesem Sinne ist es das Ziel unserer Bewusstseinsarbeit („Advocacy“) hier in Österreich, eine positive Veränderung für Menschen in Not zu bewirken, indem wir das Gespräch mit Entscheidungsträger suchen aber uns auch öffentlich zu humanitären wichtigen Themen kritisch positionieren.

Sie haben bereits unterschiedliche Funktionen wahrgenommen und Projekte begleitet beziehungsweise geleitet. Welches Projekt ist Ihnen hier am meisten in Erinnerung geblieben?

Grundsätzlich würde ich sagen: Je näher man bei den Patienten und der Bevölkerung sein kann, umso intensiver und bewegender ist auch unsere Arbeit. Man sieht und erlebt dann unmittelbar die Herausforderungen unserer Arbeit – und leider auch die Einschränkungen. Gerade bei Noteinsätzen, zum Beispiel bei meinen Einsätzen als Nothilfekoordinator bei einem Choleraausbruch in Sambia oder einem Erdbeben in Peru, trifft dies besonders zu. Am meisten in Erinnerung sind mir sicherlich meine Einsätze im Jemen und in Syrien, wo uns trotz der schwierigen und leider oft aussichtslosen Situation der Bevölkerung eine beispiellose Gastfreundlichkeit, Höflichkeit und Freundschaft entgegengebracht wird.

"Ganz besonders ist mir die Bitte eines Mitarbeiters in Erinnerung geblieben, nach meiner Rückkehr nach Österreich meinen Freunden und Bekannten doch zu berichten, wie die Bevölkerung im Jemen tatsächlich ist."
Franz Luef, Advocacy & Humanitarian Affairs Reprsentative, Ärzte ohne Grenzen Österreich

Im zweiten Teil des Interviews werden Sie mehr über Franz Luefs Einsätze in Syrien, Jemen und Jordanien erfahren. Im Jahr 2012 war er zum Beispiel für den Aufbau eines Feldspitals im Norden von Aleppo zuständig – Herausforderung war hier einen sicheren und geeigneten Standort zu finden. Anfang 2014 startete er ein Projekt zur medizinischen Betreuung von Syrern mit chronischen Erkrankungen, die keinen Zugang zum Jordanischen Gesundheitssystem haben. Außerdem wird Franz Luef schildern, welche Herausforderungen er für die aktuelle Flüchtlingsproblematik sieht.